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"Sportswashing" in Saudi-Arabien Rallye Dakar - Wettrennen gegen die Vorwürfe

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Die Rallye Dakar findet mindestens fünf Jahre lang in Saudi-Arabien statt.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Die Rallye Dakar wird in diesem Jahr erstmals in Saudi-Arabien ausgetragen. Klar, Wüste hat das Königreich massig zu bieten. Nur mit den Menschenrechten nimmt es der Staat nicht so genau. Und so sehen Kritiker den Versuch, das angeschlagene Image reinwaschen zu wollen.

Im Schatten des kolossalen Jeddah Tower in Saudi-Arabien startet die Rallye Dakar in ein neues Zeitalter. Noch in diesem Jahr soll der Wolkenkratzer am Roten Meer fertiggestellt werden - und mit einer Höhe von mehr als einem Kilometer Rekorde brechen. Derzeit herrscht aber Baustopp - anders als bei der zweiten großen Baustelle des Wüstenstaates.

Unermüdlich versucht das weltweit heftig kritisierte Königreich, sein Image mit der Austragung bedeutender Sportevents reinzuwaschen. "Sportswashing" wird diese kostenintensive Strategie genannt, die auch in Katar oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten längst etabliert ist. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch finden diese Großveranstaltungen "in höchst kontrollierbaren Umgebungen" statt, um ein "fortschrittliches Gesicht" zu zeigen.

Im vergangenen Jahr drehte etwa die Formel E in Saudi-Arabien ihre Runden, der Schwergewichts-WM-Boxkampf zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz Jr. stieg in Riad, zuletzt spielte auch Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin gegen Lazio Rom im King Saud University Stadium um den italienischen Supercup. Und jetzt die Dakar.

2019 wurden 187 Menschen hingerichtet

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Kronprinz Mohammed bin Salman will das Land reformieren - in Teilen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für zumindest fünf Jahre zieht die härteste Wüstenrallye der Welt auf die arabische Halbinsel, laut Medienberichten sollen es sogar zehn werden. All diese Events dienen der "Vision 2030" des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der das konservative Land reformieren und wirtschaftlich breiter aufstellen will. Der Sport soll dabei internationale Touristen anlocken, seit September werden erstmals Touristen-Visa ausgestellt.

Das Königreich steht aufgrund massiver Verstöße gegen die Menschenrechte aber immer wieder in der Kritik. Human Rights Watch prangert etwa fehlende Frauenrechte, die eingeschränkte Meinungsfreiheit oder die widerrechtliche militärische Offensive im Jemen an. Zwar dürfen Frauen seit einem Jahr Auto fahren, Aktivistinnen würden aber weiterhin verhaftet werden. Zudem wurden 2019 in Saudi-Arabien laut offiziellen Angaben mindestens 187 Menschen hingerichtet, die höchste Zahl seit 24 Jahren. Auch die brutale Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi hatte weltweite Empörung ausgelöst.

"Wunsch zur Öffnung besteht"

Die Veranstalter der Rallye Dakar sind sich des Dilemmas bewusst. "Wir haben ein wenig überlegt", sagte Dakar-Chef David Castera der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Aber das Land hat uns viel zugesichert und wir wissen, dass der Wunsch zur Öffnung besteht."

Nach mehr als einem Jahrzehnt in Südamerika kehrt die Dakar damit wieder näher an ihren Ursprung zurück - bei ihrer ersten Ausgabe 1979 führte die Rallye von Paris quer durch Afrika zur Hauptstadt Senegals. Ab Sonntag geht es für die Fahrer in zwölf Tagen über fast 7900 Kilometer von der Hafenstadt Dschidda nach Qiddiyah, wo derzeit eine Unterhaltungs-Stadt im Rahmen eines Megaprojektes in der Nähe von Riad entsteht. Für den zweimaligen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien), Titelverteidiger und Topfavorit Nasser Al-Attiyah (Katar) oder Rekordsieger Stephane Peterhansel (Frankreich) steht bis dahin erstmal der Sport im Vordergrund.

Quelle: ntv.de, David Ryborz, sid