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"Biest" feiert emotionalen Titel Nadal quält seine US-Open-Qualen nieder

Im Endspiel der US Open wankt Rafael Nadal gewaltig. Doch der Spanier fällt nicht um, sondern gewinnt gegen den Russen Daniil Medwedew in fünf Sätzen seinen 19. Grand Slam-Titel. Den Grundstein für diesen nächsten Meilenstein seiner Karriere hat einst "Onkel Toni" gelegt.

Der Champion sprang nach seinem Sieg nicht etwa vor Freude in die Höhe. Nein, dafür fehlte Rafael Nadal nach diesem Tennis-Thriller die Kraft. Und deshalb sank er zu Boden, fiel rückwärts auf den hellgrünen Untergrund, schloss die Augen und riss den Mund weit auf. Erschöpft, erleichtert und erlöst zugleich. Nach 4:50 Stunden hatte Nadal dieses hochklassige Finale der US Open 2019 gegen Daniil Medwedew aus Russland gewonnen. Ein Fünf-Satz-Match, von dem sie womöglich noch in Jahrzehnten reden werden. Sein 7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4-Erfolg hatte alles, was Tennis so faszinierend und mitreißend macht. Und die US Open hatten einen Champion, der zwar gerade seinen 19. Grand Slam-Titel gewonnen hatte, aber keinerlei Anzeichen von Routine à la Business as usual zeigte, sondern ungewohnt emotional wurde.

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Als Nadal vor der Siegerehrung auf einem Stuhl saß und das Licht im Arthur-Ashe-Stadion etwas gedämpft wurde, nahmen die Veranstalter alle Anwesenden in dieser knapp 24.000 Zuschauern Platz bietenden Arena mit auf eine triumphale Tennis-Reise. Auf der Anzeigetafel wurden Nadals bisherige 18 Grand Slam-Siege gezeigt. Von den French Open 2005 bis hin zu seinem zwölften Erfolg in Paris in diesem Frühjahr. Drei Kontinente, vier Städte, 15 Jahre, ein Champion: Rafael Nadal Parera aus Manacor an der Ostküste Mallorcas.

"Die Trophäe bedeutet mir alles"

Und der Mann, der auf den Tennisplätzen dieser Welt so unnachgiebig und so gnadenlos sein kann, kämpfte beim Anblick der Bilder mit den Tränen. "Normalerweise versuche ich immer, meine Emotionen zurückzuhalten, aber das war heute einfach unmöglich", sagte er unter dem Jubel des Publikums. Zum vierten Mal hatte er die US Open gewonnen. Doch dieser Titel 2019 war der Schwerste. "Die Trophäe bedeutet mir alles und ist eine persönliche Genugtuung für die Art, wie ich mich in den schweren Momenten gewehrt habe", betonte der Spanier.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nadal für einen Sieg leiden musste - körperlich und mental. Dass er sich gequält hat, obwohl die Qualen kaum mehr auszuhalten waren. Doch so ist das in dieser mallorquinischen Familie. Wenn es am meisten schmerzt, jeder Schritt physisch und psychisch eine Tortur ist, dann machen die Nadals trotzdem weiter. Dass hat schon sein Onkel, Miguel Angel Nadal, früher immer getan. Er war Fußball-Profi, spielte für Spanien bei drei Weltmeisterschaften und trug unter anderem neun Jahre das Trikot des FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann er fünfmal die Spanische Meisterschaft und 1992 den Europapokal der Landesmeister. Nadal konnte in der Abwehr und im Mittelfeld eingesetzt werden. Seine Markenzeichen: Immer alles zu geben und den Gegner mit einer körperlich harten Spielweise zu bearbeiten. Sein Spitzname, wenig verwunderlich: "Das Biest".

Noch ein Grand Slam-Titel hinter Federer

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Als Miguel Angel Nadal 2005 seine Karriere beendete, war nicht abzusehen, dass er trotz seiner Erfolge einmal nur der zweiterfolgreichste Sportler seiner Familie sein würde. Dass sein Neffe den Namen Nadal noch viel bekannter macht. Und womöglich schon im kommenden Jahr Roger Federer als erfolgreichsten Spieler der Tennis-Geschichte einholt oder sogar ablöst. Denn durch seinen US Open-Erfolg fehlt Nadal nur noch ein Grand Slam-Sieg, um zu Federers 20 Triumphen aufzuschließen. Und sollte er sich nicht verletzen, dürfte ihm zumindest der Titel bei den French Open kaum zu nehmen sein. In Paris hat Nadal bereits zwölf Mal gewonnen.

Bei 16 seiner 19 Grand-Slam-Siege war Antonio Nadal an seiner Seite. "Onkel Toni", wie ihn alle nennen, ist der ältere Bruder von Miguel Angel Nadal - und war bis 2017 Rafaels Trainer. So niedlich der Begriff "Onkel Toni" auch klingen mag, so unnachgiebig war Antonio Nadal auf dem Tennisplatz. "Es ist viel besser, auf harte Arbeit zu setzen, als auf Talent", war und ist einer seiner Leitsätze. Doch Toni Nadal hat Rafael Nadal nicht nur Kampfgeist, Belastbarkeit und einen unbändigen Willen beigebracht, sondern - und das war vielleicht das ganz Entscheidende - ihn zum Linkshänder geformt.

Rechtshänder spielt nur Tennis mit links

Denn Nadal ist Rechtshänder. Schreiben, Zähne putzen, Brot schmieren - alles erledigt er mit Rechts. Nur wenn der 33-Jährige zum Tennisschläger greift, wechselt er die Hand. Onkel Toni hatte ihm das irgendwann im Alter zwischen acht und zehn Jahren empfohlen, denn Rafael Nadal hatte bis dahin die Vorhand nur beidhändig gespielt. Toni Nadal war überzeugt, dass sein Neffe es so nicht weit bringen würde und animierte ihn deshalb "einhändig zu spielen - und zwar mit der stärkeren Hand. Und das war links", erinnert er sich.

Mittlerweile ist Rafael Nadal der beste Linkshänder der Tennis-Geschichte. Und er ist trotz seiner kraftraubenden Spielweise, die seinem Körper viel abverlangt und ihn schon einige Monate Verletzungspause kostete, immer noch einer derjenigen, die es auf dem Weg zum Titel zu bezwingen gilt. Für den Italiener Matteo Berretini, den er im Halbfinale in drei Sätzen besiegt hatte, ist Nadal aber vor allem eines: "Der größte Kämpfer der Tennisgeschichte."

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Quelle: n-tv.de

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