Fußball

Die WM zu Gast bei Dopern Infantinos Fifa spielt das Spiel ungerührt mit

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Im Grunde sind sie sich einig: Witali Mutko und Gianni Infantino.

(Foto: dpa)

Der WM-Organisationschef Witali Mutko leugnet in einer Wutrede das russische Staatsdoping. Und was macht die Fifa? Nichts. Präsident Gianni Infantino sagt, im Fußball sei alles okay. Kein Grund also, alles schlechtzumachen.

Irgendwann war es dann selbst Gianni Infantino zu viel. Er ist schließlich der Präsident des Fußball-Weltverbandes. Und der richtet, das ist seine wichtigste und im Grunde auch einzige Aufgabe, im kommenden Jahr wieder ein großes Turnier aus, dieses Mal in Russland. Infantino ist also an diesem Freitag aufgestanden, hat sich ein Mikrofon reichen lassen, und die Sache vor mehr als 200 Journalisten in Moskau klargestellt. Natürlich sei es ein großes, ein den Sport zerstörendes Problem, wenn ein Staat seine Sportler systematisch dopen lässt. Deshalb arbeite die Fifa aktiv an der Aufklärung mit. Und das nicht nur, weil es auch den Fußball betrifft.

Das hat er wirklich getan? Nein - hat er nicht. Und das Schlimme ist, dass das auch kaum einer von ihm erwartet hätte. Er hat das Spiel ungerührt mitgespielt. Infantino hatte wenig Lust, sich seine eigene WM schlecht zu reden. Das hätte auch so gar nicht zur vielbeschworenen Freude und der pompösen Zeremonie im Kreml gepasst. Infantino hat lediglich gesagt: "Ich kann nur wiederholen, dass sich die Fifa nicht an Spekulationen beteiligt. Die Fifa testet alle Spieler in und außerhalb der Wettbewerbe." Diese Tests seien bei der WM 2014, dem Confed Cup in diesem Sommer und bei den europäischen Klubwettbewerben allesamt negativ ausgefallen. "Wir sollten keine Entscheidungen treffen, bevor Entscheidungen getroffen sind. Wir müssen die Ergebnisse abwarten, sollten vorsichtig mit Vorverurteilung sein", sagte der Schweizer. "Wir dürfen nicht alles schwarzmalen, was aus dem Osten kommt, und sagen: Bei uns gibt es keine Korruption, kein Doping." Ende der Ansage. Witali Mutko durfte sich bestätigt fühlen.

"Die Welt zu Gast bei Dopern"

Der hatte zuvor in einer Wutrede kurz vor der Auslosung der WM-Gruppen entgegen aller Erkenntnisse und Indizien behauptet: "Es hat nie und wird niemals ein staatlich gelenktes Dopingsystem in Russland geben. Das brauchen wir hier nicht. Diese ständigen Vorwürfe und Spekulationen zielen nur darauf ab, unser Land zu diskreditieren." Dazu muss man wissen: Witali Leontjewitsch Mutko ist nicht irgendwer. Er ist einer der neun Stellvertreter des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew. Er ist der Präsident des Fußballverbandes. Mutko ist der Chef des Organisationskomitees für die WM, die vom 14. Juni bis zum 15. Juli 2018 stattfindet.

Und man sollte wissen, dass der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren etwas anderes herausgefunden hat - auch wenn das Mutko nicht passt. Schon beim Confed Cup im Sommer dieses Jahres hatte er allergisch auf dieses Thema reagiert. Bei der Abschlusspressekonferenz hatte er gesagt: "Wenn ich einen russischen Tanz vor Ihnen aufführe, hören Sie dann auf, diese Fragen zu stellen?" Aus dem im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada erstellten McLaren-Report geht hervor, dass zwischen 2011 und 2015 mutmaßlich mehr als tausend russische Athleten von einem staatlich gelenkten Dopingsystem profitiert haben.

Ein System, in dem Mutko seinerzeit noch als Sportminister eine tragende Rolle gespielt haben soll. Dafür bürgt Grigorij Rodtschenkow, der frühere Chef des Moskauer Kontrolllabors, als Doping-Kronzeuge. Das Internationale Olympische Komitee entscheidet am Dienstag, ob alle russischen Athleten von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen werden.

Genau das hat Travis Tygart, der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, im Interview mit n-tv.de gefordert. Der Bericht McLarens nennt neben den vielen anderen Sportlern auch 34 russische Fußballer als dopingverdächtig, darunter den gesamten Kader bei der WM 2014 in Brasilien. Auch das streitet Mutko ab: "In der Sbornaja gab es nie Manipulation und wird es nie Manipulation geben." Ende der Ansage. Wie titelte die "Süddeutsche Zeitung in dieser Woche so treffend: "Die Welt zu Gast bei Dopern". Und der Fußball-Weltverband spielt das Spiel ungerührt mit. Von der Fifa hat noch niemand mit Rodtschenkow gesprochen

Quelle: n-tv.de

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