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Aus "Albtraum" wird "Todesgruppe"Handball-Sensation macht für Deutschland alles noch schlimmer

21.01.2026, 18:45 Uhr
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Julian Köster und das DHB-Team stehen vor gewaltigen Aufgaben. (Foto: IMAGO/Maximilian Koch)

Die Vorrunde der Handball-EM endet für Gastgeber Dänemark mit einem Schock: Der große Favorit verliert völlig unerwartet und steht nun unter gewaltigem Druck. Die Pleite des vermeintlichen Überteams ist auch für Deutschland bitter.

Als am späten Mittwochabend in der Jyske Bank Boxen, dem Tempel des dänischen Handballs, für die Gastgeber die letzte Schlusssirene der Vorrunde der EM dröhnte, stand eine ganze Handball-Nation unter Schock: Mit 29:31 hatte der seit Jahren unschlagbar scheinende Gastgeber gegen Außenseiter Portugal verloren, es war die erste Pflichtspielniederlage seit dem EM-Finale von 2024 (31:33 n.V. gegen Frankreich). "Das ist nicht akzeptabel", wütete Dänemarks Welthandballer Mathias Gidsel, die heimische Presse war sich einig: "Katastrophe!"

Alles andere als der Titel wäre für den Serien-Weltmeister tatsächlich ein Desaster, nun steht man mit dem Rücken zur Wand. Eigentlich eine gute Nachricht für die von den Dänen zuletzt erstickte Handball-Welt. Doch die Sensation hat auch bittere Auswirkungen auf die deutsche Nationalmannschaft. Was vorher schon als "Albtraum" galt, ist jetzt noch schlimmer.

"Das macht unsere Gruppe nicht nur wahrscheinlich zur schwersten Hauptrunde seit vielen Jahren, sondern zur absoluten Todesgruppe und verspricht Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus", ächzte Nationalmannschafts-Manager Benjamin Chatton mit Blick auf die gewaltigen Aufgaben, die vor dem DHB-Team. Der deutsche Torwart Andreas Wolff hatte die Auslosung bereits im Vorfeld als "Albtraum" bezeichnet, durch die überraschende Konstellation mit Dänemarks Niederlage ist die Aufgabe noch komplizierter geworden.

Gefährliche Konstellation

Denn wo man zuvor bei ansonsten perfektem Verlauf der Hauptrunde eine Niederlage gegen Top-Favorit Dänemark auf dem Weg ins Halbfinale hätte verschmerzen können, könnten nun sogar drei deutsche Siege aus den vier Spielen gegen den angeschlagenen Serien-Weltmeister, Titelverteidiger Frankreich, den deutschen WM-Schreck Portugal und Co-Gastgeber Norwegen zu wenig sein. Deutschland nimmt durch das 34:32 gegen Spanien die Maximalausbeute von zwei Punkten aus der Vor- in die Hauptrunde mit. Auch Frankreich und Portugal starten mit 2:0 Punkten in die zweite Turnierphase, Norwegen, Spanien und überraschend Dänemark nahmen keine Punkte mit aus der Vorrunde.

Verliert das DHB-Team nun gegen den Gastgeber und gewinnt die restlichen drei Spiele, steht die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason bei 8:2 Punkten. Wären die Dänen, für die nun jede Niederlage das Turnieraus bedeuten dürfte, tatsächlich so unschlagbar gewesen, wie erhofft, hätte diese starke Ausbeute sicher zum Einzug ins Halbfinale gereicht. Durch die "Katastrophe" für das vermeintliche Überteam kann bei entsprechendem Gruppenverlauf mit vier dänischen und drei deutschen Siegen neben dem Gastgeber und dem DHB-Team aber noch eine dritte Mannschaft auf diese Ausbeute kommen: das Sensationsteam aus Portugal.

"Nur noch Endspiele"

Dann kommt es auf die Ergebnisse untereinander an, welche beiden Teams um die Medaillen spielen dürfen und wer trotz einer furiosen EM enttäuscht um die Plätze dahinter kämpfen muss. Mit ihrem dramatischen Sieg über Dänemark sind die Portugiesen, die der deutschen Mannschaft 2025 im WM-Viertelfinale eine traumatische Niederlage (30:31 nach Verlängerung) beigebracht hatten, für diese Konstellation blendend aufgestellt.

Nicht auszuschließen, dass das DHB-Team für die "inakzeptable" Pleite der Dänen am Ende der Hauptrunde teuer bezahlen muss. Doch dieses Szenario ist noch weit entfernt, zunächst müssen Wolff und Co. noch reichlich Punkte sammeln. Am Donnerstag wartet als erster Gegner ausgerechnet Gigantenfresser Portugal (15.30 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de). "Wir haben alle damit gerechnet, dass Dänemark der Gegner sein würde", sagte Gislason: "Es hat mich einige Stunden Arbeit gekostet, das umzustellen." Portugal sei ein "ganz schönes Brett", sagte Kreisläufer Justus Fischer: "Aber wenn man das Turnier gewinnen möchte, muss man jedes Team schlagen." Klar ist: Bei vier deutschen Siegen ist jede Rechnerei überflüssig. Grau ist alle Theorie, was zählt ist auf dem Feld der Jyske Bank Boxen. "Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel", weiß nicht nur der Bundestrainer.

Quelle: ntv.de, ter

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