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Die Ski-Legende wird 70 "Gold-Rosi" euphorisierte Deutschland

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Rosi Mittermaier dominierte in Abfahrt und Slalom bei den Olympischen Winterspielen 1976.

(Foto: imago sportfotodienst)

1976 sorgt Rosi Mittermaier für eine der größten deutschen Olympia-Partys. Das ganze Land dreht bei ihren Medaillen durch. Nun wird "Gold-Rosi" 70 Jahre alt. Feiern will sie nicht. In ihrem Leben waren der Frau, die sich nie hat verbiegen lassen, andere Dinge stets wichtiger.

Eine Feier? Ach du liebe Zeit, bloß nicht! Rosi Mittermaier, seit den unvergesslichen Tagen bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck auf ewig die "Gold-Rosi", sitzt auf ihrer Terrasse mit dem herrlichen Blick hinüber zur Zugspitze und schüttelt verständnislos den Kopf. "Ich weiß nicht", sagt sie dann, "warum jeden Menschen dieser Geburtstag interessiert, das ist ja furchtbar".

Rosa Katharina Mittermaier, seit 1980 verheiratete Neureuther, wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt. Ein Tag wie jeder andere für sie, nicht für Freunde - oder ihren Sohn. "Der Felix" sei ja auch so einer. "Da müssen wir was feiern", habe der betont, "aber da habe ich gesagt: wieso? Wir sehen uns doch eh jeden Tag." Stimmt: Felix Neureuther wohnt nebenan, und hinten beim Küchenausgang der Mutter stehen seine Müslischalen.

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Gold-Rosi mit ihren Medaillen.

(Foto: imago/Sammy Minkoff)

Es hatte sich ja sogar ein Bus angesagt aus Reit im Winkl, ihrer Heimat, "mit 50 Leuten und dem Bürgermeister", auch da hat Rosi Mittermaier abgesagt - allerdings aus naheliegenden Gründen: "In Zeiten von Corona muss man jetzt ja auch nichts herausfordern." Geht es nach ihr, wird sie den Tag bei sich im Garten genießen, in diesem kleinen Idyll am Rande von Garmisch - falls sie nicht ihr Mann doch noch überrascht.

Bei Ungerechtigkeit wird Rosi grantig

Rosi Mittermaier findet, Aufmerksamkeit habe sie schon genug erfahren, seit sie 1976 in Abfahrt und Slalom zu Gold und im Riesenslalom zu Silber fuhr. Deutschland drehte danach durch, auch wegen des immensen Trubels trat die "Gold-Rosi" damals am Saisonende zurück, als 25-Jährige: "Wenn ich heute daran denke, dass ich das alles ausgehalten habe, kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Ich steh ja viel durch, aber das war krass."

Das neue Leben fand Rosi Mittermaier "spannend", schließlich hatte sie als Sportlerin "schon alles gesehen". Vermisst hat sie das alte Leben trotzdem, es habe sie "gejuckt", wieder Rennen zu fahren, weil ihr "die Freunde aus dem Sport" und ihr gewohntes Umfeld fehlten. An ein Comeback, beteuert sie, habe sie dennoch nie gedacht, auch weil sie das Glück, sich nie schwer verletzt zu haben, nicht herausfordern wollte.

Dass Rosi Mittermaier über die Jahrzehnte populär geblieben ist, die "Gold-Rosi" der Nation gewissermaßen, hat wohl viel damit zu tun, dass sie noch immer so ist, wie sie ist: stets freundlich und bescheiden, immer hilfsbereit, für jede gute Sache zu haben. Sie ist eine Seele von Mensch. Der Sport hat ihr Werte wie Freundschaft und Fairness vermittelt, und diese Werte hält sie hoch. Soll aber nur keiner glauben, dass die liebenswerte Rosi nicht auch mal grantig werden kann. "Ungerechtigkeit", sagt sie mit energischem Ton, könne sie überhaupt nicht leiden. Daher hält sie auch Doping im Sport schlichtweg für "Betrug", gegen den sie "ganz strikt vorgehen würde". Und weil das in ihren Augen nicht geschieht, ist sie auch "wirklich sehr enttäuscht" vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Fensterputzen bis zum Bizepsriss

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Mittermaiers Spitzname kam gut an bei den Fans.

(Foto: imago/Frinke)

Ansonsten ruht Rosi Mittermaier freilich in sich. Sie nimmt das Leben, wie es kommt. Auch wenn es mal kleine Zwischenfälle gibt wie Ende Januar, als sie sich bei einem Sturz auf einer Eisplatte das linke Handgelenk brach. Danach hat sie einfach alles nur mit rechts gemacht, die mittlerweile drei Enkel auf dem Arm getragen, "sogar noch Fenster geputzt", solange, bis die Bizepssehne riss. Sie lacht über solche Missgeschicke.

Ihr Leben kann Rosi Mittermaier genießen, sie sieht es schon jetzt als erfüllt an, "ich habe ja auch schon alles gemacht, alles ausprobiert": Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen, Tauchen, Surfen auf Hawaii; Autorennen ist sie gefahren und Motorrad. "Ich plane nichts", sagt sie, "ich kann das auch nicht, ich habe es aber auch nie gebraucht, ich hatte immer das Glück, dass ich Leute hatte, die das für mich tun."

Und was den Mittwoch angeht: Ihr Mann Christian hat zur Sicherheit ein paar Hotels in Südtirol ausgespäht. Denn: "Ich bin gerne spontan", sagt Rosi Mittermaier, "und im Nachhinein ist es ja immer ganz schön, wenn man überrascht wird."

Quelle: ntv.de, Thomas Häberlein, sid