Sport

IOC geht vor China in die Knie Impfstoff im Tausch für tödliche Stille

2021-03-10T162747Z_804888985_RC2G8M9VCANU_RTRMADP_3_OLYMPICS-IOC.JPG

Thomas Bach wurde als IOC-Präsident wiedergewählt und verteidigt weiter die Winterspiele in Peking 2022.

(Foto: VIA REUTERS)

China verkauft Impfstoff an das IOC für die Olympischen Spiele, Präsident Thomas Bach bedankt sich artig und verteidigt die Winterspiele in Peking. Menschenrechtsverletzungen, wie der "Genozid" an einer Million Uiguren, interessieren das IOC nicht. Das Schweigen kostet Leben.

Schätzungsweise zehn Millionen Uiguren leben in China, laut Menschenrechtsorganisationen mindestens eine Million davon eingesperrt in sogenannten politischen Umerziehungslagern. Frauen werden in diesen Konzentrationslagern "systematisch vergewaltigt, sexuell missbraucht und gefoltert", wie die britische BBC jüngst in einem qualvoll zu lesenden Bericht offenlegte. Die US-Regierung spricht von "Genozid". Doch der wiedergewählte IOC-Präsident Thomas Bach verteidigt eifrig weiter die Winterspiele 2022 in Peking und kauft dafür für Athleten der Sommerspiele 2021 in Tokio chinesischen Corona-Impfstoff. Das IOC geht immer tiefer vor China in die Knie und schweigt bezüglich Menschenrechten und eigener Verantwortung. Es ist eine tödliche Stille.

Das IOC arbeitet derzeit daran, seinen Expertenbericht "Empfehlungen für eine Menschenrechtsstrategie" in die Tat umzusetzen. Dass diese Strategie immer noch fehlt, wird immer wieder schmerzlich sichtbar. Bach erklärt in einem ARD-Interview, das IOC sei "keine Weltregierung", Menschenrechtsverletzungen in China seien nicht das direkte Thema des Komitees. Ein Schlag ins Gesicht für in den Lagern eingesperrte Uiguren. Ein Schlag ins Gesicht für verfolgte Tibeter, für in Hongkong zusammengeknüppelte Demonstranten und für alle Chinesen, die unter dem neuen gefährlichen "Sicherheitsgesetz" und der fehlenden Meinungs-, Medien- und Internetfreiheit im Land leiden. Ein Schlag ins Gesicht für das Bündnis von 180 internationalen Menschenrechtsgruppen und Vertretern von Minderheiten in China, die die Staatengemeinschaft jüngst aufgefordert hatten, nicht an den Spielen 2022 teilzunehmen.

PR-Coup für China

Die Menschenrechtsverletzungen der repressiven chinesischen Regierung untergraben Grundrechte, die für eine Ausrichtung Olympischer Spiele zwingend vorhanden sein müssen. Das zu verurteilen und eine Stellungnahme Pekings einzufordern, wäre das Mindeste. Auch die Vergabe der Spiele nach China müsste das IOC hinterfragen, um seine Glaubwürdigkeit zu bewahren. Aber an die Volksrepublik trauen sich Bach und Co. nicht ran, der Präsident verkündet sein Komitee sei "absolut neutral". Neutralität bedeutet aber nicht Wegschauen, besonders wenn der nicht hinzunehmende Status Quo in China von der Neutralität seiner Partner lebt. Da passt es ins Bild, dass das IOC stolz verkündet, im Rahmen von Reformen Menschenrechtsstandards in den "operativen Anforderungen" des Vertrags mit der jeweiligen Olympia-Gastgeberstadt verankert und verschärft zu haben - aber natürlich erst für die Spiele ab 2024.

Die chinesische Regierung unter Präsident Xi Jinping, der 2018 seine Amtszeitbeschränkung aufheben ließ und faktisch zum Präsidenten auf Lebenszeit wurde, betreibt mit den Olympischen Spielen in Peking leicht zu durchschauendes Sportwashing, mit dem über Menschenrechtsverletzungen hinweggetäuscht und eine heile Welt vorgegaukelt werden soll. Und Thomas Bach und seine Untergebenen machen sich mitschuldig. Das passierte schon bei den Sommerspielen 2008: Das IOC kommunizierte, Olympia würde zur Öffnung Chinas beitragen, während Peking das Sportfest nutzte, um sein repressive Kontrollsystem etwa mit Gesichtserkennungssoftware zu verschärfen. Human Rights Watch dokumentierte anschließend, dass sich die Menschenrechtslage im Land seit den Spielen deutlich verschlechtert hat.

Auch der Verkauf von Impfstoff an das IOC, das ihn dankend und artig ohne Fragen annimmt, ist Teil der Sportwashing-Kampagne. Weil der Impfstoff in der EU nicht zugelassen ist, lehnt der DOSB die Impfungen zwar ab. Aber die globale Propagandamaschine läuft, ein PR-Coup für China. Das Motto: Sieh her, Welt, schau' dir diese schicke Hilfeleistung an und ignoriere diese andere Sache mit den Menschenrechtsverletzungen und der Kritik an den Winterspielen 2022. Impfstoff im Tausch für Schweigen, das Leben kostet.

Tödliche Stille

Bach und sein Komitee machen als Marionetten mit, zahlen zusätzlich Geld ein in den Unrechtsstaat und stellen Peking als solidarischen Gönner und Retter der Sportler ins positive Licht. Und das alles für ohnehin höchst fragwürdige Olympische Spiele in Tokio mitten in einer Pandemie. Auch muss die Frage gestellt werden, ob nicht andere Menschen in China und auf der Welt den Impfstoff bitterer nötig hätten als körperlich fitte Athleten. Soziale Verantwortung sieht anders aus.

Winterspiele in Peking, Impfstoff aus China: Das IOC macht sich mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik. Es zwingt auch Athleten in eine gewisse Mitschuld. Schließlich hat das IOC alle Formen von Sportler-Protesten bei Olympischen Spielen verboten. Zu den Uiguren, den Eingesperrten, den Misshandlungen schweigen Präsident Thomas Bach und Co. selbst lieber. Es ist eine tödliche Stille.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.