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Exoten in der NBA Jungs, was ist eigentlich los bei euch?

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Jakob Pöltl ist der erste Österreicher in der NBA.

(Foto: USA TODAY Sports)

In der NBA gibt es 450 Basketball-Profis. Das Gros kommt aus den USA. Kanada führt mit 16 Akteuren die Liste der 108 internationalen Spieler an. In dieser Liste sind auch Lauri Markkanen und Jakob Pöltl zu finden - und die beiden sind richtige Raritäten.

Auf die Frage, ob die Chance größer sei, es als Finne in die NBA zu schaffen oder im Lotto zu gewinnen, reagiert Lauri Markkanen mit einem dreisekündigen Schweigen und einem kurzen, nachdenklichen "Ääähhh", bevor er antwortet. "Ich denke, es hat schon mehr Lottogewinner aus Finnland gegeben als NBA-Spieler", sagt er im Gespräch mit ntv.de.

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Markkanen spielt seit 2017 für die Chicago Bulls.

(Foto: USA TODAY Sports)

Nun ist die Zahl der finnischen Glücks-Tipper nicht genau bekannt. Die englischsprachige "Helsinki Times" schreibt, dass zwischen 2007 und 2017 insgesamt 155 Menschen "mindestens eine halbe Million Euro" gewonnen hätten. Die Quantität der finnischen NBA-Profis ist da mit Zweien weitaus überschaubarer. Da war zunächst Hanno Möttölä. Er trug zwischen 2000 und 2002 in 155 NBA-Partien das Trikot der Atlanta Hawks und war somit Finnlands Pionier in der stärksten Basketball-Liga der Welt. Seit 2017 vertritt Lauri Elias Markkanen bei den Chicago Bulls die nordische Nation in der NBA.

Ehre, Österreich in NBA zu repräsentieren

Sein österreichisches Pendant heißt Jakob Pöltl und spielt bei den San Antonio Spurs. Der Wiener kam 2016 in die Liga. Er war damals der erste Österreicher - und ist bis heute der einzige geblieben. Es sei eine Ehre, die Alpenrepublik in der NBA zu repräsentieren, betont Pöltl. Allerdings verspüre er auch einen gewissen Druck, sagt der 24-Jährige. Er wolle Basketball in Österreich populärer machen und hoffe, dass ihm "einige junge Landsleute folgen und in der NBA eine gute Karriere hinlegen" können.

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Pöltl begann seine Karriere bei den Toronto Raptors, 2018 kam er zu den San Antonio Spurs.

(Foto: USA TODAY Sports)

Nun mag es für Außenstehende nur schwer vorstellbar sein, in Österreich als Kind vor allem Basketball zu spielen. Pöltl fing dennoch in seiner Heimatstadt Wien im Alter von "sechs oder sieben Jahren" damit an. Fußball oder das sehr populäre Ski Alpin waren für ihn nie eine Option. Und es ist vielleicht auch ganz gut so. Schließlich hat er es in die NBA geschafft. Und es würde sicherlich reichlich komisch aussehen, wenn dieser 2,16 Meter große Schlaks im hautengen Skianzug versucht, auf der Streif in Kitzbühel eine einigermaßen aerodynamische Abfahrtshocke einzunehmen.

Pöltls Eltern waren Volleyball-Nationalspieler

Es habe "mal kurz", erinnert sich Pöltl, ein Gespräch mit den Eltern gegeben, ob er Interesse am Volleyball habe? Denn Mutter Maria und Vater Rainer waren beide Volleyball-Nationalspieler. Aber zu jenem Zeitpunkt, so Pöltl, sei der Basketball schon längst seine große Leidenschaft gewesen. 2013 fiel er bei der U18-B-Europameisterschaft in Mazedonien einem Talentsichter der Universität von Utah auf. Ein Jahr später zog Pöltl dann nach Salt Lake City und sorgte schnell dafür, dass er auch in College-Kreisen bekannt und so für die NBA interessant wurde. Im Sommer 2016 entschieden sich die Toronto Raptors beim Draft für den Wiener und als dieser am 26. Oktober 2016 im Heimspiel gegen die Detroit Pistons sein Debüt gab, hatte die NBA ihren ersten Österreicher auf dem Parkett.

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Mit Camps in seiner Heimat wirbt Pöltl um Nachahmer - er möchte Vorbild sein für weitere NBA-Profis aus Österreich.

(Foto: imago images / GEPA pictures)

Der Weg von Lauri Markkanen war nicht so geradlinig. Er wuchs in Jyväskylä auf, wo unter anderem der mittlerweile verstorbene Skisprungstar Matti Nykänen herkam und auch so mancher bekannte finnische Eishockeyspieler aufgewachsen ist. Und Markkanen selbst spielte in seiner Kindheit natürlich Eishockey - und auch Fußball. Allerdings nicht so gut wie sein älterer Bruder Eero, der es in die zweite Mannschaft von Real Madrid schaffte und 2017 für Dynamo Dresden drei Zweitliga-Partien absolvierte.

"Basketball wächst allmählich"

Die bevorzugte Sportart im Hause Markkanen war jedoch immer Basketball. Mutter Riikka und Papa Pekka waren Nationalspieler. Markkanen Senior verdiente als Basketball-Profi sein Geld in verschiedenen europäischen Ligen - unter anderem 1995/96 in der Bundesliga, in Bamberg. Und all seine Freunde in der Schule, sagt Lauri Markkanen, hätten Basketball gespielt. "Es ist zwar noch nicht der populärste Sport in Finnland. Aber jetzt gibt es schon mehr Kinder, die Basketball spielen. Es wächst allmählich", so der 22-Jährige.

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Markkanen spielt als Big Man zwar oft nah am Korb - doch auch der Distanzwurf zählt zu seinen Stärken.

(Foto: USA TODAY Sports)

Der große Mentor von Dirk Nowitzki ist bekanntlich Holger Geschwindner gewesen. Markkanens Förderer war Hanno Möttölä, Finnlands NBA-Pionier. "Er hatte einen großen Einfluss, hat mir ordentlich Druck gemacht. Obwohl ich nur zwei Jahre mit ihm gearbeitet habe, war es in einer besonderen Phase meines Lebens", betont Markkanen. Von 2014 bis 2016 arbeitete er an der Helsinki Basketball-Akademie mit Möttölä zusammen.

Vielseitiger Power Forward wie Nowitzki

Damals reifte auch sein Entschluss, an einem US-College spielen zu wollen. Und Möttölä, der 20 Jahre zuvor an der Universität von Utah spielte - dem gleichen College wie später Jakob Pöltl -, war der ideale Mann, um ihn auf diese Aufgabe vorzubereiten. "Wir haben viel miteinander gesprochen. Er hat mir gesagt, worauf es ankommt, was wichtig ist. Und wir haben viel an meinen Fertigkeiten gearbeitet, zum Beispiel an meiner Beinarbeit", so Markkanen.

Mittlerweile hat er seinen Förderer längst überholt. Sein Punkteschnitt von 16,2 Zählern ist um ein Vielfaches höher als Mötölläs Bestwert (4,6). Markkanen ist beim jungen Bulls-Team in Chicago ein Leistungsträger, Mötöllä war in Atlanta eher ein Rollenspieler, der nur in 17 seiner 155 NBA-Partien in der Starting Five stand und nach zwei Jahren zurück nach Europa ging. Markkanens Zukunft liegt weiterhin in der NBA. Er ist ein vielseitiger Power Forward, einer vom Typ Nowitzki, der auch von der Dreier-Linie gefährlich sein kann.

In Nordamerika gelten Markkanen und Pöltl eher als Exoten. Zwei, bei denen man sich fragt, was denn da in der Sportauswahl schiefgelaufen sind. Allerdings hat ihr Ausnahmestatus auch etwas Gutes: In ihren Heimatländern sind sie durchaus bekannt. "Mittlerweile werde ich sehr regelmäßig erkannt, wenn ich vor allem in Wien auf der Straße umhergehe", sagt Pöltl. Wie bei ihm ist es auch bei Markkanen vor allem die Körpergröße, die es erschwert, inkognito zu bleiben. "Du siehst einen langen Kerl", so Markkanen, "denkst, er spielt wahrscheinlich Basketball und dann zählen sie eins und eins zusammen und sagen sich: 'Oh, das ist bestimmt Lauri.'"

Quelle: ntv.de