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Nowitzki inspiriert Teenager Rentner Dirk gibt Basketball-Traum weiter

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Dirk Nowitzki genießt jetzt seine Basketball-Rente.

(Foto: dpa)

Basketball-Rentner Dirk Nowitzki motiviert die nächste Spieler-Generation. Als Teenager denkt er selbst, er "wäre nicht gut genug", schuftet dann aber so hart, dass er sich seinen Traum von der NBA verwirklicht. Seine Werte verstehen die Kids trotz altersbedingten Nowitzki-Lücken.

Das Dribbeln der Bälle stoppt abrupt. Das Quietschen der Sneaker und die Schreie von etwa 40 Halbwüchsigen verstummen, als der 2,13 Meter große Blonde in die verschwitzte Halle watschelt. Basketball-Rentner Dirk Nowitzki, braungebrannt, urlaubsentspannt und in lockerer Basketball-Shorts gekleidet, läuft nach 21 NBA-Saisons zwar unrunder als jeder Basketballanfänger. Aber sobald er beginnt, seinen Erfahrungsschatz zu teilen und von seinem persönlichen Weg an die Spitze zu erzählen, machen die Kids große Augen.

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Nowitzkis Ausrüster Nike feiert in Berlin die symbolische Staffelstabübergabe des Weltstars an junge Spieler. Die, die es irgendwann auch einmal nach oben schaffen wollen. Unter dem Motto "Alle Träume sind verrückt, bis du sie verwirklichst" soll die Motivation und die Inspiration des Ex-Fowards der Dallas Mavericks an die nächsten Generationen weitergegeben werden, die ihre Träume noch vor sich haben. Viele der Kids kennen Nowitzki nur auf den letzten Metern seiner Welt-Karriere. Nach dem NBA-Titel 2011, nach dem EM-Silber 2005, und nach dem Fahneneinlauf bei den Olympischen Spielen 2008. Ein Vorbild ist er für sie alle trotzdem.

"Ich dachte, ich wäre nicht gut genug"

Kaum auf dem Parkett wird Nowitzki als einer "der Größten, die jemals Basketball gespielt haben" vorgestellt - und immer noch ist solch ein Lob dem Weltstar sichtlich unangenehm. Leicht verlegen kratzt er sich am Kopf. Die 11- bis 18-Jährigen haben gerade eine Stunde trainiert und dürfen sich setzen. Nowitzki nimmt nach grinsendem Protest auch auf dem Hallenboden Platz, ein wackliges Unterfangen für den geschundenen Rentner-Riesen. Dann erzählt er von seiner Sport-Familie und dass er als Kind ein "riesiger NBA-Fan" war und alles an Basketball im Fernsehen geschaut hat, was es zu schauen gab. "Irgendwann kam der Profi-Traum auf und mit 15 ging ich das Ganze etwas professioneller an", sagt der Ex-MVP. "Der Rest ist harte Arbeit." Das habe nie aufgehört, denn er habe immer versucht, etwas dazuzulernen, "um ein besserer Allroundspieler zu werden".

Damit Träume wahr werden, muss man arbeiten. Diese Quintessenz versucht der gebürtige Würzburger den Heranwachsenden generationsübergreifend mitzugeben. Eine riesige Graffiti-Wand mit den Wünschen der Teenager ziert die Basketball-Halle. "Ein vertrauenswürdiger Point-Guard und Leader werden", steht da. Oder: "Zum Kader der U13 Nationalmannschaft gehören." Er selbst sei in dem Alter eher negativ eingestellt gewesen, gibt Nowitzki zu: "Ich dachte, ich wäre nicht gut genug." Aber mit dem richtigen Plan, der richtigen Einstellung und der nötigen Portion Glück, habe er seinen Traum verwirklichen können.

"Taktik war nie mein Ding"

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Auf Augenhöhe.

(Foto: Yasmine Tarcha)

Von nichts kommt nichts, das betonen auch die ebenfalls anwesenden NBA-Spieler Dennis Schröder und Moritz Wagner. "Ich habe jeden Tag geschuftet", sagt Schröder, der seit 2013 in der NBA aufläuft. Auch für ihn ist Nowitzki immer ein Vorbild gewesen. Der Braunschweiger erzählt, wie der Dallas-Star ihm "in der Nationalmannschaft jeden Tag geholfen" hat. Auch bei Schröders Ankunft in den USA hatte er immer ein offenes Ohr: "Dirk hat mir gesagt, dass ich ihn jederzeit anrufen kann." Für den Point Guard ist er "einfach der beste Typ der ganzen NBA".

Nowitzki, der in der US-amerikanischen Profiliga alle Höhen und Tiefen durchgemacht hat, erlebt nun seinen ersten Rentner-Sommer. Seine letzte Woche in der NBA sei "sehr hart und emotional" gewesen, so der sechstbeste Punktesammler aller Zeiten: "Das Ende tat schon weh." Jetzt ist alles anders. Keine Vorbereitung, kein Trainingscamp. "Normalerweise müsste ich jetzt schon wieder trainieren, aber das hab ich seit meinem Karriereende kein einziges Mal gemacht", lacht der Ex-Champion. "Es ist schon ein bisschen komisch, aber richtig heftig wird es, wenn die NBA wieder losgeht." Momentan genieße er einfach die Zeit mit seinen zwei Kindern und freue sich "disziplinlos" zu sein. Aber: Dem Basketball wolle er erhalten bleiben, wahrscheinlich bei den Dallas Mavericks. "Aber Trainer will ich eher nicht werden, Taktik war nie so mein Ding." Nowitzki, der das Rampenlicht noch nie geliebt hat, sieht sich eher hinter den Kulissen.

Nowitzki übergibt Träume

Dann will einer der ganz jungen Spieler wissen, warum die Mavs mit Nowitzki denn nicht zu den stärksten Teams in der NBA zählten, wenn er doch so gut war - und hat die Lacher auf seiner Seite. Der 153-fache Nationalspieler feixt und antwortet diplomatisch, dass man in den vergangenen drei Jahren nicht mehr ganz vorne mitspielen konnte, aber "früher waren wir schon ganz gut". Auch wenn die kommenden Generationen an Basketballern die große Karriere des besten europäischen Spielers aller Zeiten bei YouTube nachgucken müssen, sie verehren Nowitzki trotzdem.

"Er war immer ein totales Vorbild, auch wenn ich 2000 geboren wurde", sagt einer, der es als nächstes in die Regionalliga schaffen will. Nowitzki überreicht ihm seinen vorher aufgeschrieben Wunsch auf einem personalisierten Mauerstück aus der Graffiti-Wand. Nach dem Treffen mit seinem Basketball-Idol glaubt er nun stärker an seinem Traum vom Profidasein. "Aber man muss auch realistisch bleiben und immer hart arbeiten." Nowitzkis Werte leben weiter.

Quelle: n-tv.de

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