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Sportarten, Team D, TV-Zeiten Paralympics-Wissen für Insider

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Anna-Lena Forster gehört zu den großen Favoritinnen aus deutscher Sicht.

(Foto: imago images/Mika Volkmann)

Am Freitag starten die Winter-Paralympics in Peking. Bis zum 13. März kämpfen mehr als 700 Athleten in sechs Sportarten um 78 Goldmedaillen und persönliche Topleistungen. Das Coronavirus und der Krieg in der Ukraine erschweren den Fokus auf den Sport. Das Wichtigste zu den Sportarten, dem deutschen Team und allem weiteren.

Welche Wettbewerbe gibt es bei den Winter-Paralympics?

Ski alpin, Skilanglauf, Biathlon, Snowboard, Curling und Eishockey - diese sechs Sportarten gibt es bei den Paralympics im Winter. Mehr als 700 Athletinnen und Athleten aus 50 Nationen kämpfen um 78 Goldmedaillen.

Im Ski alpin, Skilanglauf und Biathlon werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die drei Kategorien "sehbehindert", "körperbehindert stehend" und "körperbehindert sitzend" unterteilt. Im Ski alpin bewältigen die sehbehinderten Athleten bewältigen den Kurs mithilfe eines Begleitläufers (Guides), der durch akustische Signale die Laufrichtung vorgibt. Die Sitzenden nutzen den sogenannten Monoski. Die Vergleichbarkeit der Leistungen trotz der differenzierten Behinderungsarten wird durch ein Handicap-System herbeigeführt. Die Zeit wird je nach Grad der Behinderung mit einem bestimmten Faktor multipliziert.

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Martin Fleig und Anja Wicker treten im Langlauf und Biathlon an.

(Foto: imago images/Ralf Kuckuck)

Im Biathlon sowie Skilanglauf nutzen Rollstuhlfahrer und stark gehbehinderte Sportler einen Sit-Ski, einen speziellen Skischlitten, sehbehinderte Athleten laufen auf herkömmlichen Langlaufskiern und werden von einem Begleitläufer unterstützt. Die Sportler aller Kategorien tragen beim Biathlon ihr Gewehr auf den Laufrunden nicht bei sich, sondern nehmen es erst am Schießstand auf. Die Scheiben stehen in zehn Metern Entfernung. Die sehbehinderten Sportler zielen mithilfe eines akustischen Signals. Je höher der Ton, desto mehr zielt der Schütze in die Mitte.

Die Snowboard-Wettbewerbe sind die jüngste Sportart bei den Paralympics, seit 2014 ist sie dabei. Beim Snowboardcross fahren die Athleten auf einer Rennstrecke, die aus unterschiedlichen Renn- und Freestyle-Elementen bestehen. Zudem gibt es den sogenannten Banked Slalom. Dabei fahren die Snowboarder auf Zeit in einem mit Steilkurven präparierten Kurs. Alle Teilnehmer kämpfen dreimal gegen die Zeit. Der schnellste Lauf wird für das Endergebnis festgelegt.

Rollstuhl-Curling ist seit 2006 im paralympischen Programm, gemischte Teams treten gegeneinander an, mindestens eine Frau muss zu jeder Mannschaft gehören. Anders als beim Curling der Nicht-Behinderten wird nicht gefegt.

Hohes Tempo, hoher körperlicher Einsatz, blitzschnelle Aktionen und sehenswerte Paraden: Sledge-Eishockey, das seit 1994 zum Programm gehört, hat sich dank vieler spektakulärer Momente zu einer der Attraktionen bei paralympischen Winterspielen entwickelt. Gespielt wird grundsätzlich nach den Regeln der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF. Wichtigster Unterschied zum Eishockey ist die Ausrüstung: Die Spieler bewegen sich auf Kufen-Schlitten fort, in jeder Hand einen Schläger, an deren Ende Spikes zur besseren Fortbewegung befestigt sind.

Wie war das nochmal mit den Startklassen?

Im Para-Sport gibt es die Herausforderung, Wettbewerbe so gerecht und gleichzeitig so wenig vorhersehbar und einseitig wie möglich zu gestalten. Ziel kann es nicht sein, dass der am wenigsten beeinträchtigte Athlet gewinnt. Sichergestellt werden soll im Gegenteil, dass die sportliche Leistung darüber entscheidet, wer die Medaillen gewinnt. Daher gibt es sportartenspezifisch verschiedene Startklassen. Im Grunde ist dies vergleichbar mit Einteilungen nach Alter, Geschlecht oder Gewicht.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) unterteilt in folgende Behinderungen:

• Beeinträchtigung der Muskelkraft: etwa bei Lähmungen, Muskelschwund, den Folgen von Kinderlähmung und Spina Bifida.

• Beeinträchtigung des passiven Bewegungsapparats: etwa bei Gelenksteife.

• Fehlen von Gliedmaßen: etwa Fehlbildungen oder Amputationen.

• Unterschiedliche Beinlänge

• Kleinwuchs

• Muskelhypertonie, eine erhöhte Spannung der Muskulatur bei reduzierter Fähigkeit, den Muskel zu strecken. Tritt infolge von Verletzungen des zentralen Nervensystems auf, etwa nach Schlaganfall oder Zerebralarese.

• Ataxie, eine Störung der Bewegungskoordination, die infolge von Verletzungen des zentralen Nervensystems auftreten, etwa bei Multipler Sklerose, Schlaganfall und Zerebralparese.

• Athetose, also anhaltende, unwillkürliche Muskelbewegungen.

• Beeinträchtigung der Sehfähigkeit

• Intellektuelle Beeinträchtigung, die das im Alltag erforderliche Anpassungsvermögen einschränkt.

Wer tritt für Deutschland an?

Das Team Deutschland ist klein, nur 17 Starterinnen und Starter sowie fünf Guides sind in Peking dabei. Sowohl im Curling als auch im Eishockey ist kein deutsches Team am Start. Eine der erfolgreichsten Athletinnen ist Monoskifahrerin Anna-Lena Forster, die bereits fünf Paralympics-Medaillen gewann, davon zwei goldene. Die 26-Jährige ist in Topform, bei der WM holte sie zuletzt vier Goldmedaillen. Ihre Teamkollegin Andrea Rothfuss nimmt bereits an ihren fünften Spielen teil, sie hat schon 13 Paralympics-Medaillen zu Hause. Im Biathlon und Langlauf ist Anja Wicker in der sitzenden Klasse ebenfalls als aussichtsreiche Medaillenkandidatin unterwegs.

Die jüngste Deutsche ist die gerade einmal 15-jährige Linn Kazmeier in den nordischen Disziplinen. Als ältester Athlet geht Alexander Ehler an den Start. Der 52-Jährige ist Langläufer und Biathlet. Das deutsche Team ist im Umbruch, sieben Starterinnen und Starter sind 22 Jahre oder jünger.

Was ändert sich aufgrund des Krieges in der Ukraine?

Nach einigem Hin und Her sind russische und belarussische Athleten in Peking von den Wettkämpfen ausgeschlossen. Nachdem das IPC am Mittwoch zunächst überraschend entschieden hatte, dass die Sportlerinnen und Sportler aus diesen beiden Nationen unter neutraler Flagge antreten dürfen, ruderte der Verband am Donnerstag zurück. Die internationale Kritik war zu groß, einige Mitgliedverbände hatten mit einem Boykott gedroht. Der Deutsche Behindertensportverband begrüßte das Umdenken: "Es ist eine wunderbare Kehrtwende", sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher: "Uns, den Athletinnen und Athleten, aber auch den meisten Nationalen Paralympischen Komitees ist eine unwahrscheinliche Last abgefallen."

Die IPC-Entscheidung sei "einfach nur schön", so Beucher. "Wir wollten diese Entscheidung nicht verstehen, dass hier zeitgleich ukrainische Athleten um ihre Familien bangen, die in Luftschutzkellern sitzen, und sie hier mit Athleten aus den Ländern, die ihr Land überfallen haben, in einen friedlichen Wettkampf gehen sollen", sagte Beucher.

Und was ist mit Corona?

Das Virus grassiert, die Pandemie hält an. Bei den Olympischen Spielen vor zwei Wochen gab es erhebliche Einschränkungen, genauso wird es auch bei den Paralympics sein. Alle Beteiligten bewegen sich in einer Blase, die nicht verlassen werden darf. Tägliche PCR-Tests sind vorgeschrieben, wer positiv getestet wird, muss in strenge Quarantäne. Zuschauer wird es nur wenige geben, Ausländer sind gar nicht zugelassen.

Was ist mit Gastgeber China?

Die Kritik an der Vergabe der Spiele nach China war schon während der Olympischen Spiele riesig. Kleiner wird sie nun nicht. "Für mich ist es kompletter Irrsinn, dass die Spiele in China stattfinden, wo Menschenrechte nicht geachtet werden und es drei Tage im Jahr schneit", sagte die siebenmalige Paralympicssiegerin und jetzige ARD-Expertin Anna Schaffelhuber der Deutschen Presse-Agentur. Ihr Rücktritt im Jahr 2019 habe auch damit zusammengehangen, dass die Spiele in China bevorstanden, gab sie zu. "Es gab andere Kandidaten, da hätte ich unbedingt noch mal hinfahren wollen", sagte sie: "Aber ich wusste: Peking kommt, und da will ich nicht hin." Auch Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, übt Kritik: "China ist unter Berücksichtigung der Menschenrechtslage ein Land, in das Olympische und Paralympische Spiele nicht hätten vergeben werden dürfen." Er betont, dass das deutsche Team zwar teilnehme, aber nicht vergessen und verschweigen dürfe, was Menschen und vor allem Minderheiten widerfährt: "Die Entscheidung, die Spiele dorthin zu vergeben, ist nicht mehr umkehrbar. Aber diejenigen, die sie getroffen haben, müssen sich gefallen lassen, dass sie darauf hingewiesen werden."

Zudem ist auch der Umgang mit Behinderten in China nach wie vor ein Problem. Barrierefreiheit ist mangelhaft, auch wenn sich seit den Paralympics 2008 einiges gebessert hat. Darüber hinaus gibt es nach wie vor den Glauben vieler Eltern, dass sie mit behinderten Kindern für etwas Schlechtes in einem früheren Leben bestraft werden. Abwertung zeigt sich in der Sprache. Geistig Behinderte wurden oft schlicht als "Idioten" (Shazi) abgetan. Lange wurden Behinderte auch "Canfei" genannt: "Behindert und nutzlos." Heute wird meist der auch nicht sehr gelungene Begriff "canji" benutzt, so viel wie "behindert und krank". Behindertenverbände plädieren für "Canzhang", was so viel wie "unvollständig" oder schlicht "behindert" bedeutet.

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Wo gibt es das Ganze zu sehen?

ARD und ZDF teilen sich die Berichterstattung - haben das meiste aber ins Internet verlegt. Das ZDF übernimmt ab der Eröffnungsfeier am 4. März bis zum 8. März die Übertragung und zeigt hauptsächlich Zusammenfassungen, die ARD steigt mit der zweiten Wettkampfhälfte bis zum 13. März ein. Zusätzlich gibt es Livestreams von allen Entscheidungen mit deutscher Beteiligung in voller Länge. Die Entscheidungen sowie einige Höhepunkte werden zum Teil innerhalb des regulären Wintersportprogramms gezeigt.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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