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"Nicht inkognito zu Olympia!" IOC-Strafe macht Russland wütend

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Witali Mutko gilt als staatlicher Strippenzieher des Dopingsystems, er wurde lebenslang von allen Olympia-Aktivitäten ausgeschlagen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Die Sportgroßmacht Russland ist verärgert, beleidigt, trotzig: Sie darf wegen Staatsdopings bestenfalls einzelne Sportler zu den nächsten Winterspielen schicken und will sie deshalb im TV boykottieren. Doch die IOC-Strafe belastet auch die Fußball-WM 2018.

"Große Nationen fahren nicht inkognito zu Olympia!" So reagierte der russische Senator Franz Klinzewitsch auf den Ausschluss seines Landes von den Olympischen Winterspielen in Südkorea. Nicht Russland als Mannschaft, nur einzelne, nachweislich nicht belastete Sportler sollen in Pyeongchang unter der olympischen Flagge antreten dürfen. Der als Scharfmacher bekannte Außenpolitiker Klinzewitsch sah dadurch nicht nur den Zusammenhalt der Sportwelt, sondern gleich die internationale Sicherheit bedroht. Boykott! Rücktritt von IOC-Chef Thomas Bach! Keine Beweise! - ärgerliche Äußerungen schwirrten in Moskau nach dem Spruch des Internationalen Olympischen Komitees wild durcheinander.

"Diese Entscheidung kann und sollte man anfechten, denn sie bestimmt über das Schicksal einer ganzen Generation von Sportlern und Trainern", sagte Curling-Verbandschef Dmitri Swischtschew. Die staatlichen Fernsehsender in Russland wollen die Winterspiele nicht übertragen. Das teilte die Pressestelle der TV-Holding WGTRK in Moskau nach der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees mit.

Frontalangriff auf die Funktionärsebene

Die Aufarbeitung des russischen Dopings bei den Winterspielen in Sotschi 2014 trifft diesmal nicht die Athleten, sondern voll die Funktionäre, die politische Ebene. Das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) ist für Südkorea gesperrt, sein Präsident Alexander Schukow gehört vorerst nicht mehr zum IOC. Vertreter des Moskauer Sportministeriums sind in Pyeongchang ausgeschlossen. Fußball-Verbandschef Witali Mutko, der als einer der Drahtzieher im Doping-Skandal gilt, ist gar für alle zukünftigen Olympischen Spiele suspendiert.

Trotzdem setzt der IOC-Beschluss auch die Sportler unter Druck. In einem autoritären Land wie Russland mit einer aufgeheizten patriotischen Stimmung ist es nicht einfach zu sagen: Ich fahre auch ohne Flagge und Hymne nach Südkorea. Die Sportler sollten sich am 12. Dezember versammeln und entscheiden, forderte der Abgeordnete Michail Degtarjow, Vorsitzender im Sport-Ausschuss der Duma. Moskau hat die Existenz eines Doping-Systems immer abgestritten. Es gehe um Einzelfälle.

Strippenzieher Mutko

Zwar wurden in den letzten zweieinhalb Jahren die russischen Anti-Doping-Institutionen reformiert. Die Anti-Doping-Agentur Rusada wurde unabhängiger von der Sportpolitik, wie in einem Maßnahmenplan mit der Wada vereinbart. Doch Russland verweigerte die ebenfalls vereinbarte Anerkennung der McLaren-Berichte und damit ein Eingeständnis organisierten Dopings.

Eine zentrale Figur im Skandal blieb: Der ehemalige Sportminister und jetzige Vizeregierungschef Mutko. Doch nun ist er lebenslang für Olympia gesperrt, und Russland hat ein neues, großes Problem. Denn Multifunktionär Mutko ist auch Präsident des russischen Fußballverbandes und Hauptorganisator der Fußball-WM 2018, des nächsten sportlichen Prestigeprojektes für die Sportgroßmacht. Die Fragen nach seiner Rolle werden ihn durch das WM-Jahr begleiten. Auch der Fußball-Weltverband muss sich mit dieser Personalie beschäftigen.

Quelle: n-tv.de, Friedemann Kohler, dpa

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