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Chiefs, Champs, Schampus Mahomes - erst katastrophal, dann kolossal

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(Foto: dpa)

Nach 18.284 Tagen endlich wieder NFL-Champion: Die Kansas City Chiefs feiern in Miami gegen die San Francisco 49ers ihre Titel-Erlösung nach 50 Jahren. Wieder ist dazu ein Mega-Comeback nötig. Wie schon im Halbfinale. Wie schon im Viertelfinale.

Sie mussten so lange warten. Sie mussten so geduldig sein. Immer wieder auf das nächste Jahr hoffen. Generationen von Fans der Kansas City Chiefs haben ihren Verein immer unterstützt, immer mitgefiebert, die Daumen gedrückt - ihn aber trotzdem nie Meister werden sehen. Wie auch? Der letzte Titelgewinn war am 11. Januar 1970. Wer sich noch an den 23:7-Endspielsieg gegen die Minnesota Vikings erinnern kann, ist längst Rentner.

Doch an diesem Sonntag, an diesem 2. Februar 2020, da war die lange Zeit des Leidens, der Sehnsüchte und geplatzten Träume vorbei, die titellose Tristesse endlich Geschichte. "Danke, Kansas City, wir haben für euch gewonnen", brüllte Quarterback Patrick Mahomes Zehntausenden euphorischen Chiefs-Fans nach dem 31:20-Sieg im Super Bowl gegen die San Francisco 49ers über die Stadionmikrofone entgegen und reckte jubelnd die Vince Lombadri Trophy in den Abendhimmel von Miami. "Das ist doch verrückt, ich kann es gar nicht glauben", meinte Fullback Anthony Sherman.

Die Chiefs sind vor allem nach 18.284 Tagen wieder NFL-Champion, weil sie Meister der Aufholjagden waren, die Comeback-Kings aus Kansas. Weil sie niemals aufgaben, weiterkämpften, es immer und immer wieder versuchten - selbst wenn der Rückstand noch so groß und scheinbar uneinholbar war. "Wir sind etwas ganz Besonderes, eine ganz eingeschworene Truppe. Wir glauben an uns, spielen für einander, sind einfach gesegnet, dass wir uns haben", sagt Wide Receiver Tyreek Hill.

"Alles wird gut"

Kansas City ist der erste Meister der Super-Bowl-Geschichte, der in drei Playoff-Spielen zwischenzeitlich zweistellig zurückgelegen hatte. Im Viertelfinale zum Beispiel 0:24 gegen die Houston Texans. Na Und? Oder 7:17 im Halbfinale gegen die Tennessee Titans. Kein Problem. Allerdings waren beide Spiele daheim. Doch im Super Bowl LIV von Miami bewiesen die Chiefs, dass sie auch auf neutralem Boden ein scheinbar schon verlorenes Spiel noch drehen können. 10:20 betrug der Rückstand, als nur noch etwas mehr als sechs Minuten zu spielen waren. Mahomes hatte seine in der Saison bislang so produktive Offensive bis hierhin nicht wie gewohnt führen können, fand nur selten seine Anspielstationen - und zweimal fing die 49ers-Verteidigung seine Würfe sogar ab.

Und irgendwie deutete auch in dieser 53. Minute nichts darauf hin, dass es in der verbleibenden Spielzeit besser werden würde. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen immer weitermachen. Alles werde gut. Wir sind schließlich auch zuvor schon zurückgekommen", ließ Reid nach Spielende wissen. Ob er tatsächlich so beeindruckend unbeeindruckt war? Egal. "Wir haben die Fähigkeit, als gesamtes Team herauszufinden, was der Gegner macht - und dann zu sagen, ‘genug ist genug’", betont Tight End Travis Kelce. Als Mahomes schließlich seinen ersten richtig weiten Wurf über 44 Yards millimetergenau zu Hill brachte, sorgte Kelce mit dem anschließenden Touchdown wieder für Hoffnung bei den Chiefs-Fans. Kansas war dran - 17:20. Doch nicht nur die Offensive kam in Schwung, auch die Defensive spielte stark, packte entschlossen zu und ließ San Francisco nicht mehr in die Nähe der Endzone kommen.

Trainer mit 61 Jahren endlich Meister

Knapp drei Minuten vor Spielende sorgte Damien Williams nach Zuspiel von Mahomes für die 24:20-Chiefs-Führung und wenig später mit seinem zweiten Touchdown für den Endstand. "Ich würde noch 20 weitere Jahre coachen, wenn ich genau diese Truppe haben könnte. Eine wunderbare, zähe und mental starke Mannschaft. Ich bin so stolz auf sie", sagte Andy Reid. Der 61-Jährige hatte zuvor 221 Spiele als Trainer gewonnen, aber nie das allerletzte der Saison. Nie diesen Super Bowl. 2005 war er mit den Philadelphia Eagles im Endspiel, verlor aber gegen die New England Patriots 21:24. Anschließend musste Reid 15 weitere Jahre warten, ehe er eine erneute Chance bekam. "Hast du erstmal einen Titel gewonnen, willst du auch einen zweiten. Aber ich werde jetzt erstmal diese Meisterschaft genießen", meinte der Coach und lachte.

Auf der Tribüne freute sich derweil Norma Hunt. Die Ehefrau des 2006 verstorbenen Chiefs-Gründers, Lamar Hunt, ist die einzige Frau, die bei allen 54 Super Bowl live im Stadion war. Sie hat gesehen, wie ihre Chiefs 1967 den ersten Super Bowl gegen die Green Bay Packers verloren und wie sie 1970 im Endspiel Minnesota besiegten. Seitdem wartete sie genau wie die treuen Fans auf eine Endspielteilnahme. "50 Jahre sind eine so lange Zeit. Und dieser Super Bowl hat meinem Vater so viel bedeutet", sagte ihr Sohn, Clark Hunt, der Anteilseigner und Geschäftsführer der Chiefs ist. Andy Reid dachte in der Stunde des großen Triumphes ebenfalls zuerst an die Hunt-Familie. "Sie haben in all den Jahren so viel durchmachen müssen. Dass sie nun die Trophäe wieder in ihren Händen haben, ist unglaublich."

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Erstmals nach 50 Jahren standen die Kansas City Chiefs wieder im Super Bowl - und krönten sich dank Comeback-Wahnsinn zum zweiten Mal zum Champion. Um alle Super-Bowl-Teilnahmen einer Mannschaft angezeigt zu bekommen, können Sie den Teamnamen einfach im Suchfeld eingeben.

Quelle: ntv.de