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"Verarschung", dann "Dreckstor" Nürnberg tobt nach Torklau, Stevens leidet

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Als Nürnbergs Hanno Behrens den Ball an S04-Keeper Nübel vorbeigespitzelt und ins Tor geschossen hatte, war das Spiel wegen gefährlichen Spiels schon unterbrochen - daher zählte der Treffer nicht.

(Foto: imago images / MIS)

Der 1. FC Nürnberg spielt stark im Bundesliga-Abstiegsduell gegen den FC Schalke, doch er verpasst den enorm wichtigen Sieg - auch wegen einer umstrittenen Torentscheidung, die für Riesenfrust sorgt. Ebenfalls unglücklich trotz des Duselpunkts: S04-Coach Stevens.

Verärgert waren Huub Stevens und Boris Schommers gleichermaßen. Der niederländische Trainer-Routinier war nach einer frustrierenden Leistung im Abstiegsduell auf seine Schalker Mannschaft sauer. Nürnbergs Jungcoach musste beim 1:1 (0:0) am Freitagabend seine Empörung über ein von Schiedsrichter Robert Kampka verwehrtes Tor verarbeiten.

"Das ist eine klarste Fehlentscheidung, die darf auf diesem Niveau nicht passieren", kritisierte Schommers die in der 43. Minute versagte Anerkennung eines Treffers seines Kapitäns Hanno Behrens. Es sei "extremst bitter, dass so eine Fehlentscheidung auf diesem Niveau passiert". "Das war Verarschung, dafür habe ich kein Verständnis. Das war ein klares Tor", schimpfte der verhinderte Torschütze nach dem Spiel bei Eurosport über den Unparteiischen: "Ich berühre den Torwart nicht, das Bein ist nicht gestreckt. Das ist ein klares Tor, ich konnte es in dem Moment gar nicht glauben."

Behrens hatte nach einer verunglückten Rückgabe von Schalkes Daniel Caligiuri den Ball am Torraum vor Schlussmann Alexander Nübel vorbeigespitzelt und die vermeintliche Führung erzielt. Doch der Schiedsrichter hatte die Partie bereits unterbrochen, offenbar wegen gefährlichen Spiels von Behrens - deshalb konnte auch der Videoschiedsrichter trotz der äußerst umstrittenen Entscheidung nicht korrigierend eingreifen.

Enttäuscht - aber auch stolz

Und für die Nürnberger kam es noch schlimmer: Fassungslos mussten die "Club"-Fans nur vier Minuten nach der Aufregerszene mitansehen, wie ihr Kapitän mit einem Foulelfmeter an dem hervorragenden Nübel scheiterte. Es war eine von vielen aussichtsreichen Torchancen der Franken gegen wie ein Absteiger auftretende Schalker.

Einmal waren die Nürnberger in der 82. Minute durch Yuya Kubo dann doch erfolgreich. Bitter: Nur drei Minuten später lenkte Schalkes Matija Nastasic einen Schuss von Omar Mascarell ins Nürnberger Tor ab und sorgte für den aus Schalker Sicht glücklichen Endstand, der die Hoffnungen des FCN auf eine Rettung gehörig dämpfte. Als "absolutes Dreckstor" titulierte Offensivspieler Sebastian Kerk folglich den Ausgleich.

"Wir haben nur einen Punkt gewonnen, darüber bin ich in erster Situation enttäuscht", räumte Schommers ein. "Ich bin aber auch sehr stolz auf die Mannschaft, dass es der 1. FC Nürnberg schafft, gegen den FC Schalke 04 so ein Spiel auf den Platz zu bringen. Das ist schon beachtlich." Für Schommers war es das "beste Spiel" seiner Mannschaft unter seiner Leistung.

Zweifel "ein schlechter Ratgeber"

Von so einer Einschätzung seines eigenen Teams war Stevens weit entfernt. Der Vizemeister der vergangenen Saison wurde nach dem Remis von seinen Fans ausgepfiffen. Und dafür hatte Stevens Verständnis. "Es war ein schlechtes Spiel von unserer Seite. Ich bin mit beiden Halbzeiten nicht zufrieden, das war zu wenig", kritisierte der als Retter verpflichtete 65-Jährige bei Eurosport. "Wir haben keine gute Leistung gebracht, da müssen wir ehrlich sein."

Für Stevens lag der vor allem in der ersten Hälfte blutleere Auftritt daran, dass der "Gegner aggressiver und besser war. Dann verlierst du deine Zweikämpfe, kommst nicht ins Spiel und dann kommen Zweifel auf." Zweifel seien jedoch ein "schlechter Ratgeber. Du darfst nicht zweifeln." Die Hoffnung auf den Klassenerhalt geben die Nürnberger indes nicht auf - auch wenn sie mit 18 Punkten Vorletzter bleiben. Die Schalker dagegen haben neun Zähler mehr als der "Club".

Quelle: ntv.de, cwo/dpa