Sport

Der Bundesliga-Check: Gladbach Plötzlich Spitzenteam

3f079c90c0f7c14b8da76063ef12ecb6.jpg

Saisonziel: "Da sein, wenn die Großen schwächeln"

(Foto: imago/Geisser)

Manager Max Eberl macht sich bei der Konkurrenz unbeliebt, der breite Kader riecht nach Ärger - und selbst ein Fußballgott muss sich neu beweisen. Borussia Mönchengladbach lernt den Alltag in der Ligaspitze kennen.

Die Borussia Verein für Leibesübungen 1900 Mönchengladbach GmbH ist ein Bundesliga-Spitzenklub. Ein Fakt, den man wohl nur angemessen würdigen kann, wenn man sich an die jüngere Vergangenheit der Fohlen erinnert: Vor etwas mehr als fünf Jahren humpelten die Fohlen noch in zwei knappen Relegationsspielen gegen den VfL Bochum zum Klassenerhalt - nun galoppieren sie aller Voraussicht nach zum zweiten Mal hintereinander in die Champions League. Die Frage ist nur: Holen diese Gladbacher in dieser Saison die Wachstumsschmerzen ein?     

Was gibt’s Neues?

1e87ba7cac0d4061993247c144e86526.jpg

Kader-Schmied Max Eberl

(Foto: imago/Ulmer)

Max Eberl muss sich neuerdings von Kollegen bepöbeln lassen. Per SMS. So hat der Manager der Borussia es neulich im Interview mit dem vereinseigenen Twitter-Kanal erzählt. "Es ist dann schon eine besondere Situation, wenn man mittlerweile per SMS von Sportdirektor-Kollegen auch ein Stück weit beleidigt wird, wenn man Spieler abwirbt. Das war für mich schon skurril und neu", sagte Eberl. Dabei ist es ja nicht so, dass die Fohlen über den Transfermarkt hinwegfegen wie Attila der Hunnenkönig über die ungarische Tiefebene. Einen Grund, böse zu sein, hätten eigentlich nur die Hoffenheimer, die Tobias Strobl ablösefrei ziehen lassen mussten. Werder Bremen bekam für Abwehrriese Jannik Vestergaard satte 12,5 Millionen Euro Schmerzensgeld, Weltmeister Christoph Kramer schied im gegenseitigen Einvernehmen und für 15 Millionen Euro aus Leverkusen. Dank der 45 Millionen Euro aus dem Transfer von Granit Xhaka zu Arsenal London kann Eberl den Kader sogar noch weiter verbessern - und sich vielleicht auch eine neue Telefonnummer zulegen.

Auf wen kommt es an?

"Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt." Diesen alten Hit von Marius Müller-Westernhagen soll Christoph Kramer zu seinem Einstand vor versammelter Mannschaft geträllert haben. Nach nur einer Saison in Leverkusen kehrt der 25-Jährige wieder zurück nach Gladbach, wo er zum Nationalspieler wurde – und zu Christoph Kramer "Fußballgott". In Leverkusen hatte er zwar 44 Spiele absolviert, wurde aber nie so richtig warm mit dem Reaktionsfußball von Roger Schmidt. Angeblich, so erzählte es Max Eberl, kam er nach dem direkten Duell mit der Borussia auf den Manager zu und sprach ihn auf einen Wechsel an. "Als klar war, dass ich nach Gladbach zurückgehe, habe ich das Grinsen kaum aus dem Gesicht gekriegt", erzählte Kramer. Der Ehrentitel "Fußballgott" haben die Fans allerdings erst einmal an Tony Jantschke weitergereicht. Kramer wird genügend Gelegenheiten bekommen, seinen Status zurückzuerobern, er soll in dieser Saison einer der Fixpunkte in einem Team sein, dass wegen der Dreifachbelastung breit besetzt ist. Trotzdem will Trainer André Schubert einen festen Stamm entwickeln und muss dann die hochkarätigen Bankdrücker bei Laune halten. Eine explosive Situation – Normalität, wenn man plötzlich zu einer Spitzenmannschaft heranwächst.  

Was fehlt?

Eine Ausbildung als Modedesigner für Yann Sommer. Der Schweizer, als Torwart über jeden Zweifel erhaben, hat sich für die neue Saison ein Trikot in Müllabfuhr-Orange gewünscht – und es bekommen. "Ich finde das schön", sagte Sommer, "ich mag diese grellen Farben". Ganz im Gegensatz zu den gegnerischen Stürmern: "Es gibt da angeblich Untersuchungen zu", sagte Sommer. "Wenn der Stürmer alleine auf dich zuläuft, dann sieht er im letzten Moment den Ball - und etwas, dass da im Tor leuchtet." Was ihm ruhig jemand hätte sagen können: Ein Gladbacher Torwart in oranje amüsiert die Fans des Erzrivalen aus Köln sicher prächtig - die verspotten die Borussia gern als "Bauern aus Ostholland".

Ansonsten fehlt natürlich Mario Gomez. Der 31-Jährige hat bei seiner denkwürdigen Antritts-PK in Wolfsburg zugegeben, dass er gern für einen deutschen Klub Champions League gespielt hätte, aber nicht mit der Perspektive, nur sechs Spiele zu absolvieren. Ob er damit die Borussia meinte, lässt sich nur vermuten. Klar ist: Einen Stoßstürmer, eine "echte Neun" wie Mario Gomez hat die Borussia nicht im Kader - nunja, außer Josip Drmic.

Wie lautet das Saisonziel?

Max Eberl ist ein Meister des Understatements: "Wir wollen einen einstelligen Platz erreichen und da sein, wenn die Großen schwächeln", ließ er via Twitter verlauten. Gladbach ein Spitzenteam? Das würde man aus seinem Mund wohl erst hören, wenn sie einen Titel gewonnen haben. Aber die Ansprüche sind natürlich gewachsen. "Wir haben gezeigt, dass wir kein One-Hit-Wonder sind. Die Zeiten sind vorbei, dass wir immer wieder ganz neu anfangen müssen." Diese Aussage kann man interpretieren als: Alles andere als ein Platz im internationalen Geschäft wäre ein Rückschritt. Wenn auch keine Katastrophe.

Die n-tv.de-Prognose

Was soll schon schiefgehen? Der Kader weist die nötige Breite auf, um die Dreifachbelastung auszuhalten. Einige der aufregenden Spieler wie Andreas Christensen und Mahmoud Dahoud stehen vor einem wichtigen Karriereschritt. Alles andere als ein Platz zwischen drei und sieben wäre eine Überraschung.

Quelle: ntv.de