Sport

Hunderte Fälle durch neuen Anabolika-Nachweis IOC lässt Dopingproben erneut testen

Dank neuer Dopingtests für Anabolika steigt in zwei Kontrolllabors die Trefferquote erheblich. Das Internationale Olympische Komitee veranlasst deshalb Nachtests für die Winterspiele 2006 in Turin. Experten erwarten, dass "etliche Medaillen den Besitzer wechseln".

Auf den Sport rollt eine riesige Welle an Dopingverfahren zu. Mit den neuen Langzeit-Nachweisverfahren für die Anabolika-Klassiker Stanozolol und Oral-Turinabol könnte sich die Zahl der positiv getesteten Proben erhöhen. Derzeit wird das Verfahren für die Nachtests von Winter-Olympia 2006 in Turin angewandt und steht auch für die Wettkampf-Kontrollen der kommenden Spiele 2014 in Sotschi zur Verfügung. Dies bestätigte das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Eine IOC-Sprecherin erklärte: "Derzeit werden die Proben der Winterspiele 2006 in Turin nachgetestet, und wir können bestätigen, dass die Proben mittels Langzeit-Nachweismethode auf anabole Steroide getestet werden." Dasselbe gelte für Tests, die im Rahmen der Winterspiele 2014 in Sotschi durchgeführt würden. Derzeit dürfen Dopingproben bis zu acht Jahre lang aufbewahrt werden. Mit Einführung des neuen Regelwerks der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) am 1. Januar 2015 verlängert sich diese Frist auf zehn Jahre.

Trefferquote verdoppelt

Nachtests der Spiele 2010 in Vancouver (Winter), 2008 in Peking oder 2012 in London (jeweils Sommer) bestätigte das IOC jedoch nicht. Trotzdem dürfte die ohnehin hohe Zahl von Dopingverfahren, die auf den Sport zukommt, noch ansteigen. Denn bereits außerhalb von Olympia haben die neuen Nachweisverfahren für zwei Anabolika-Klassiker im Kölner Doping-Labor zur Verdopplung der positiven Proben geführt.

"Bisher hatten wir rund 200 positive Fälle bei rund 16.000 untersuchten Proben im Jahr, jetzt kommen noch einmal 200 dazu. In hohem Maße stammen sie von Sportlern aus Osteuropa", sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors für Biochemie. Auch das Moskauer Labor, das aktuell von der Wada suspendiert ist, verzeichnet eine deutlich höhere Trefferquote.

"Natürlich sollten jetzt auch die Proben von Olympia nachuntersucht werden. Sie werden ja speziell für solche Zwecke gelagert. Solche Nachtests haben ja bei früheren Spielen und Leichtathletik-Weltmeisterschaften schon zum Verlust einer ganzen Reihe von Medaillen geführt", sagte Schänzer. Auch für den Heidelberger Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke ist klar: "Natürlich muss es Nachtests geben, dann werden etliche Medaillen den Besitzer wechseln."

Viele der vom Kölner Labor an die internationalen Fachverbände und die Wada gemeldeten positiven Fälle sind offenbar noch nicht sanktioniert. Sie spiegeln sich zumindest nicht erkennbar in aktuellen Statistiken wider. "Unter den deutschen Athleten gibt es keine wirkliche Steigerung in der Zahl positiver Proben", sagte Schänzer.

Quelle: ntv.de, cwo/sid

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