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Verstorbener WM-Held von 1954 Helmut Rahn war schlicht der "Boss"

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Privat war Helmut Rahn ein eher zurückgezogener Mensch. (Bild aus dem Jahr 1979)

(Foto: imago images / Sven Simon)

Sein Siegtor führt bei der Weltmeisterschaft 1954 zum "Wunder von Bern": Der deutsche Nationalspieler Helmut Rahn galt als Pragmatiker, Spaßvogel und begnadeter Fußballer, der sich nicht allzu viel aus seinem Ruhm machte. Heute würde er seinen 90. Geburtstag feiern. Eine Erinnerung.

"Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt - Tooor, Tooor, Tooor, Tooor." Die Worte des legendären Radioreporters Herbert Zimmermann beim Wunder von Bern 1954 sorgen auch heute noch für Gänsehaut. Derjenige, der sie mit seinem 3:2-Siegtor für Deutschland im WM-Endspiel im Wankdorf-Stadion gegen die als unschlagbar geltenden Ungarn verursachte, wäre nun 90 Jahre alt geworden.

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Mit seinem Tor zum 3:2-Sieg gegen Ungarn macht Helmut Rahn (nicht im Bild, sondern, Sie ahnen es, im Hintergrund) am 4. Juli 1954 das Wunder von Bern perfekt.

(Foto: imago images / WEREK)

Helmut Rahn, Mitglied der "Ersten Elf" der Hall of Fame im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, war auf seine Art ein Genie. Einer, der als dritter Sohn eines Bergmanns aus kleinen Verhältnissen stammte, aber ein Talent in die Wiege gelegt bekommen hatte, das heute sicherlich viele Millionen wert wäre. Aber Geld war dem "Boss", wie sie ihn nannten, im Leben stets nicht das Wichtigste.

Seine fulminanten Schussqualitäten mit seinem linken Fuß haben die Auswahl des DFB mit Bundestrainer Sepp Herberger zum Weltmeister gemacht. Zweimal traf Rahn gegen die Ungarn - darunter jenes Siegtor im strömenden Regen von Bern, das Zimmermann auf seine unglaublich faszinierende Art und Weise in Worte kleidete. Rahn war sich wahrscheinlich 1954 gar nicht bewusst, was sein Schuss ins Glück in der 84. Minute bewirkt hat. Viele Historiker betrachteten rückblickend das Fußball-Großereignis im Nachbarland als größten Push für die noch junge Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg und den Jahren des Wiederaufbaus.

Bodenständiger Pragmatiker und Spaßvogel

Der Jubel, der den WM-Helden auf der Bahnfahrt in die Heimat an den Bahnhöfen entgegenschlug, war auch Ausdruck eines wiedergewonnenen Stolzes, den elf deutsche Fußballer in Bern mit ihrem Triumph ausgelöst hatten. "Fußball damals war eigentlich die Achse Sepp Herberger, Fritz Walter und Helmut Rahn. Der Boss hat zum wichtigsten Erfolg der deutschen Fußball-Geschichte beigetragen. Plötzlich war Deutschland wieder wer. Wir haben durch diesen Erfolg für ein ganzes Land wieder Selbstwertgefühl bekommen", sagte Franz Beckenbauer, als Rahn 2003 zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag nach langer, schwerer Krankheit verstarb.

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Nach Ende seiner Fußballerkarriere betrieb Rahn einen Autohandel.

(Foto: imago images / Horstmüller)

Rahn galt stets als bodenständiger Pragmatiker und Spaßvogel, einer, der nicht gerade ein Ausbund an Disziplin war, aber ein begnadeter Kicker, der wusste, wo das Runde hin musste: nämlich ins Eckige! Die "Kiiirsche" konnte er mit solcher Vehemenz in Richtung Tor bringen, dass dem Gegner Hören und Sehen verging. Der Privatmann Rahn war ein ganzer anderer Typ, eher scheu, zurückgezogen, der in einem Mehrfamilienhaus in Essen lebte und am liebsten mit Kumpels an der Theke klönte und sein "Pilsken" zischte. Der gelernte Elektriker hatte nach Ende seiner aktiven Karriere zusammen mit seinem Bruder einen Autohandel betrieben. Essen, seine Heimatstadt, war auch so etwas wie seine Schutzzone. Seine Frau Gerti und die beiden Söhne schirmten ihn weitgehend ab.

In Essen wird Rahn zum Ausnahmespieler

In die Schlagzeilen geriet der "Boss" (40 Länderspiele, 21 Tore) erstmals 1951 durch seinen Wechsel von den Sportfreunden Katernberg zum Nachbarn Rot-Weiß Essen. Für die Ablösesumme von 7000 Mark kauften sich die Katernberger eine Sichtblende, die prompt den Namen Helmut-Rahn-Zaun erhielt. Schalkes Fritz Szepan war zu spät gekommen, um sich die Dienste des Torjägers zu sichern. Schneller war ein gewisser Georg Melches, der Rahn an die Essener Hafenstraße lockte. 1953 wurde Helmut Rahn mit Rot-Weiss Essen durch einen 2:1-Erfolg gegen Alemannia Aachen deutscher Pokalsieger.

Danach ging sein Stern erst richtig auf. Herberger machte den lebenslustigen Essener, der auf dem Fußballplatz und außerhalb für einige Kapriolen sorgte, zu seinem Ziehsohn. Dabei übersah der ansonsten strenge "Chef" auch so manche Eskapade seines Torjägers. Im WM-Finale zahlte Rahn das Vertrauen zurück. Herbergers Maßnahme, Rahn mit seinem Kapitän und verlängerten Arm, Fritz Walter, zusammen aufs Zimmer 303 im Seehotel Belvedere im malerischen Spiez an Thunersee zu legen, war eine weitere Meisterleistung des Chefs.

Quelle: n-tv.de, Ralph Durry, sid

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