Sport

Sportler und Funktionäre einig Olympia-Verlegung beendet "diesen Unsinn"

Die Verlegung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 gibt Sportlerinnen und Sportlern Planungssicherheit - aber auch die Gewissheit, dass das Training für diesen Sommer unbelohnt bleibt. Die Vereinigung Athleten Deutschland stellt klare Forderungen an das IOC, das sich weitere Kritik gefallen lassen muss.

Der Verein "Athleten Deutschland" hat nach der Verschiebung der Sommerspiele in Tokio die Sportlerinnen und Sportler bestärkt, ihr Training nun auf den neuen Olympia-Termin auszurichten. "Wir möchten sie alle dazu ermuntern, sich nicht entmutigen zu lassen und ihre Ziele weiterzuverfolgen", hieß es in einer Mitteilung. Zuvor hatten sich das Internationale Olympische Komitee und die japanischen Gastgeber darauf geeinigt, die Tokio-Spiele wegen der Corona-Pandemie ins kommende Jahr zu verlegen.

Dies bedeute für viele olympische und paralympische Sportlerinnen und Sportler weltweit "den Aufschub, für manche das Ende eines Traums", schrieb "Athleten Deutschland". Das IOC müsse nun mit Japans Regierung, den TV-Rechteinhabern, Sponsoren und weiteren Partnern eine "tragfähige Lösung" für Sommerspiele im nächsten Jahr finden. Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe fand klare Worte: "Das war gesellschaftlich unumgänglich. Diese Spiele wären die Hölle für uns gewesen. Wir waren in einem ständigen Dilemma: Auf der einen Seite wollten wir trainieren, auf der anderen unserer Vorbildfunktion in der Gesellschaft gerecht werden und Kontakte meiden."

DOSB-Präsident Hörmann sieht richtigen Schritt

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, begrüßte die Verlegung: "Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft."

TV-Tipp

Die Dokumentation "Ausgespielt! Die Corona-Krise im Sport" läuft am Samstag (28. März) um 8.30 Uhr und um 11.30 Uhr bei ntv. Sie ist auch bei TVNOW verfügbar.

Auch Jonathan Koch, Athletensprecher des DOSB, zeigte sich erleichtert: "Es ist schön, dass die Verantwortlichen beim IOC ein Einsehen haben und sich nun auch solidarisch mit der Weltgemeinschaft zeigen." Ihn seinen Augen befreit die Verlegung zudem die Athletinnen und Athleten von einer Last: "So traurig die Verschiebung für jedes Sportlerherz auch sein mag, ist es doch zu begrüßen, dass der Zwiespalt von Trainingsanforderungen und einem gesamtgesellschaftlich solidarischen Verhalten durch die Entscheidung aufgelöst wird."

Auch der zweifache Silbermedaillen-Gewinner Marcel Nguyen hält diese Entscheidung für die einzig Richtige: "Es gab keine Alternative. Hoffentlich feiern wir alle 2021 ein großes Festival in Tokio - und dieser Unsinn für das Training im Garten ist jetzt zu Ende", so der Turner.

"... würde das IOC zum Straftäter machen"

Für Diskus-Olympiasieger Robert Harting wäre ein Festhalten am ursprünglichen Termin ein Skandal gewesen: "Alles andere als sich der Weltgesundheit zu stellen und den Austragungszeitraum respektvoll anzupassen, würde das IOC zum Straftäter machen. Denn die Vereinten Nationen haben Gesundheit zu einem Menschenrecht erklärt. Dass ein Virus zur Olympia-Verschiebung führt, ist Wahnsinn. "

Durch die Verschiebung muss nun der Sportkalender 2021 komplett überarbeitet werden. Für den Sommer im kommenden Jahr waren zum Beispiel die Weltmeisterschaften der Schwimmer in Fukuoka/Japan und die der Leichtathleten in Eugene/USA vorgesehen. Auch die für dieses Jahr geplante Fußball-EM wurde um ein Jahr auf 2021 verschoben. Die Entscheidung des IOC befreie die Sportler von dem Druck, ihr Training unter den Einschränkungen der Corona-Krise fortzuführen, teilte "Athleten Deutschland" mit. "Sie können sich jetzt darauf konzentrieren, diese Krise solidarisch mit dem Rest der Gesellschaft zu überwinden", hieß es weiter.

Der Verein war 2017 gegründet worden, um Athleten mehr Mitsprache zu ermöglichen. "Athleten Deutschland" setzt nach eigenen Angaben für grundlegende Veränderungen im deutschen und internationalen Sportsystem ein.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/sid