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Favoritensieg im zweiten Wahlgang IOC kürt Thomas Bach zum Präsidenten

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Auf dem Olymp: Thomas Bach ist IOC-Präsident.

(Foto: AP)

Als erster Deutscher wird Thomas Bach in Buenos Aires zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Der 59-jährige Jurist ist der erwartete Sieger. Er tritt die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge an - und steht vor gewaltigen Aufgaben.

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Jacques Rogge verkündet in Buenos Aires, wer ihm als IOC-Präsident nachfolgt. Es ist der erwartete Sieger.

(Foto: dpa)

Thomas Bach ist erster deutscher Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt setzte sich bei der Wahl in Buenos Aires im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit der 93 wahlberechtigten IOC-Mitglieder gegen die vier verbliebenen Konkurrenten Richard Carrion (Puerto Rico/60), Ng Ser Miang (Singapur/64), Denis Oswald (Schweiz/66) und Sergej Bubka (Ukraine/49) durch. Wu Ching-Kuo aus Taiwan war als erster der sechs Kandidaten bereits in der ersten Runde ausgeschieden.

Bach erhielt im zweiten Durchgang 49 Stimmen. Mit 29 Stimmen weniger wurde der vor der Wahl als erster Herausforderer gehandelte Carrion Zweiter vor Ser Miang (6), Oswald (5) und Bubka (4). Oswald hatte noch am Tag vor der Wahl Bach für dessen Verbindung zum IOC-"Königsmacher" Scheich Mohamad al-Sabah heftig attackiert - doch die Allianz von Bach, der im IOC auch kritisch betrachtet wird, hielt. Damit ist er nun Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge, der nach zwölf Jahren aus dem Amt scheidet. Insgesamt ist er der neunte Präsident des IOC seit dessen Gründung im Jahr 1894.

Der Jurist bedankte sich gleich in sieben Sprachen bei den IOC-Mitgliedern. "Ich will aus tiefem Herzen meinen Freunden danken. Das ist ein überwältigendes Zeichen des Vertrauens. Ich weiß um die große Verantwortung eines IOC-Präsidenten. Ich werde mein allerbestes tun."

Der Strippenzieher ist am Ziel

Nach Jahren des Strippenziehens und einem monatelangen Wahlkampf schließt sich für den Fecht-Olympiasieger von 1976 damit der Kreis - 32 Jahre nach seinem internationalen Durchbruch als Sport-Funktionär 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden. Bach wird die Weltregierung des Sports für mindestens acht und höchstens zwölf Jahre anführen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verliert dagegen seinen Gründungspräsidenten.

Zuletzt geriet Bach wegen seiner zögerlichen Haltung im Anti-Doping-Kampf und seiner umstrittenen Präsidentschaft in der deutsch-arabischen Handelsgruppe Ghorfa vermehrt unter Beschuss. Seine Kritiker sind bis heute überzeugt, dass die Darstellung des Multifunktionärs, von so ziemlich allen Skandalen um Doping und Korruption im IOC nie etwas mitbekommen zu haben, unglaubwürdig ist. Die IOC-Wahl beeinflusste die Kritik nicht entscheidend.

Gewaltige Herausforderungen

Der mit allen Wassern gewaschene Wirtschaftsanwalt muss nun sein Wahlmanifest in die Tat umsetzen. "Einheit in Vielfalt" propagierte er, kündigte an, ein "Präsident für alle" zu werden. Einen strikten Kampf gegen Doping und Wettbetrug will er führen, Afrika als Olympia-Gastgeber die Tür öffnen, dem Gewinnstreben um jeden Preis Einhalt gebieten. Und er scheut auch vor ganz großen Projekten wie der Einführung eines Olympia-TV-Kanals nicht zurück.

Schon im kommenden Jahr steht ihm eine gewaltige Herausforderung ins Haus: die Winterspiele in Sotschi, die nicht nur wegen Wladimir Putins Anti-Homosexuellen-Gesetz schon jetzt im Kreuzfeuer der Kritik stehen.

Aber auch der deutsche Sport steht am Wendepunkt. 2006 war Bach erster Präsident des neu gegründeten DOSB geworden, Führungsdiskussionen hat es seitdem nie gegeben. Hans-Peter Krämer, Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen, wird mit dem Rücktritt Bachs, der spätestens bei der Präsidiumssitzung Anfang kommender Woche erfolgen wird, den Chefposten vorübergehend übernehmen. Der Chef der Deutschen Krebshilfe ist 72 Jahre alt und hat keine Ambitionen auf ein längerfristiges Engagement. Einen logischen Bach-Nachfolger gibt es nicht. Nicht wenige Insider erwarten im deutschen Sport nun ein Hauen und Stechen.

Quelle: n-tv.de, dpa/sid

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