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Hochspannende NFL-Halbfinals Rams und Patrioten schwitzen in Overtime-Dramen

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Tom Bradys Präzision ist für die New England Patriots einmal mehr spielentscheidend.

(Foto: imago/UPI Photo)

Die Halbfinals der National Football League könnten spannender kaum sein. Den New England Patriots bringt gehirnchirurgische Präzision die entscheidenden Yards auf dem Weg in den Super Bowl. Die Los Angeles Rams stellen Vereinsrekorde des Gegners in den Schatten.

New Orleans Saints vs. Los Angeles Rams - 23:26 nach Verlängerung

Was ist passiert?

Die Saints lagen nach dem Auftaktviertel verdient 13:0 vorne. Die Rams wiederum erwischten einen schwachen Start. Ausgerechnet in dieser Partie gelangen ihnen in den ersten 15 Minuten nur 15 Yards Raumgewinn - so wenig wie noch nie in dieser Saison. Doch mit zunehmender Spieldauer kamen die Gäste besser in die Partie und waren zur Pause auf 13:10 dran.

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Die vielleicht spielentscheidende Ballberührung durch Rams-Verteidiger Dante Fowler (m.)

(Foto: imago/UPI Photo)

Die Entscheidung fiel, als Rams-Verteidiger Dante Fowler in der zweiten Minute der Verlängerung auf Drew Brees zustürmte, so dass der Saints-Quarterback im Rückwärtsfallen werfen musste. Aber sein Pass war nicht flach und scharf, sondern, da von Fowlers Hand noch leicht berührt, nur eine Bogenlampe, die Safety John Johnson fing und die Rams somit in Ballbesitz brachte. Den Gästen reichte anschließend ein Field Goal zum Sieg. Rams-Kicker Greg Zuerlein setzte den Schlusspunkt. Aus 57 Yard Entfernung traf er zur einzigen, aber siegbringenden Rams-Führung.

Was war der Knackpunkt des Spiels?

Playoffs in der NFL

Super Bowl

Montag, 4. Februar in Atlanta

Los Angeles Rams - New England Patriots

 

Halbfinale

Sonntag, 20 Januar

New Orleans Saints - Los Angeles Rams 23:26

Montag, 21. Januar

Kansas City Chiefs - New England Patriots 31:37

 

Viertelfinale

Samstag, 12. Januar, 22.35 Uhr
Kansas City Chiefs - Indianapolis Colts 31:13

Sonntag, 13. Januar, 02:15 Uhr
Los Angeles Rams - Dallas Cowboys 30:22

Sonntag, 13. Januar, 19:05 Uhr

New England Patriots - Los Angeles Chargers 41:28

Sonntag, 13. Januar, 22:40 Uhr

New Orleans Saints - Philadelphia Eagles 20:14

Als beim Stand von 20:20 die vorletzte Spielminute begann, visierte Brees Tommylee Lewis an. Der Wide Receiver konnte den eigentlich fangbaren Ball jedoch nicht fangen, weil er von Nickell Robey-Coleman schlichtweg umgerannt wurde. Der Cornerback der Rams hatte gar keine Intention, den Ball abzufangen, er hatte nicht einmal Richtung Ball geschaut. Seine Augen waren nur auf Lee gerichtet und den rammte er ihn einfach weg.

Die Schiedsrichter entschieden trotzdem auf Weiterspielen. "Da war der Football-Gott auf unserer Seite", meinte Robey-Coleman. Hätten die Unparteiischen seine Aktion mit einer Pass-Interference bestraft, hätte New Orleans an der Stelle des Fouls - acht Yards vor der Rams-Endzone - ein neues First Down bekommen und so große Chancen auf einen Touchdown und eine 27:20-Führung gehabt. Da das Vergehen aber nicht geahndet wurde, mussten sich die Saints mit einem Field Goal zum 23:20 begnügen. Dadurch wiederum reichte den Rams im Gegenzug ein Field Goal, um die Verlängerung zu erzwingen.

Was fiel auf?

Auf Seiten der Gastgeber war ausgerechnet von Michael Thomas wenig zu sehen. Der Wide Receiver, der in dieser Saison mit 125 gefangenen Pässen und 1405 Yards Raumgewinn zwei Vereinsrekorde aufstellte, wurde von der Rams-Verteidigung nahezu komplett aus dem Spiel genommen. Quarterback Drew Brees passte sieben Mal auf Thomas, dieser fing vier Würfe und trug den Football über 36 Yards. Die ganz großen Aktionen, für die er ansonsten regelmäßig sorgt, blieben diesmal aus.

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Die Rams stellen Michael Thomas kalt.

(Foto: imago/UPI Photo)

Bei den Rams stand Todd Gurley erstaunlicherweise mehr an der Seitenlinie als auf dem Platz. Der Runningback hatte in der Vorrunde 17 Touchdowns erzielt, war in der Vorsaison zum "Offensivspieler des Jahres" gewählt worden. Doch in New Orleans bekam er nur viermal den Ball. Seine erlaufenen zehn Yards Raumgewinn sind für einen Mann seiner Klasse schlichtweg lächerlich. "Ich war heute einfach schlecht", so Gurley.

Gewinnt L.A. nun den Super Bowl?

Die Rams dürften als leichter Außenseiter gelten. Das liegt weniger an ihnen als am Gegner. Während die Rams erstmals seit 2002 wieder im Endspiel stehen, ist es für die Patriots das neunte Finale in den vergangenen 18 Jahren. Das Scheinwerferlicht wird für den erst 32-jährigen Rams-Coach Sean McVay und seinen 24 Jahre jungen Quarterback Jared Goff also so grell sein wie noch nie. Ein Sieg wäre womöglich die Wachablösung. Patriots-Trainer Bill Belichick ist 66, Quarterback Tom Brady 41. Beide haben bereits fünfmal den Super Bowl gewonnen. Den ersten Titel holten sie 2002 - mit einem 20:17-Sieg gegen, nah? Genau. Die Rams.

Kansas City Chiefs vs. New England Patriots - 31:37 nach Verlängerung

Was ist passiert?

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Patrick Mahomes treibt die beste Offensive der Liga zurück in die Spur.

(Foto: imago/UPI Photo)

New England dominierte die erste Halbzeit, führte 0:14 und hätte sogar noch deutlicher vorne liegen müssen. Im zweiten Durchgang aber fand die Chiefs-Offensive - die beste der Liga - unter dem lautstarken Jubel der Fans ihren Rhythmus. Angetrieben vom erst 23 Jahre jungen Spielmacher Patrick Mahomes waren die Gastgeber nun ebenbürtig.

Als noch 2:03 Minuten zu spielen waren, sorgte Runningback Damien Williams für die 28:24-Führung der Gastgeber. Anschließend brauchten die Patriots nur 84 Sekunden, um den Spielstand durch einen Touchdown von Runningback Rex Burkhead zu drehen (28:31). Es waren noch 39 Sekunden auf der Spieluhr, als Mahomes sein Team eindrucksvoll so weit über das Feld führte, dass Kicker Harrison Butker per Field Goal zum 31:31 ausgleichen konnte und die Partie somit in der Verlängerung entschieden werden musste.

In der extra Schicht gewinnt das Team, das den ersten Touchdown erzielt. Und dies waren die Patriots. Anders gesagt, die Chiefs hatten gar keine Chance, in Ballbesitz zum kommen. Denn Brady arbeitete mit der Präzision eines Gehirnchirurgen. Dreimal nacheinander musste er beim Third Down jeweils zehn Yards überwinden - und schaffte dies mit millimetergenauen Pässen. Für die letzten Yards sorgte schließlich Burkhead mit einem Touchdown-Lauf in die Chiefs-Endzone.

Was war gut?

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"Gerannt wie verrückt": Patriots-Runningback Sony Michel.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die Patriots-Runningbacks Sony Michel und Rex Burkhead waren im wichtigsten Spiel der bisherigen Saison die stillen Helden für New England. Beide erzielten jeweils zwei Touchdowns. "Sony und Rex sind gerannt, wie verrückt", lobte Brady.

Für Kansas City-Quarterback Mahomes hat es nicht ganz zum Einzug in den Super Bowl gereicht. Doch der Jungstar hat in seinem ersten ganz großen Spiel seiner noch jungen Karriere Nervenstärke gezeigt. Nach einer bescheidenen ersten Halbzeit warf er im zweiten Durchgang drei Touchdown-Pässe. Und er dürfte künftig noch mehrere Chancen bekommen, um das Finalticket zu spielen.

Gewinnt New England jetzt den Super Bowl?

"Wir brauchen im Finale eine noch bessere Leistung", mahnte Brady bereits. Die Patriots stehen zum dritten Mal nacheinander im Super Bowl, Brady wird am 3. Februar in Atlanta zum neunten Mal im Finale dabei sein. Somit hat er mehr Super Bowl-Teilnahmen als jeder andere NFL-Klub. In Sachen Erfahrung sind Brady, Belichick und Co. den Rams klar voraus. Doch sie sind auch gewarnt. Denn im Vorjahr galten sie - aufgrund ihrer Endspiel-Erfahrung - gegen die Philadelphia Eagles auch als Favoriten, verloren aber mit 33:41.

Quelle: ntv.de