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DHB-Team gegen Brasilien Jetzt geht die Handball-WM richtig los

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"Ein bisschen Pipi in den Augen." Sonst geht es Silvio Heinevetter aber gut.

(Foto: imago/Philipp Szyza)

Korea zum Auftakt war für die deutschen Handballer sportlich kein Maßstab, nun geht es im zweiten Spiel bei der Heim-WM gegen die Brasilianer. Die können es besser, dennoch plant ein lockeres DHB-Team den nächsten Sieg ein. Denn die großen Brocken kommen erst noch.

Es ist zweieinhalb Jahre her, als sich die Emotionen in der Future Arena überschlugen. 10.000 Menschen kreischten, jubelten und pfiffen sich in einen Ausnahmezustand, als die brasilianischen Handballer ein kleines Wunder schafften. In der Vorrunde des Olympischen Turniers nutzten die Südamerikaner in Rio de Janeiro den Heimvorteil, um die deutsche Mannschaft im Vorrundenduell 33:30 zu schlagen. Es blieb bis auf das dramatische Halbfinalaus gegen Frankreich im gesamten Turnier die einzige Niederlage der Deutschen, die am Ende die Bronzemedaille gewannen. Die Brasilianer scheiterten zuvor im Viertelfinale. "Das ist der größte Tag in der Geschichte des Handballs in Brasilien", sagte Abwehrspezialist Henrique Teixeira nach dem Sieg über die Deutschen.

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Einfacher wird es nicht: Bundestrainer Christian Prokop.

(Foto: imago/Contrast)

Die Vorzeichen sind an diesem Samstag in der Mercedes-Benz-Arena andere, wenn Deutschland am zweiten Vorrunden-Spieltag der Heim-Weltmeisterschaft in Berlin auf Brasilien trifft (ab 18.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Das Ergebnis wird sich auch nicht wiederholen, da sind sich die Beobachter der Handball-Nationalmannschaft einig. Aber die Niederlage von Rio beweist, dass die WM für den Gastgeber jetzt auch sportlich beginnt. Beim politisch und emotional aufgeladenen Eröffnungsmatch war Korea am Donnerstag beim deutlichen 30:19-Erfolg der DHB-Auswahl einfach nicht konkurrenzfähig.

Die Südamerikaner werden das Team von Christian Prokop vor andere Aufgaben stellen als die hoffnungslos überforderten Asiaten. "Wir sind es gewohnt, gegen Leute zu spielen, die 100 Kilogramm wiegen", sagte Hendrik Pekeler, der sich freuen dürfte, dass er fortan auf Gegner im gewohnten Format trifft. Die Brasilianer sind in dieser Hinsicht der perfekte Gradmesser, es gibt nur wenige Teams bei dieser Weltmeisterschaft, die sich physisch mit den Südamerikanern auf Augenhöhe befinden. "Sie spielen sehr hart und deshalb müssen wir genauso hart spielen", lautet das Rezept von Pekeler, um die Stärke des Gegners zu eliminieren.

"Nicht so sehr mit dem Gegner beschäftigen"

Der Spielplan hat es gut mit dem Ausrichter gemeint, er lieferte einen dankbaren Aufgalopp gegen Korea und bietet jetzt eine Steigerung über das Duell gegen Brasilien und Russland am Montag, ehe am Dienstag der vermeintlich härteste Kontrahent in der ersten Gruppenphase wartet: Titelverteidiger Frankreich, gegen den die Brasilianer am Freitagabend nur mit 22:24 verloren. Unter normalen Umständen werden die Deutschen bis zum Vergleich mit dem Weltmeister keinen Punkt abgeben, aber durch die stetig wachsende Herausforderung bietet sich die Chance, sich an die eigene Bestform anzunähern.

"Wir sollten uns nicht so sehr mit dem Gegner beschäftigen", forderte Silvio Heinevetter. Der Torwart ist überzeugt, dass der Schlüssel für ein erfolgreiches Turnier eine von innen heraus wachsende Stärke der eigenen Mannschaft ist. Und dafür ist entscheidend, dass das Binnenklima stimmt. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass dem nicht so ist. Noch gab es keine kritischen Momente während des Turniers, eine abschließende Beurteilung des Zusammenhaltes. Einen kleinen Einblick in die Stimmung in der deutschen Mannschaft ließ Heinevetter zu. Der Torwart der Berliner Füchse saß einen Tag vor dem Brasilien-Spiel entspannt vor den Medienvertretern, war locker und beantwortete die Fragen launisch.

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"Ich würde sagen: passt schon": Matthias Musche.

(Foto: imago/Dreisicht)

Die Gelassenheit von Heinevetter war nicht aufgesetzt, der 34-Jährige war authentisch. "Beim Einlaufen war schon ein bisschen Pipi in den Augen", sagte er zum emotionalen Moment des Eröffnungsspiels, einmal blickte der Keeper noch in den Rückspiegel. Und als zu den charakterlichen Eigenschaften von Linksaußen Matthias Musche befragt wurde, entgegnete er: "Ich muss vorsichtig sein, weil Matthias mit im Raum ist, aber ich würde sagen: passt schon."

Die Tatsache, dass Franz Semper vom SC DHfK Leipzig in der Nacht nach dem Korea-Spiel Schüttelfrost bekam und gestern gegen eine Erkältung ankämpfte, sorgte zunächst nicht für Verunsicherung. "Das ist bei Handballern keine Ausrede, nicht vor dem Spiel und auch nicht danach", beendete Heinevetter eine mögliche Diskussion um die Einsatzfähigkeit des jüngsten Akteurs im 16er Kader, ehe sie beginnen konnte. Was er da noch nicht wusste: Rückraumspieler Semper fehlt tatsächlich in der Partie gegen Brasilien. "Wir werden seinen Ausfall taktisch lösen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Quelle: n-tv.de