Dieser verdammte letzte WurfMitfavorit Schweden steht vor bitterem EM-Aus

Der große EM-Traum von Co-Gastgeber und Mitfavorit Schweden droht zu platzen: Nach einem dramatischen Punktverlust am Vorabend müssen die Schweden nun zittern. Die Hoffnung ist klein.
Island hat bei der Handball-EM als erstes Team die turbulente Hauptrundengruppe 2 überstanden und steht im Halbfinale. Durch ein 39:31 (18:16) gegen Slowenien ist die Mannschaft um die Bundesliga-Topstars Gisli Kristiansson und Omar Ingi Magnusson (beide SC Magdeburg) nicht mehr von einem der ersten beiden Plätze zu verdrängen. Island war noch am Vorabend nach einem 38:38-Patzer gegen Außenseiter Schweiz "am Boden zerstört", durch das 32:32 von Co-Gastgeber Schweden gegen Ungarn hatte man das eigene Schicksal aber wieder in die eigenen Hände gelegt bekommen. Nun nutzte der Geheimfavorit den Matchball.
Bis zur Halbzeit lieferten sich beide Teams ein enges Rennen, dann setzte sich Island schnell auf sechs Tore ab (40. Minute), Slowenien konnte sich nicht mehr zurückkämpfen. Beim 30:24 (49.) war das Match entschieden, später wurde es noch deutlicher. Bester Werfer der Isländer, die erstmals seit 2010 wieder im Halbfinale eines großen Turniers stehen, war Ellidi Vidarsson vom VfL Gummersbach mit acht Toren.
Am Vorabend hatte Schwedens Torwart Andreas Palicka in einem dramatischen Match gegen Ungarn den Ball mit der Schlusssirene vom eigenen Kreis aus am leeren Tor der Ungarn vorbei geworfen und damit den möglichen Punkt vergeben. "Ich weiß nicht, wie es jetzt mit den Punkten und allem steht", sagte ein enttäuschter schwedischer Kreisläufer Max Darf nach dem Krimi. "Wir wollten zwei Punkte, weil wir es dann selbst in der Hand gehabt hätten." Schweden kann aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs (27:35) nicht mehr an Island vorbeiziehen.
Nun muss Schweden ausgerechnet auf Ungarn hoffen: Der bereits ausgeschiedene Underdog darf im Anschluss (18 Uhr) gegen Vizeweltmeister Kroatien nicht verlieren, sonst ist der Traum von einer Medaille für Schweden schon früh geplatzt. Schweden spielt zum Abschluss der Hauptrunde am Abend gegen die Schweiz. Mit einem Sieg über Ungarn hätte Schweden dank des gewonnenen direkten Vergleichs mit Kroatien (33:25) bei Punktgleichheit die Nase vorn gehabt.
Spanien enttäuscht
In der deutschen Hauptrundengruppe 1 enttäuschte die spanische Mannschaft zum Abschluss der zweiten Gruppenphase und muss vorzeitig nach Hause fahren. Zwei Tage nach dem überraschenden 36:32-Sieg über Europameister Frankreich, mit dem sie der deutschen Mannschaft Schützenhilfe leisteten, verloren die Iberer gegen Portugal 27:35 (12:16). "Meine Mannschaft hat das Spiel nicht gut begonnen. Es ist sehr schwer, sich nach drei, vier, fünf Gegentoren wieder aufzurappeln. Weitere Fehler und Ballverluste in der ersten Halbzeit – so ist es unmöglich, den in Bewegung zu halten", ärgerte sich Trainerlegende Jordi Ribeira. "Heute ist kein guter Tag, es ist sehr traurig."
Spanien scheiterte in der ersten Hälfte immer wieder an eigenen Unkonzentriertheiten und an Torwart Diogo Valerio, schon früh lagen sie mit bis zu sechs Toren zurück. Eine Aufholjagd lag vor knapp 6000 Zuschauern nie in der Luft. Bester Werfer der Partie war Portugals Francisco Costa mit sieben Treffern.
Damit platzte für Spanien auch die letzte Chance, noch wenigstens das Spiel um Platz 5 zu erreichen. Den Einzug ins Halbfinale hatte der viermalige Europameister bereits mit dem 34:35 zum Hauptrundenauftakt gegen Norwegen nahezu sicher verspielt. Durch die klare Niederlage endet damit das nächste Turnier für den Europameister von 2018 und 2020 enttäuschend: Bei der WM 2025 hatte Spanien einen desaströsen 18. Platz eingefahren.
Portugal, das in der Hauptrunde noch beim 38:46 (15:28) in einer historischen französischen Torflut untergegangen war, darf noch auf das Spiel um Platz 5 hoffen. Dafür muss Deutschland Frankreich besiegen (18 Uhr/ZDF und im Liveticker auf ntv.de) und im Anschluss Norwegen gegen Gastgeber Dänemark verlieren. Die beste Platzierung einer portugiesischen Mannschaft bei einer EM ist bisher Platz 6 (2020).
In der deutschen Gruppe ist Dänemark bereits sicher für das Halbfinale qualifiziert, dem DHB-Team würde gegen Frankreich bereits ein Punkt zum Weiterkommen reichen. Das Spiel um Platz 5 hat Deutschland bereits sicher erreicht.