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IOC-Präsident Thomas Bach und Samuel Schmid verkündeten das Strafmaß im russischen Dopingskandal.
IOC-Präsident Thomas Bach und Samuel Schmid verkündeten das Strafmaß im russischen Dopingskandal.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 05. Dezember 2017

"Beispielloser Angriff": IOC schließt Russland von Olympia aus

Russland darf nicht an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang teilnehmen. Das entscheidet das IOC im Skandal um russisches Staatsdoping, das einen "beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports" darstelle. Einzelne Sportler sollen unter Auflagen als "neutrale Athleten" starten dürfen. Ungemütlich könnte es für die Fifa werden.

Keine russische Mannschaft, keine russische Hymne und keine russische Flagge: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Russlands Olympia-Komitee ROC wegen des staatlichen Dopingskandals suspendiert und das Land von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang ausgeschlossen. Mit dieser Entscheidung reagierte das IOC auf die erstmals in den McLaren-Reports belegten jahrelangen Manipulationen in Russland, mit denen das internationale Dopingkontrollsystem auch während der Winterspiele 2014 im russischen Sotschi gezielt umgangen worden war.

Die russische Flagge wird in Pyeongchang nicht wehen.
Die russische Flagge wird in Pyeongchang nicht wehen.(Foto: imago/Xinhua)

Auf eine generelle Sperre aller russischen Sportler, über die als Höchststrafe ebenfalls spekuliert worden war, verzichtete das IOC. Einzelne Athleten sollen "unter strikten Konditionen" unter der olympischen Flagge starten dürfen - sofern sie nachweisen können, dass sie nicht Teil des institutionellen Dopingsystems waren.

"Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports", sagte IOC-Präsident Thomas Bach bei Urteilsverkündung in Lausanne. Die "systematische Manipulation der Anti-Doping-Regeln und des Anti-Doping-Systems in Russland" sieht das IOC als erwiesen an. Darum habe das IOC-Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. "Dies soll einen Strich unter die schädigende Episode ziehen und als Katalysator für einen von der Wada geleiteten effektiveren Anti-Doping-Kampf dienen", sagte Bach weiter.

Das Strafmaß der 14-köpfigen IOC-Exekutive unter Bachs Vorsitz basiert auf der Arbeit der Schmid-Kommission. Unter der Leitung des ehemaligen Schweizer Bundesrates Samuel Schmid hatte sie in den vergangenen Monaten ermittelt, inwiefern russische Polizei und Geheimdienste an den Dopingmanipulationen beteiligt waren und ihre Ergebnisse nun in Lausanne dem IOC-Vorstand präsentiert.

"Wir haben eine solche Form des Betrugssystems vorher noch nie gesehen. Das russische Dopingprogramm ist ein beispielloser Schaden für den Olympismus und den Sport", kommentierte Schmid die Erkenntnisse in Lausanne.

"Katalysator für effektiveren Anti-Doping-Kampf"

Witali Mutko (o.) war verantwortlicher Sportminister während der Dopingmanipulationen und gilt als rechte Hand von Russlands Präsident Wladimir Putin.
Witali Mutko (o.) war verantwortlicher Sportminister während der Dopingmanipulationen und gilt als rechte Hand von Russlands Präsident Wladimir Putin.(Foto: AP)

Als Konsequenz wurde nicht nur der ROC-Präsident Alexander Schukow als IOC-Mitglied suspendiert. Auch der ehemalige Sportminister und jetzige Vizepremier Witali Mutko wurde lebenslang in allen Funktionen von Olympia ausgeschlossen. Das ist deshalb pikant, da Mutko weiterhin Präsident des russischen Fußball-Verbandes und auch Organisationschef der anstehenden Fußball-WM 2018 in Russland ist - und jede Verwicklung staatlicher Stellen konsequent leugnet. Der Fußball-Weltverband Fifa hatte Dopingvorwürfe gegen das russische Nationalteam bislang zurückgewiesen.

Brücken statt Boykott?

Ob russische Sportler in Pyeongchang tatsächlich ohne Flagge und Hymne an den Start gehen werden, ist fraglich. Im Vorfeld der Entscheidung waren in Russland für diesen Fall bereits Rufe nach einem Boykott laut geworden. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow hatte am Montag zwar erklärt, man sei "gegen eine Einschränkung der Rechte unserer Sportler". Ein Boykott sei aber kein Thema.

Auch IOC-Präsident Bach geht nicht von einem Boykott Russlands aus, sagte er in Lausanne. "Ein olympischer Boykott hat noch nie etwas gebracht", sagte Bach: "Ich sehe auch keinen Grund für einen Boykott durch russische Sportler, weil wir den sauberen Athleten erlauben zu starten. Diese Athleten können eine Brücke bauen in die Zukunft eines sauberen Sports statt eine neue Mauer zu errichten."

Hohe Hürden für Athleten

Allerdings stellt der Nachweis, nicht in das russische Dopingsystem verwickelt gewesen zu sein, für die Athleten eine hohe Hürde dar. Die nationale Antidoping-Agentur Russlands, die Rusada, ist seit November 2015 von der Wada suspendiert. Erst vor drei Wochen hatte die Wada die Suspendierung verlängert, da die Rusada noch immer nicht die Anforderungen des Wada-Codes erfülle.

Die institutionelle Dimension des russischen Dopingskandals mit der Verwicklung staatlicher Stellen hatte der kanadische Wada-Sonderermittler Richard McLaren in seinen umfassenden Untersuchungsberichten aufgedeckt, die im Juli und Dezember 2016 veröffentlicht worden waren. Darin legte McLaren dar, dass Russland in den Jahren 2011 bis 2015 ein institutionelles Dopingsystem installiert hatte, in das mehr als 1000 Sportler aus rund 30 Sportarten involviert gewesen waren.

Parallel zur Schmid-Kommission werden unter Leitung des IOC-Mitglieds Denis Oswalds derzeit die Dopingvergehen einzelner russischer Athleten aufgearbeitet. Bislang wurden von der Oswald-Kommission 25 russische Sotschi-Teilnehmer lebenslang für alle Funktionen bei Olympischen Spielen gesperrt, darunter drei Olympiasieger.

Quelle: n-tv.de

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