Sport

Und was ist mit dem FC Bayern? Im Poker verliert Upamecano seine Form

imago0047071476h.jpg

Robuste Zweikämpfe und ein kluges Stellungsspiel zeichnen den 21-Jährigen aus.

(Foto: imago images/Hartmut Bösener)

Dayot Upamecano gilt als Ausnahmeverteidiger, ein baldiger Weggang aus Leipzig schien unausweichlich. Doch die Corona-Krise bringt seine Zukunftspläne mächtig durcheinander. Während sein Klub weiter pokern will, findet er seitdem nicht zu alter Stärke.

Normalerweise ist im direkten Zweikampf kein Vorbeikommen an Dayot Upamecano. 1,86 Meter groß, 90 Kilo schwer und trotzdem sehr beweglich und pfeilschnell. "Er ist ein unglaublicher Bulle", schwärmt auch Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann, "er verteidigt vieles weg, auch wenn er mal zu spät ist."

Das Problem ist nur: Zuletzt war der 21 Jahre alte Innenverteidiger zu oft zu spät am Gegenspieler, und nicht immer konnte er das mit seiner Klasse ausbügeln. Der junge Franzose läuft seit dem Restart in der Bundesliga seiner Form hinterher, er wirkt nicht topfit und unkonzentriert. "Upa, das weiß er auch selber, spielt jetzt nicht die beste Phase", sagte Nagelsmann.

Dass Upamecano auch Wechselgedanken aus dem Tritt gebracht haben, gibt selbst der RB-Trainer unumwunden zu: "Er ist ein junger Kerl, um den es viele Gerüchte gibt, der mit Topklubs in Verbindung gebracht wird. Da ist es normal, dass er auch mal schwächere Phasen hat." Wichtig sei, dass er aus der Krise "gestärkt hervor geht". Womöglich ist die Gelb-Rot-Sperre im Auswärtsspiel am Freitag bei der TSG Hoffenheim für den Kopf sogar hilfreich.

Upamecano muss eine wichtige Entscheidung treffen: verlängern oder wechseln? Die Coronakrise hat seine Planungen mächtig durcheinandergewirbelt. Eigentlich schien klar, dass irgendein europäischer Topklub, vielleicht ja der interessierte Rekordmeister Bayern München, die Ausstiegsklausel in Höhe von 60 Millionen Euro zieht. Doch so viel Geld dürfte in diesem Sommer wohl für keinen Abwehrspieler fließen. Und Leipzig rückt von seiner Forderung nicht ab, im Gegenteil: Die RB-Verantwortlichen werben heftig um eine Verlängerung des im kommenden Jahr auslaufenden Vertrages.

Die Methode Werner

Die Parallelen zum Fall Timo Werner sind unverkennbar. Auch der Nationalstürmer wollte eigentlich schon im vergangenen Sommer die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklimmen, doch das passende Angebot kam nicht. Also verlängerte der Torjäger samt Ausstiegsklausel, die ihn ein Jahr später einen Wechsel zum FC Chelsea ermöglicht - und RB eine stattliche Ablöse (53 Millionen Euro) beschert.

Es sei klar, "dass wir ihn nicht ablösefrei gehen lassen", betonte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Denn ungeachtet seiner aktuell leichten Formkrise ist Upamecano einer der besten Innenverteidiger seines Alters in Europa, vielleicht ist er sogar der Beste. Und so ein Ausnahmetalent will, ja, muss RB mit viel Profit verkaufen. Das ist die Klub-Philosophie.

Upamecano war im Januar 2017 von Red Bull Salzburg für zehn Millionen Euro nach Leipzig gewechselt. Mit seiner geschickten und robusten Zweikampfführung und seinem sehr guten Stellungsspiel hat er sich schnell einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft.

Quelle: ntv.de, Jörg Soldwisch, sid