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Böses Erwachen für "Glückspilz"? Felix Sturm drohen drei Jahre Gefängnis

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Angezählt: Felix Sturm könnte für drei Jahre hinter Gittern landen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Vor einem Jahr wird Felix Sturm auf einer Fitness-Messe spektakulär von Polizisten festgenommen und wegen Steuerhinterziehung, Körperverletzung und Dopings angeklagt. Im Prozess gegen den früheren Box-Weltmeister wird am Donnerstag ein Urteil gesprochen - Sturm drohen mehr als drei Jahre Haft.

Lange Zeit war Felix Sturm der Glückspilz im deutschen Profiboxen. Der Leverkusener mit der feinen Technik kam nach Rückschlägen immer wieder auf die Beine, wurde fünfmal Weltmeister und verdiente Millionen. Doch zum Karriereende droht das böse Erwachen. Im Prozess wegen Steuerhinterziehung wird am Donnerstag in Köln das Urteil gesprochen, die Staatsanwaltschaft fordert eine lange Haftstrafe.

"Für mich war er immer 'Felix der Glückliche'. Nun bin ich gespannt, wie sein Fall ausgeht", sagte Präsident Thomas Pütz vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) dem SID. Sturm ist schwer angezählt, laut Staatsanwaltschaft soll er drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Ein Horror für den eleganten Fighter aus dem Supermittelgewicht, auch wenn er die Strafe im offenen Vollzug abbüßen könnte.

Der Steuerschaden soll sich auf eine Million Euro belaufen, zunächst war die Staatsanwaltschaft sogar von 5,8 Millionen Euro ausgegangen. Sturms Anwalt Nils Kröber hatte die Summe deutlich heruntergesetzt, fordert maximal zwei Jahre auf Bewährung für seinen Mandanten. "Wir sind zuversichtlich", sagte Kröber am Dienstag. Mithilfe einer Schweizer Vermarktungsfirma soll Sturm Einnahmen vertuscht haben. Das Geld sollte laut Verträgen an die Agentur fließen, landete aber letztendlich nach Meinung der Staatsanwaltschaft auf Sturms Konto. So habe der fünfmalige Weltmeister beim Finanzamt falsche Angaben über seine Einnahmen machen können.

Kampf gegen Ex-Champion Arthur Abraham?

Sturm war im April vergangenen Jahres auf der Fitness-Messe Fibo spektakulär von Polizisten festgenommen worden. Er soll in der Zeit zwischen 2009 und 2017 Steuern hinterzogen haben, zudem wurde er wegen Körperverletzung und Dopings angeklagt. Nach acht Monaten in Untersuchungshaft kam Adnan Catic, wie Sturms bosnischer Geburtsname lautet, zu Weihnachten gegen 300.000 Euro Kaution auf freien Fuß. Sturm hatte vor Gericht argumentiert, dass er zurück in den Ring müsse. Nur mit den Einnahmen aus einem lukrativen Kampf gegen Ex-Champion Arthur Abraham könne er wieder Herr seiner Finanzen werden.

"Wir hätten keine Einwände gegen so einen Kampf", sagte Pütz, der die Lizenz vergibt. "Fraglich ist nur, ob die Zuschauer anbeißen und ob ein großer TV-Sender einsteigt." Neben der Steuersache liegt gegen Sturm auch eine Doping-Anklage vor. Er war nach dem Sieg im WM-Kampf gegen den Russen Fedor Schudinow in Oberhausen im Februar 2016 positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden. Allerdings kam es bei dem Verfahren zu Ungereimtheiten, der Weltverband WBA verzichtete darauf, ihm den Gürtel wegzunehmen.

"Das ist ein Grenzfall. Wir gehen davon aus, dass der notwendige Nachweis für Doping nicht geführt werden kann", sagte Anwalt Kröber und räumte dem angeblichen Präzedenzfall in Sachen Doping kaum Chancen ein. Anders als vor einem Verbandsgericht muss dem Athleten im Strafprozess klar nachgewiesen werden, dass er die unerlaubte Substanz willentlich zu sich genommen hat. Dass der Prozess am Ende einen langen Schatten auf das eh schon angeschlagene deutsche Profiboxen werfen könnte, befürchtet Pütz nicht. "Im Boxen sind nicht alle wie Henry Maske oder die Klitschkos", meinte Pütz und blieb zuversichtlich: "Es gibt verschiedene Charaktere. Graciano Rocchigiani stand auch mit dem Gesetz in Konflikt, trotzdem haben ihn die Menschen geliebt."

Quelle: ntv.de, dbe/sid