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Lakers sind zu stark für Miami King James ersehnt sich Titel für Kobe Bryant

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Ende Januar ehrten LeBron James und seine LA Lakers den tödlich verunglückten Kobe Bryant im Staples Center.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Der Geist der tödlich verunglückten Basketball-Legende Kobe Bryant schwingt mit, wenn NBA-Superstar LeBron James mit seinen LA Lakers nach der Meisterschaft greift. James orientiert sich an der Ikone - und genau deshalb wird der Gegner Miami Heat keine Chance haben.

Es würde alles auf das "Battle of L.A." hinauslaufen im Western-Conference-Finale. Und dort, da waren sich fast alle NBA-Experten einig, würden die Clippers im Duell beider Basketball-Teams aus Los Angeles die Lakers schlagen und ins Finale einziehen. LeBron "King" James und seine Lakers machten da allerdings nicht mit - und zogen gegen die Denver Nuggets, die die Clippers gar nicht erst in die West-Endrunde hatten kommen lassen, locker ins NBA-Finale ein. Dort geht es nun um den ersten Titel seit zehn Jahren für das Team - damals noch mit Kobe Bryant als Superstar, der im Januar bei einem Hubschrauberunglück ums Leben kam.

Die Lakers treten in der Finalserie (Spiel eins um 3 Uhr in der Nacht auf Donnerstag/Dazn) gegen die Miami Heat an. James wird sein zehntes Finale bestreiten und um seine vierte Meisterschaft kämpfen. Es dürfte neben dem Titelgewinn 2016 mit den Cleveland Cavaliers, dem Team seiner Heimat, sein emotionalster Finals-Moment werden - schließlich ist es das erste Finale der Lakers, seit Bryant das Team 2010 zu einem Sieg über die Boston Celtics führte. Die Lakers wurden in den vergangenen zwei Jahren für genau diesen Augenblick gebaut. Um eine Meisterschaft zu gewinnen. Sie erwarben zwei der absoluten NBA-Megastars in James und Anthony Davis und umgaben sie hauptsächlich mit erfahrenen Veteranen (Rajon Rondo, Dwight Howard, Danny Green).

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Aber dennoch ist es dieses Jahr Bryant, der Geist Kobes, der einer der wichtigsten Mosaiksteine dieses Lakers-Teams auf dem Weg zum 17. Titel ist. Der tödliche Unfall der Basketball-Ikone verursachte tiefe Risse in Los Angeles und in der Lakers-Franchise. James und seine Teamkollegen sahen tagtäglich trauernde Menschen, die lange mit Bryant zusammengearbeitet hatten und seine ebenfalls tödlich verunglückte Tochter Gianna gut kannten. Sie liefen durch die Lakers-Katakomben, in denen Bryant immer noch allgegenwärtig ist. Das schweißte das Team zusammen - um für alle Mitarbeiter, für Kobe, diese Championship zu gewinnen.

James hat die "Mamba-Mentality"

Auch wenn James kein guter Freund Bryants war, schaute der neue Lakers-Star zu der Legende auf. Als er von Cleveland nach Kalifornien wechselte, hagelte es Kritik von vielen Fans. Er könne Bryant niemals beerben, hieß es. Dieser aber stellte sich sofort auf James' Seite, was dem "King" Luft zum Atmen gab und das relativ verkorkste erste Jahr nicht so gravierend erscheinen ließ. "Jedes Mal, wenn ich das Lakers-Trikot überstreife, denke ich an sein Erbe und daran, was er für dieses Team auf und neben dem Platz über 20 Jahre lang bedeutete", sagte James nun nach dem Einzug ins Finale über Bryant. "Was er von seinen Mitspielern und auch von sich selbst erwartet hat. Wir haben in dieser Hinsicht gewisse Gemeinsamkeiten."

James hat nur ein Ziel. Den Titel. Sein Fokus scheint so stark wie nie. Direkt nach dem Schlusspfiff des letzten Conference-Finalspiels lief James durch die Katakomben und wurde aufgezeichnet, wie er sagte: "Einen Schritt näher am Ziel. Aber der Job ist noch nicht erledigt." Sofort sprang die Social-Media-Maschine an und verglich die Sätze mit Bryants "Mamba-Mentalität. Bryant, so fokussiert und ehrgeizig wie zuvor wohl nur Michael Jordan, war es nämlich, der bei einer Pressekonferenz während des NBA-Finales 2009 gefragt wurde, warum er nicht lächele, nachdem er die ersten beiden Spiele der Serie gewonnen hatte. "Worüber kann man sich freuen?", fragte Bryant, um gleich selbst zu antworten. "Der Job ist noch nicht beendet."

Genauso in diesem absoluten Fokus-Modus auf die Meisterschaft scheint sich auch James' Co-Star Anthony Davis zu befinden. Seiner Größe und seiner Physis konnte in den vorherigen Serien niemand etwas entgegensetzen. Als "AD" im West-Finale gegen die Nuggets den entscheidenden Wurf mit der Sirene zur 2:0-Führung traf, brüllte er sofort im Anschluss: "Kobe!" Um Bryant zu ehren, spielen die Lakers im "Black Mamba"-Trikot, das 2017 von der Legende designt wurde. "Wir spielen ein wenig anders, wenn wir das Trikot tragen", sagte Davis, "immer, wenn wir es anziehen, wollen wir unbedingt gewinnen."

Der "King" überholt Kobe
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Dass die Chancen nicht schlecht für die Lakers stehen, auch die Finalserie zu gewinnen, liegt ebenfalls an dem immer besser gewordenen Zusammenspiel von Davis und James. "AD" deutet an, dass er sich einen Platz in der langen Reihe dominanter Lakers-Big-Men erarbeiten kann und gilt als der beste Mitspieler, den der "King" je hatte. Die beiden Basketballer haben eine wechselseitige Beziehung auf dem Court perfektioniert, in der sie abwechselnd in verschiedenen Abschnitten das Spiel übernehmen. Sie legten diesen nahtlosen Tanz durch die kompletten Playoffs aufs Parkett und sicherten sich so gegenseitig ab, als würden sie einen unsichtbaren Staffelstab übergeben. Die Superstars sind die beste Zwei-Mann-Kombination in der Liga, die beiden besten Spieler in dieser Serie - und sie scheinen auf einer Mission zu sein.

Die Heat dagegen sind ein sehr gutes Team und haben mit Jimmy Butler einen echten Beißer, der um alles in der Welt gewinnen will, und in Bam Adebayo einen sich schnell entwickelnden Star in den Reihen. Aber sie sind auf einigen Schlüsselpositionen sehr jung besetzt und haben niemanden, der James und seinen herausragenden Zug zum Korb wirklich bremsen kann. Zu Beginn der Saison standen viele Experten dem Lakers-Megastar skeptisch gegenüber, aber er bewies mit einer phänomenalen regulären Saison und noch stärkeren Playoffs erneut, dass seine Kritiker falsch lagen.

Seit seinem Eintritt in die Liga im Jahr 2003 ist James einer der beeindruckendsten Spieler der Liga. In seiner 17-jährigen Karriere hat er so viele Auszeichnungen erhalten und Rekorde gebrochen, dass man kaum noch mitzählen mag. Und selbst mit 35 Jahren ist er nicht aufzuhalten und darf wieder ein Wörtchen mitreden, wenn es um den besten Spieler der Welt geht. Im Playoff-Spiel gegen die Houston Rockets Anfang September überholte James den Ex-Laker Derek Fisher als Spieler mit den meisten Playoff-Siegen. Gerade erst sicherte er sich wieder einen Platz im ersten All-NBA-Team der Saison 2019-20 und führt damit nun diese absolute Elite-Kategorie an - vor Kobe Bryant -, die die größten NBA-Legenden umfasst.

Miami-Historie als zusätzlicher Ansporn

James selbst sieht sich natürlich als besten Spieler jemals. Sollten die Lakers wirklich den 17. Titel der Vereinsgeschichte holen, wird die Jordan-James-Diskussion wieder losgehen. Gerade weil es gegen Miami geht, für das James vier Jahre spielte und zwei Meisterschaften holte, wird er alles daran setzen, damit der Lakers-Triumph wahr wird. Als er nach der Saison 2014 zurück gen Cleveland zog, gefiel das Heat-Präsident Pat Riley überhaupt nicht. Angeblich hatten die beiden Super-Egos schon länger miteinander gerungen. Als James 2016 mit den Cavaliers seinen dritten Ring gewann, soll Riley ihm per SMS gratuliert haben, worauf bis heute keine Antwort gefolgt sein soll.

Für die Los Angeles Lakers wird die Finalserie mit den bissigen Heat nicht einfach werden, aber James in Kombination mit Davis, die Länge des Teams und der defensive Aufwärtstrend der Lakers sollten letztendlich ohnehin zu viel sein für das junge Miami-Team. Kobe Bryant und sein Ex-Team spornen den wohl aktuellen besten Basketballer der Welt aber nochmal zusätzlich an.

Quelle: ntv.de