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Niemand weiß, wo es weiterginge Weltverband piesackt reisende Handball-Fans

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Die deutsche Mannschaft hofft auf viele Fans in Gdansk.

(Foto: picture alliance/dpa/Kessler-Sportfotografie)

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht vor einer ungewissen Zukunft: Mit Frankreich wartet im Viertelfinale "die schwerste Aufgabe" des Turniers. Wie es bei einem Sieg weitergeht, weiß derzeit noch niemand.

Eine Handball-Weltmeisterschaft als Abenteuertrip? Wenn Sie Lust auf eine Reise ins Ungewisse haben, steigen Sie schnell in Auto, Bahn oder Flugzeug und machen Sie sich auf den Weg nach Gdansk an der polnischen Bernsteinküste. Dort, an der "polnischen Riviera", an der Grenze zum wunderschönen Sopot, der Heimat Klaus Kinskis, bestreitet die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Mittwoch um 20.30 Uhr (ZDF und im Liveticker auf ntv.de) ihr Viertelfinale gegen Frankreich. Das immerhin steht fest: Was danach kommt? Das weiß noch niemand. Schuld ist ein logistischer Kniff: Polen und Schweden richten dieses Turnier gemeinsam aus, 32 Teams im Turnier und 112 Spiele sind zu viel für ein Land. Das macht es kompliziert.

Rund 1500 Fans waren am Montag in Katowice in der Halle, deutlich mehr waren es zuvor am Samstag gegen die Niederlande. Gegen den "schwerstmöglichen Gegner" (Bundestrainer Alfred Gislason) sollen die deutschen Fans wieder ein Faktor werden. "Die Hoffnung ist auf alle Fälle da", dass es vieltausendfache Unterstützung auch im Norden Polens gibt, sagte Kapitän Johannes Golla. "Auch, wenn es nicht einfach ist, sich unter der Woche freizuschaufeln. Wir sind unglaublich dankbar dafür." Das Viertelfinale ist noch planbar.

1400 Kilometer Landweg

Wer der deutschen Mannschaft danach weiter durchs Turnier folgen will, muss flexibel sein: Denn erst am späten Mittwochabend wird feststehen, wo Johannes Golla und seine Kollegen am Freitag spielen werden: in Polen oder in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Die Organisatoren haben sich für Fans, Teams, TV-Anstalten und Journalisten einen besonderen Kniff ausgedacht: Beide Ausrichterländer dürfen jeweils ein Halbfinale ausrichten. Die Polen lassen in Gdansk (genauer: in Sopot) spielen, in Schweden wird in der Tele2-Arena gespielt, dem Fußballstadion von Stockholm.

Eigentlich, so sah es der ursprüngliche Turnierplan vor, sollte der Gdansker-Viertelfinalist auch sein Halbfinale an der Ostseeküste spielen. Eigentlich. Denn für den Fall, dass die schwedische Mannschaft ihr Viertelfinale gegen Ägypten gewinnt, erhalten sie automatisch Heimrecht. Die deutsche Mannschaft (und die deutschen Fans und die deutschen Journalisten) müssten sich am 26. Januar auf den Weg nach Stockholm machen, um dort gegen 35.000 Menschen und den Favoriten anzuspielen.

Zwischen beiden Städten liegen 555 Kilometer (Luftlinie), 1400 Kilometer auf dem Landweg und Bundesstraßen und ein Meer. Mit der Fähre ist man 19 Stunden unterwegs, vorbei an der schwedischen Insel Gotland bis nach Nynäshamn, rund 60 Kilometer südlich von Stockholm. Dummerweise lassen sich so kurzfristig keine Plätze auf der Fähre mehr buchen. Wer es mit der Bahn versuchen möchte, muss sich 23 Stunden durch drei Länder kämpfen. Mit dem Flugzeug ginge es derzeit noch, aber dummerweise spielt Schweden am Mittwoch erst um 20.30 Uhr gegen Ägypten, gegen 22.30 Uhr wissen dann also alle, wo sie hinmüssen. Und was passiert, wenn Schweden ausscheidet, fragte man sich im Rahmen des Hauptrundenfinals der deutschen Mannschaft gegen Norwegen auch auf der Pressetribüne. Tendenz: Dann geht es auch nach Stockholm.

"Sollte sich Schweden qualifizieren ..."

Der Plan ist so intransparent, dass sich der Weltverband zu einer "Erklärung des weiteren Turnierverlaufs" verpflichtet sah. Und es ist doch alles ganz einfach: "Sollte sich Schweden qualifizieren, wird das Halbfinale in Stockholm ausgetragen, wo es auf den Sieger der Partie zwischen Frankreich und Deutschland trifft. In diesem Fall würden also die Sieger der Viertelfinale 2 - Norwegen gegen Spanien - und 4 - Dänemark gegen Ungarn - in Gdansk spielen", schreibt die IHF. "Sollte sich Schweden nicht für das Halbfinale qualifizieren, wird das erste Halbfinale in Danzig zwischen Frankreich oder Deutschland und Ägypten ausgetragen. Das zweite Halbfinale wird zwischen den Siegern der Viertelfinals 2 und 4 in Stockholm ausgetragen." Also: Halbfinale entweder da oder dort. Zwischen da und dort liegen 555 Kilometer Luftlinie, 1400 Kilometer Landweg und ein Meer. Zwischen beiden Spielen liegen keine 48 Stunden.

Schafft Schweden den Einzug ins Halbfinale, werden sich Fans diverser Nationen irgendwo zwischen Stockholm und Gdansk begegnen. Denn dann müssten Dänen oder Ungarn, die ihr Viertelfinale noch in Schweden spielen durften, zum Halbfinale nach Polen reisen - um dann nach dem Spiel wieder umzudrehen, um ein Finale oder das Spiel um Platz 3 in Stockholm zu spielen.

Am Dienstagmorgen sitzen im Zug von Katowice nach Gdansk deutsche Fans, die noch fest davon überzeugt sind, dass ein mögliches Halbfinale mit deutscher Beteiligung sicher in Stockholm stattfinden wird. Was alle wissen: Das Viertelfinale gegen Frankreich wird am Mittwoch um 20.30 Uhr angepfiffen. Das stand beim Abpfiff des Härtetests gegen Norwegen auch noch nicht fest. Wann die Halbfinals starten? Am Freitag, irgendwo.

Auch Bundestrainer Alfred Gislason hätte den (sportlichen) Weg über Frankreich lieber vermieden. "Ich hätte lieber heute das Spiel gewonnen und Spanien gehabt", sagte der Isländer. Gislason spielt da, wo ihn Flugzeug und Bus hinbringen. Auch logistisch hätte der Gruppensieg alles einfacher gemacht: Der Gewinner des Duells zwischen Spanien und Norwegen bleibt auch für ein Halbfinale in Danzig. Egal, was in Stockholm zwischen Schweden und Ägypten passiert. Wer Planungssicherheit will, muss darauf hoffen, dass die deutsche Mannschaft gegen Frankreich verliert: Denn dann geht es in jedem Falle nach Stockholm zu den Spielen um Platz 5-8.

Quelle: ntv.de

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