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Vom Loserteam zur Mega-Rendite Der Geniestreich des NFL-Alphatiers Kraft

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Unter der Ägide von Robert Kraft (r.) startete Tom Brady zum größten Star der NFL durch.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Eigentlich sollte Robert Kraft Rabbi werden. Stattdessen investierte er in eine NFL-Losertruppe. 48 Jahre später sind die New England Patriots unter seiner Führung das erfolgreichste Football-Team - auch dank einer perfekten Alphatier-Symbiose.

Mitte Januar trat Robert Kraft mal wieder ins Rampenlicht: Der steinreiche Geschäftsmann aus Massachusetts wurde mit dem Genesis Preis ausgezeichnet, der auch als "jüdischer Nobelpreis" bezeichnet wird. Umgehend kündigte Kraft an, den ausgelobten Scheck über eine Million Dollar einzusetzen, "um den zunehmenden Antisemitismus zu bekämpfen". Der 77-Jährige benötigt das Geld nicht, er hat mehr als genug davon. Als junger Heranwachsender sollte Kraft nach dem Willen seines Vaters Rabbi werden, startete dann aber als Geschäftsmann in der Papier- und Verpackungsbranche durch und wurde zum Milliardär.

Berühmtheit erlangte Kraft allerdings vor allem dadurch, dass er die New England Patriots übernahm und zum mit Abstand erfolgreichsten Footballteam der Gegenwart formte. In einem Alter, in dem die meisten Menschen längst ihren Ruhestand genießen, gefällt sich dieser Mann immer noch in seiner Lieblingsrolle als Macher. Bei der Opening Night der National Football League (NFL) eine Woche vor dem Super Bowl (Montag ab 0.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) präsentierte sich Kraft den Medien und stand in jugendlichem Outfit Rede und Antwort: Hellblaues Sakko und Sneakers - so tritt niemand auf, der daran denkt, in Kürze abzudanken.

Faustpfand: Stadionparkplatz

Doch der Reihe nach: 25 Jahre ist es her, dass Robert Kraft bei den Patrioten das Zepter übernahm. Seitdem gibt es für diesen Klub nur eine Richtung: bergauf. Kraft war seit Kindheitstagen ein glühender Fan der Patriots, 1971 kaufte er seine erste Dauerkarte. Als die Geschäfte anfingen, gut zu laufen, orderte er sechs Season Tickets, um die gesamte Familie zu versorgen. Das brachte ihm Ärger mit seiner 2011 verstorbenen Ehefrau Myra ein. Sie schimpfte, der Gatte möge das mühsam erarbeitete Geld nicht zum Fenster rauswerfen.

Aus heutiger Sicht ist das eine Anekdote zum Schmunzeln, denn schnell häufte Kraft Millionen an, mit denen er sich zunächst die Rechte an den Parkplätzen am Stadion und danach an der alten Spielstätte sicherte. Es war sein Faustpfand, mit dem vehementen Pochen auf bestehende Mietverträge verhinderte der bekennende Lokalpatriot den Umzug des chronisch erfolglosen Teams nach Jacksonville.

Die jahrelangen Streitigkeiten endeten damit, dass die früheren Eigner 1994 entnervt aufgaben und Kraft die Möglichkeit bekam, das Team zu kaufen. Der damalige Kaufpreis von 172 Millionen Dollar war der höchste, der bis dahin in der NFL gezahlt worden war. Aus heutiger Sicht erscheint die Summe geradezu lachhaft, heute werden die Patriots im Forbes Ranking mit 3,8 Milliarden gelistet. Eine Wahnsinns-Rendite, dennoch war der Deal vor 25 Jahren ein echtes Wagnis. Er habe für die Erfüllung seines Traums "sämtliche persönliche Regeln außer Kraft gesetzt", berichtete der Eigentümer Jahre später.

"Die beste Entscheidung Ihres Lebens"

Es begann der wundersame Aufstieg eines Teams, das in der Szene traditionell als Losertruppe wahrgenommen wurde. Kraft holte Bill Belichick und stattete den Trainer in der Teamführung und der Kaderzusammenstellung mit weitreichenden Kompetenzen aus. Kurz darauf gesellte sich Quaterback Tom Brady zum Mastermind Belichick. Um dieses kongeniale Duo herum wurde eine Mannschaft aufgebaut, die in diesem Jahrtausend neun Mal den Super Bowl erreichte.

Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die vor allem deshalb so gut funktioniert, weil die Alphatiere an der Spitze eine perfekte Symbiose eingegangen sind. Die drei Protagonisten ergänzen sich, rasseln jedoch mit ihrem ausgeprägten Ego erstaunlich selten aneinander. Als Kraft vor 19 Jahren Brady holte, der bei den Patriots zum größten Spielmacher der NFL-Geschichte werden sollte, sagte der angehende Megastar bei seiner Einführung zum Klubchef: "Das war die beste Entscheidung Ihres Lebens."

Robert Kraft hat auch mit dieser Personalie alles richtig gemacht. Längst gilt der Erfolgsmensch als eine der charismatischsten Persönlichkeiten, die das Football-Business zu bieten hat. Er leite seinen Klub mit "großer Führungsqualität, der Hingabe eines Fans und mit einer Weltklasse-Organisation", sagte NFL-Commissioner Roger Goodell während seiner Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Mehr Lob als das des mächtigsten Mannes im American Football geht kaum. Kraft besitzt in der Szene einen untadeligen Ruf, 2011 wurde er als Vermittler im Tarifstreit zwischen den Spielern und den Klubs von allen Seiten als Stimme der Vernunft gerühmt.

Trump-Freunde auf Distanz

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US-Präsident Trump wird den Patriots am Sonntag wohl die Daumen drücken.

(Foto: imago/UPI Photo)

Kraft gilt zwar als Freund von Donald Trump, behält sich aber das Recht vor, eine eigene Meinung zu haben und die notfalls auch gegen den US-Präsidenten zu vertreten. So wie in der Kontroverse um Colin Kaepernick, der sich aus Protest gegen Rassismus in seinem Land weigerte, bei der Nationalhymne aufzustehen. Als Trump den Quaterback daraufhin mit beleidigenden Worten attackierte, ergriff Kraft die Partei des Spielers und maßregelte Trump für dessen unangemessene Diktion.

Mit Brady weiß der Klubbesitzer einen Bruder im Geiste an seiner Seite. Der Star, der sich gern mit dem Präsidenten beim Golfspielen ablichten ließ und stolz eine Kappe mit dem Trump-Bonmot "Make America great again" präsentierte, ging auf Distanz. Nach dem Gewinn des Super Bowl 2017 weigerte er sich, den obligatorischen Besuch im Weißen Haus anzutreten. Mittlerweile scheinen sich die Parteien wieder aufeinander zuzubewegen. Als Brady und Co. das Mega-Event in Atlanta erreicht hatten, übermittelte Trump via Twitter Glückwünsche. Beim Gegner Los Angeles Rams blieb der in den sozialen Netzwerken sonst so mitteilsame Politiker dagegen stumm.

Quelle: n-tv.de

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