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Häfner und Bitter sind raus Prokop setzt bei Handball-WM auf neun Europameister

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Hoch die Tassen: Christian Prokop.

(Foto: imago/Nordphoto)

Drei Wochen vor der Handball-WM streicht Christian Prokop weitere Spieler aus seinem Aufgebot. In seinem 18er-Kader verzichtet der Bundestrainer überraschend auf einen Europameister. Und von einem vielleicht zu sehr strapazierten Begriff aus der jüngeren Vergangenheit will er nichts wissen.

Mit neuer Identität und bescheiden wollen die deutschen Handballer die Weltmeisterschaft angehen. "Lassen Sie uns demütig bleiben", sagte Bundestrainer Christian Prokop bei der Präsentation seines verkleinerten Kaders drei Wochen vor dem WM-Auftakt am 10. Januar in Berlin gegen Korea. "Wir haben es in der Vergangenheit öfter erlebt, dass wir vorher zu viel Lob nach Erfolgen versprüht haben. Wir dürfen uns da wenig ablenken lassen."

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Die Erwartungshaltung vor dem Turnier in Deutschland und Dänemark vom 10. bis 27. Januar ist aber trotz des Hauptrunden-Aus' bei der EM vor knapp einem Jahr groß. "Ein Traum wäre es, ein Auswärtsspiel zum Schluss zu haben", sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Handballbunds. Das würde nämlich bedeuten, dass das deutsche Team zunächst das Halbfinale in Hamburg erreicht und anschließend im dänischen Herning um die Medaillen spielt. Für dieses Ziel verkleinerte Prokop sein Aufgebot vor dem Start in die WM-Vorbereitung am 28. Dezember beim Lehrgang in Barsinghausen von 28 auf 18 Spieler.

Dabei verzichtet er etwas überraschend auf Europameister Kai Häfner. "Er hat sich sehr gut zurückgekämpft, trotzdem sehen wir es nach langem Abwägen so, dass Franz Semper der Mannschaft in Summe etwas mehr gibt", sagte Prokop. Der frühere Weltmeister-Torhüter Johannes Bitter bleibt ebenfalls in der Reserve. Während der WM sind noch maximal drei Wechsel mit Spielern aus dem 28er-Kader möglich. Angeführt wird das vorläufige Aufgebot, das vor dem Start um weitere zwei Spieler verkleinert werden muss, von Kapitän Uwe Gensheimer, Keeper Andreas Wolff und anderen erfahrenen Akteuren wie Hendrik Pekeler.

"Keine vergleichbare Story"

Insgesamt sind neun Spieler aus dem Team dabei, das vor drei Jahren mit Trainer Dagur Sigurdsson den EM-Titel gewann. Auf die Frage, ob es für die WM analog zu dem damaligen Selbstbild der Bad Boys ein neues Leitmotiv geben solle, äußerte sich Prokop distanziert. "Wir werden diese Werte, die damit verbunden sind, weiter im Mannschaftskreis leben", sagte der frühere Leipziger Coach, der nach dem EM-Scheitern 2018 stark in der Kritik stand. "Aber wir werden diesen Begriff nach außen nicht mehr befeuern. Es ist Zeit dafür, eine neue Identität zu haben. Es wird keine vergleichbare Story mehr geben." Vor dem Start des WM-Feinschliffs steht für Prokop zumindest noch "ein bisschen Besinnlichkeit" an. An Heiligabend feiert er seinen 40. Geburtstag.

"Dieses Jahr ist es etwas Besonderes", sagte Prokop. "Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht ganz abschalten kann. Wenn so ein Highlight ansteht, ist man als Handballer immer schon einen Schritt dabei."Bei Prokop ist das Kribbeln schon "greifbar", und die Zuschauer ziehen mit. Für Berlin sind nach Angaben des DHB 93 Prozent der Tickets verkauft. In München, wo die Gruppe B ohne deutsche Beteiligung spielt, sind mehr als 70 Prozent der Karten vergeben. "Das ist in der Tat sensationell. Durch viele, viele Maßnahmen ist das beim Publikum sehr angekommen", sagte DHB-Vize Hanning zum bisherigen Zuspruch.

Quelle: ntv.de, Florian Lütticke und Nils Bastek, dpa