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Deutsches Finale im EHF Kiel stößt Berlin vom Europa-Thron

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Vor heimischem Publikum feiern die Kieler ihren Triumph.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Temporeich, hitzig, hochklassig: Beim diesjährigen EHF-Finale kommen Handballfans voll auf ihre Kosten. Am Ende jubelt Rekordmeister THW Kiel in seinem "Finale to Huus" und beschert Trainer Alfred Gislason einen ganz besonderen Abschied.

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat den EHF-Pokal gewonnen und seine erste internationale Trophäe seit dem Champions-League-Triumph von 2012 geholt. Die Mannschaft des scheidenden Trainers Alfred Gislason entthronte im deutsch-deutschen Finale den Cup-Verteidiger Füchse Berlin durch ein ungefährdetes 26:22 (16:10) und gewann beim Final Four vor heimischem Publikum ihren zweiten Titel der Saison. "Dieser Titel vor unseren Fans ist etwas ganz Besonderes", sagte Steffen Weinhold, sein Kieler Nationalmannschaftskollege Patrick Wiencek meinte: "Ich bin überglücklich. Jetzt hoffen wir noch auf die Meisterschaft."

Die über 10.000 Zuschauer in der ausverkauften Sparkassen-Arena sahen von Beginn an ein begeisterndes Spiel. Die Führung wechselte in der Anfangsphase ständig und die Strapazen der Spiele am Vorabend waren den beiden Teams zunächst nicht anzumerken. Kiel profitierte dabei von der Tiefe seines exquisiten Kaders. So beorderte Gislason im Vergleich zum Halbfinale am Vortag (32:26 gegen TTH Holstebro) gleich vier neue Akteure in die Startformation.

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Für Rekord-Trainer Gislason ist es das letzte internationale SPiele mit den Zebras.

(Foto: dpa)

Bester Torschütze der Kieler, die im April bereits den DHB-Pokal gewonnen hatten, war im "Finale to Huus" Rechtsaußen Niclas Ekberg mit sieben Treffern. Zudem trugen die Torhüter Niklas Landin und Andreas Wolff mit zahlreichen Glanztaten erheblich zum vierten Erfolg des THW im EHF-Cup nach 1998, 2002 und 2004 bei. Für die Füchse, die ihren dritten Europacup-Titel nach 2015 und 2018 verpassten, traf Bjarki Elisson am häufigsten (6 Tore). Nationalspieler Paul Drux sagte: "Kiel hat verdient gewonnen. Wir hatten zehn schwache Minuten vor der Pause. Das haben sie ausgenutzt."

THW nutzt Heimvorteil für sich

Zunächst zeigten sich die Füchse (24:20 im Halbfinale gegen FC Porto) weder von den frischen THW-Stars noch von der aufgebrachten Stimmung im Kieler Hexenkessel beeindruckt und gestalteten die Partie bis zum 9:10 (22.) offen. Selbst dass Nationalkeeper Silvio Heinevetter, im Halbfinale noch gefeierter Matchwinner, keinen Ball zu fassen bekam und sich nach einer Viertelstunde erst einmal auf der Bank wiederfand, konnten die Füchse bis dahin kompensieren. In den letzten Minuten des ersten Abschnitts zeigte sich dann allerdings, was der Heimvorteil ausmachen kann. Angetrieben von ihren heißblütigen Fans zogen die Kieler unnachahmlich das Tempo an und legten durch einen 6:1-Lauf bis zur Pause den Grundstein für den Sieg.

Fortan ließen die Gastgeber nichts mehr anbrennen, was vor allem am eingewechselten Wolff im Tor lag. Nach gut 40 Minuten beim Stand von 20:16 in die Partie gekommen, vernagelte er seine Bude förmlich, hielt einen Siebenmeter und etliche freie Würfe, so dass Kiel seinen Vorsprung trotz schwindender Angriffseffektivität ins Ziel brachte. Für Gislason, der seine ruhmreiche Karriere als Vereinstrainer nach elf Jahren beim THW im Sommer beendet, war sein letztes internationales Spiel mit den Zebras noch einmal ein echter Höhepunkt: Der Isländer feierte seinen 20. und vielleicht letzten Titel mit den Norddeutschen. In der Bundesliga liegen die Kieler drei Spieltage vor dem Ende zwei Punkte hinter der SG Flensburg-Handewitt.

Der hinter der Königsklasse zweitwichtigste Europacup-Wettbewerb im Handball ist seit jeher fest in den deutscher Hand: Durch den Kieler Titelgewinn schraubte die Bundesliga ihre Erfolgsbilanz auf 15 Siege in den vergangenen 16 Auflagen. Rekordsieger sind neben Frisch Auf Göppingen und dem SC Magdeburg nun auch die Zebras mit vier Titeln.

Quelle: n-tv.de, lou/sid

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