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Reaktionen auf Olympia-Entscheid Italien "ist erwacht", Schweden tief enttäuscht

Es ist ein langer Weg, bis der Gastgeber für die Olympischen Spiele 2026 feststeht. Bevor das IOC schließlich Mailand zum Austragungsort kürt, springen vier potenzielle Konkurrenten ab. Nun feiern die Italiener, während die Schweden ihre achte Olympia-Niederlage einstecken müssen.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven ist enttäuscht, dass sein Land nicht die Olympischen Winterspiele 2026 ausrichten darf. "Es ist klar, dass das eine große Enttäuschung ist", sagte Löfven am späten Montagabend dem schwedischen Radio. Stockholm/Are habe eine in vielerlei Hinsicht nachhaltige Bewerbung abgeliefert, sei damit aber gescheitert. "Ich denke, das ist bedauerlich für die olympische Bewegung. Auf der anderen Seite können wir Italien nur gratulieren", sagte der sozialdemokratische Regierungschef.

Was letztlich den Ausschlag zugunsten von Mailand und Cortina d'Ampezzo gegeben habe, darüber wollte er nicht spekulieren. Das IOC hatte der italienischen Bewerbung am Montagabend den Vorzug vor Stockholm/Are gegeben. Nach Einschätzung von IOC-Präsident Thomas Bach hatte die größere Olympia-Begeisterung zu dem Ergebnis geführt. "Der Unterschied von 83 zu 55 Prozent an Zustimmung im Land war für viele IOC-Mitglieder wohl entscheidend", mutmaßte Bach.

Dass Mailand aber auch finanziell besser aufgestellt ist, verwunderte viele. Anders als beim Konkurrenten fehlten keine staatlichen Garantien, ein Referendum ist zunächst nicht zu befürchten, die Bewerbung war im Ganzen sicherer. Zudem schießt das IOC 812 Millionen Euro zum 1,3 Milliarden-Euro-Etat hinzu. Landesweit hofft man auf eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes bis 2028 um gut zwei Milliarden Euro.

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Italiener feiern, Schweden stecken Niederlage ein

In Mailand, das zusammen mit Cortina nun in sieben Jahren die Olympischen Winterspiele ausrichten wird, herrschte nach der Entscheidung Feierstimmung. "Ein Traum wird Wirklichkeit", erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte. "Wir haben die Chance, das beste Gesicht Italiens zu zeigen." Die Zeitung "Gazzetta dello Sport" sah ein "italienisches Wunder".

"Unglaublich, Brüder und Schwestern: Italien ist wieder erwacht", schrieb sie. Politiker fast aller Parteien beglückwünschten das Land und beschworen nach dem Olympia-Entscheid einen Geist der Einheit - den es in Realität allerdings längst nicht so gibt. Der Sieg über Stockholm drängte den Frust über politische Probleme in den Hintergrund und versetzte ein ganzes Land in Partylaune. "Italien hat Schweden, Heimat von ABBA, besiegt. Italien ist die 'Dancing Queen'", meinte La Repubblica.

Die Finanzmetropole im Norde Mailand hatte bereits mit der Ausrichtung der Expo 2015 bewiesen, dass die Finanzmetropole im Norden von Italien von Großevents profitieren und massenhaft Touristen anlocken kann. Nördlich von Mailand, in Bormio und Livigno, werden die Ski-Alpin-Wettbewerbe der Männer und Snowboard stattfinden. In Cortina - wo 2021 auch die Alpin-WM ausgetragen wird - sollen die Frauen Skifahren. Der mondäne Ort hofft auf neuen Glanz, nachdem er 1956 die Winterspiele schon einmal ausgerichtet hatte.

Negativerfahrung vergangener Spiele in Italien

Bach erklärte, dass Mailand und Cortina d'Ampezzo sparsam mit dem Geld umgehen werden und sogar zu über 90 Prozent auf bestehende Wettkampfanlagen setzen. Diese müssen allerdings zum Teil in Schuss gebracht werden. So benötigt die Bob- und Rodelbahn in Cortina eine Modernisierung, für die rund 50 Millionen Euro vorgesehen sind. Das Geld soll aber nicht aus dem offiziellen Olympia-Etat fließen. Derlei Extrakosten waren bei den Olympischen Spielen in der Vergangenheit an der Tagesordnung und könnten auch in Italien für ein böses Erwachsen sorgen, wenn der erste Jubel verhallt ist. Die Negativerfahrungen mit Turin 2006 sind noch sehr präsent. Das Event vor 13 Jahren ging als Olympia der langen Wege und fehlenden Stimmung in die Geschichte ein.

Für Schweden bedeutete die Absage des IOC dagegen die achte Niederlage bei einer Olympia-Bewerbung in Serie - darunter waren allein sieben Versuche, Winterspiele in die Wintersportnation zu holen. Man müsse nun seine Schlussfolgerungen ziehen und schauen, ob sich Schweden eines Tages wieder um eine Olympia-Austragung bewerben wolle, sagte Löfven. "Wir müssen ganz einfach sehen."

Quelle: n-tv.de, nen/dpa

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