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Siegen unter Doping-Verdacht Froome gibt den neuen "Tourminator"

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Christopher Froome ordnet dem Tour-Sieg alles unter.

(Foto: picture alliance / dpa)

Christopher Froome hat es geschafft. Zum dritten Mal gewinnt er die Tour de France. Souverän. Zu souverän? Eine Schwäche zeigt der Brite binnen der drei Wochen nicht. Das weckt Erinnerungen an einen anderen Seriensieger: Lance Armstrong.

Die 103. Tour de France ist Geschichte. Langweilig war sie nicht - abgesehen vom Kampf um das Gelbe Trikot. Das trägt am Ende auf dem Pariser Champs-Élysées der in Kenia geborene Brite Christopher Froome. Er zeigt während der dreiwöchigen Frankreich-Rundfahrt keine Schwächen, siegt souverän und muss sich dennoch Pfiffe der Radsportfans gefallen lassen. Die scheinen offenbar nicht so schnell vergessen zu können: Die Leichtigkeit, mit der Froome seine Gegner dominiert, erinnert stark an den "Tourminator" Lance Armstrong. Der fuhr seine sieben Gesamtsiege allerdings allesamt gedopt ein. Doping mit System also auch bei Froome?

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Froome ist der am meisten getestete Fahrer bei der Tour.

(Foto: picture alliance / dpa)

Froome selbst verneint das. Sein Team Sky auch. Bereits nach den ersten beiden Tour-Wochen sei er mehr als ein Dutzend Mal getestet worden, sagt Mannschaftsleiter David Brailsford. Die obligatorischen Tests nach den Etappen kämen da noch hinzu. Als Träger des Gelben Trikots wird Froome sofort nach der Ankunft noch im Zielbereich getestet. In den Nächten zwischen den Etappen habe es aber keine Tests gegeben, so Brailsford.

Es gilt also auch bei Froome, wie damals bei Armstrong, die Unschuldsvermutung. Dennoch hinterlässt seine Dominanz bei dieser "Grand Boucle" - wie auch bei den vorherigen Gewinnen 2013 und 2015 - einen faden Beigeschmack. Dafür verantwortlich ist aber nicht Froome selbst, sondern vielmehr die Rennleitung.

Lauf, Froome, lauf!

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Und Froome läuft ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Als auf der verkürzten 12. Etappe hinauf zum Mont Ventoux ein TV-Motorrad wegen der auf der engen Straße herumrennenden Fans stoppen muss und die Gruppe mit Froome, Bauke Mollema und Richie Porte stürzt, entscheidet die Rennjury für den Maillot-Jaune-Träger: Froome, der im Ziel knapp 1:45 Minuten und das Gelbe Trikot an Adam Yates eingebüßt hat, auch weil er nicht schnell genug von seinem Teamwagen mit einem fahrtüchtigen Rennrad versorgt wird und mehrere hundert Meter zu Fuß zurücklegen muss, wird "genullt": Es gelten die Zeitabstände vor dem Sturz, wie die Rennjury entscheidet. Froome bleibt Gesamtführender. Die Fans pfeifen ihn aus, meinen aber eigentlich die Tour-Leitung.

Diese "Lex Froome" stößt der Konkurrenz doppelt sauer auf: Froome bremst auf der gleichen Etappe zuvor das Peloton ein, unter dem Vorwand, pinkeln zu müssen, um dann jedoch einem gestürzten Fahrer aus seinem Team die Fahrt ans Feld heran zu erleichtern. Dieses patronale Verhalten gab es zuvor bereits des Öfteren - bei Armstrong.

Froome downhill ins Gelbe

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Sieg nach starker Abfahrt: Chris Froome gewinnt die 8. Etappe und das Gelbe Trikot.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ungeachtet dieses "Skandals am Ventoux" muss der Radsportfan aber anerkennen, dass mit Froome der mit Abstand stärkste, weil kompletteste Fahrer in diesem Jahr gewonnen hat. Froome, der von sich selbst sagt, dass er der Tour alles unterordnet, schockt die Konkurrenz bereits früh. Während der 8. Etappe nach Bagnerés-de-Luchon auf der Abfahrt vom Col de Peyresourde brettert er, in halsbrecherischer Pose auf seiner Rennmaschine liegend, den Mitfavoriten davon und nimmt ihnen so die ersten Sekunden ab. Froome fährt ins Gelbe Trikot. Der Kolumbianer Nairo Quintana, zweifacher Tour-Vize und vor der Rundfahrt zum stärksten Konkurrenzen hochstilisiert, hat bereits fast eine halbe Minute Rückstand auf den Briten.

Zuvor sind bereits der Italiener und diesjährige Giro-Sieger Vincenzo Nibali und der Spanier Alberto Contador aus dem Favoritenkreis ausgeschieden. Contador stürzt auf den Flachetappen mehrfach. Er steigt später aus der Tour aus. Nibali ist der lebende Beweis, dass es derzeit nicht möglich ist, zwei der drei großen Rundfahrten vorn zu beenden.

Stark am Berg

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Porte kämpft, auch am Mont Ventoux.

(Foto: picture alliance / dpa)

Froomes ehemaliger Sky-Teamkollege Porte fährt bereits seit der 2. Etappe nach Cherbourg-en-Cotentin mit deutlichem Rückstand auf die Spitze hinterher. Der Australier in Diensten von BMC büßt nach einem technischen Defekt 1:45 Minuten ein. Dieses Handicap kann er im weiteren Tour-Verlauf nicht wieder wettmachen, denn mit Froome in Gelb läuft das Team Sky zu Hochform auf.

In den Pyrenäen hält die Mannschaft mit dem mit Abstand höchsten Etat im Peloton - mehr als 24 Millionen Pfund (knapp 29 Millionen Euro sollen es sein; zum Vergleich: Beim Team T-Mobile sind es 2005 geschätzte 11 Millionen Euro.) - das Tempo hoch. Angriffe von Quintana oder dessen Teamkollegen Alejandro Valverde kontern Froomes Helfer problemlos. Dabei sticht vor allem der Niederländer Wout Poels heraus. Er ist nach dem Weggang Portes der neue Edeldomestike Froomes. Dabei lässt Poels die Konkurrenten seines Teamkapitäns mit einer Leichtigkeit alt aussehen, die an Armstrongs Tyler Hamilton oder Floyd Landis erinnert.

Stark im Wind, stark im Zeitfahren

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Froome sitzt perfekt auf seiner Zeitfahrmaschine.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aber auch (fast) solo punktet Froome. Auf der 11. Etappe nach Montpellier nutzt der Brite gemeinsam mit seinem Teamkollegen Geraint Thomas sowie den beiden Tinkoff-Fahrern Peter Sagan und Maciej Bodnar eine Windkante, um den Vorsprung zwischen sich und seinen Verfolgern zu vergrößern. Es gelingt: Zu sechs Sekunden im Ziel kommen noch Bonussekunden für Platz zwei hinter Sagan dazu.

Letzte Zweifel am dritten Tour-Triumph zerstreut Froome wie gewohnt bei den Zeitfahrten. Gewinnt die erste auf der 13. Etappe über 37,5 Kilometer nach La Caverne du Pont-d'Arc noch Tom Dumoulin, zeigt Froome dann beim 17 Kilometer langen Bergzeitfahren auf der 18. Etappe in den alpinen Nobelort Megève der Konkurrenz endgültig die Grenzen auf. Wie einst bei Armstrong geht es für den Rest nur noch um die Plätze. Froome ist damit bereits vor den beiden schweren Bergteilstücken vor der Ankunft in Paris fein raus: Die Konkurrenz kämpft nicht mehr gegen ihn, sondern gegen sich selbst - und egalisiert sich damit.

Langeweile auch 2017?

Froomes dritter Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt dürfte auch nicht sein letzter gewesen sein. Zu deutlich sind am Ende seine Dominanz und die seines Teams Sky. Froome ist nicht nur der stärkste und kompletteste Fahrer im Peloton, er kann auch auf das stärkste Team im Peloton bauen. Das zudem vollkommen auf seine Bedürfnisse zusammengestellt ist.

Und solange die Konkurrenz auf Doppelspitzen setzt (BMC mit Porte und Tejay van Garderen; Movistar mit Quintana und Valverde; Astana mit Fabio Aru und Nibali), während Sky alles dem Erfolg von Froome unterordnet, wird sich daran auch nichts ändern. Das Zeug, dem Briten einmal den Tour-Sieg streitig zu machen, haben am ehesten der Australier Porte und der beste Tour-Jungprofi 2016: Adam Yates. Dem Kolumbianer Quintana fehlen die Zeitfahrqualitäten. Der Italiener Aru, stark beim Bergzeitfahren, könnte 2017 überraschen - wenn ihm ein stärkeres Team zur Seite gestellt wird.

Und die Deutschen? Sie fuhren bei der 103. Frankreich-Rundfahrt auch mit, mehr nicht. Ein Etappensieg durch Marcel Kittel und der Sprinttriumph von Andre Greipel in Paris sind zu wenig. Zeitfahrspezialist Tony Martin enttäuscht bei seiner Paradedisziplin, kann sich aber zumindest einmal die rote Startnummer für den angriffslustigsten Fahrer anheften. 2017 kann aus deutscher Sicht also nur besser werden. Die Tour startet dann in Düsseldorf - mit einem 13 Kilometer langen Einzelzeitfahren. Martin danach im Gelben Trikot? Vorstellbar. Oder aber Froome - und dann könnte der Kampf ums Maillot Jaune bei der 104. Tour de France noch langweiliger werden als in diesem Jahr.

Quelle: ntv.de

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