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Staffel-Drama beim Heim-Weltcup Horn verliert beim Schießen total die Nerven

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Ohje, ohje...

(Foto: dpa)

Eine indiskutable Schießleistung von Philipp Horn kostet die deutsche Biathlon-Staffel beim Heim-Weltcup in Oberhof einen Platz auf dem Podium. Der 26-Jährige leistet sich in Führung liegend als Schlussläufer beim Liegendanschlag gleich drei Strafrunden.

Philipp Horn war nach seinem Schießdebakel in Oberhof völlig ratlos. "Während des Schießens habe ich absolut keine Ahnung gehabt, was ich falsch mache. Ich habe versucht, in die Mitte zu schießen, das hat nicht geklappt", sagte der Thüringer Biathlet, nachdem die Geschosse einfach nicht den Weg ins Ziel finden wollten. In Führung liegend vergab der Schlussläufer ausgerechnet beim Weltcup-Heimspiel den möglichen ersten deutschen Staffelsieg seit vier Jahren.

Der 26-Jährige musste nach dem Liegendschießen gleich dreimal in die Strafrunde und vergab so alle Podestchancen. Zusammen mit Erik Lesser, Benedikt Doll und Arnd Peiffer landete Horn auf seiner Heimstrecke nach 4x7,5 Kilometern auf Platz fünf. "Ich bin einfach nur enttäuscht", sagte Horn. Den Sieg sicherte sich Weltmeister Frankreich vor Norwegen und Italien. "Das ist sehr hart", kommentierte Olympiasieger Peiffer die Patzer.

Horns Trefferbild hatte sich nach links unten verlagert, alle Schüssen trafen in kleinem Radius auf, nur eben nicht auf die Scheiben. "Ich hatte den gleichen Wind wie beim Anschießen und habe keine schlechten Schüsse abgegeben", versicherte Horn. Peiffer sagte: "Das ist blöd gelaufen. Das tut mir leid, aber das ist Teil des Geschäfts." Fast regungslos lief Horn dann über die Ziellinie und schien immer noch nicht zu fassen, was er kurz zuvor erleben musste. "Es fehlt nicht so viel, dass unsere Staffel mal durchkommt", sagte Peiffer trotzdem.

Lesser überzeugt mit Brillanz am Schießstand

Bis zum letzten Wechsel hatte das Quartett eine starke Vorstellung geliefert und Hoffnungen geweckt, dass es erstmals seit dem Sieg im Januar 2017 in Antholz zu einem Erfolg reicht. Der erste Staffeltriumph in Oberhof seit zehn Jahren rückte aber in weite Ferne, nachdem Horn patzte. Mit acht Schüssen - inklusive Nachlader - traf er nur zwei Scheiben und musste so in der Strafrunde 450 Meter extra absolvieren. Daneben leistete sich Deutschland insgesamt elf Nachlader - zu viel für ganz vorne.

Startläufer Lesser übernahm auf seiner persönlichen Schlussrunde erstmals die Führung. Der 32-Jährige beeindruckte vor allem mit einer besonderen Schnellfeuereinlage im Stehendschießen. Lediglich 17,9 Sekunden benötigte der Ex-Weltmeister für die fünf Scheiben. Normalerweise gelten 25 Sekunden schon als sehr flott. "Ich dachte mir: jetzt probierst du es. Zum Glück ist es aufgegangen", sagte Lesser.

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Doll musste dann nur den Italiener Lukas Hofer ziehen lassen und übergab an Position zwei an Peiffer. Da lag der große Favorit Norwegen nach einer Strafrunde schon über eine Minute zurück. Peiffer hielt sich so souverän in der Spitzengruppe, bis der Harzer sogar noch einen kleinen Vorsprung erkämpfte. Horn, mit 26 Jahren der jüngste der DSV-Skijäger, konnte das jedoch nicht nutzen. "Vielleicht haben wir dem Philipp zu viel zugemutet. Wir sind Risiko gegangen, die Taktik ist leider nicht aufgegangen", meinte Doll. Horn, der schon im Sprint als 50. enttäuscht hatte, war dem Druck augenscheinlich tatsächlich nicht gewachsen.

Sicher habe er derzeit "nicht das Selbstvertrauen", entgegnete Horn, "aber ich weiß, was ich kann". Am Freitag war das viel zu wenig. Zur Frustbewältigung werde er nun "vielleicht mal vorn Schrank boxen".

Quelle: ntv.de, tno/dpa