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Historisch schlecht und RekordSeattles dunkle Seite verprügelt fassungslose Patriots im Super Bowl

09.02.2026, 06:00 Uhr
imageVon David Bedürftig, Santa Clara
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Was bitte war denn das? Die New England Patriots spielen historisch schlecht auf beim Super Bowl, dazu liefert die unglaubliche Dark-Side-Defensive der Seattle Seahawks eine Abwehrleistung "für die Geschichtsbücher". Dazu gesellen sich ein Rekord und ein Märchen.

Am Anfang des vierten Viertels dürfen die 68.500 Fans im ausverkauften Levi's Stadium in Santa Clara, Kalifornien endlich das erste Big Play des Spiels bestaunen. Den wichtigsten Spielzug des ganzen Abends. Und natürlich gehört er der Defensive der Seattle Seahawks, die Drake Maye, dem Quarterback der New England Patriots, den Ball aus den Händen schlägt.

Seattle erobert damit das Ei tief in der Hälfte von New England und endlich - nach etlichen Versuchen, die kurz vor der Vollendung verpuffen - gelingt der erste Touchdown. Es steht 19:0, mit noch gut 13 Minuten zu spielen im letzten Abschnitt. Wenig später gewinnen die Seahawks den zweiten Super Bowl ihrer Vereinsgeschichte hochverdient mit 29:13. Vor allem dank einer der besten Defensivleistungen in der Historie des NFL-Endspiels.

Auch wenn sich das Ergebnis am Ende etwas anders liest: Das hier ist eine Demontage. Seattle verpasst New England eine defensive Abreibung, wie es sie in einem Super Bowl selten gegeben hat. Denn bis kurz vor Schluss bekommen die Patriots offensiv wirklich überhaupt nichts auf den Rasen. Finstere Mienen bei den Fans, die unter Quarterback-Legende Tom Brady einst so erfolgsverwöhnt waren.

"Wird in die Geschichtsbücher eingehen"

Finster ist das Stichwort. Denn für dieses Patriots-Desaster ist allein die "Dark Side" verantwortlich. So nennt sich die Abwehr der Seahawks (angelehnt an die vielen dunklen, regnerischen Tage in Seattle). Diese dunkle Seite ist tatsächlich so mächtig wie in den Star-Wars-Filmen. Das macht sie von der ersten Sekunde an deutlich - und am Ende bringt sie Maye ganze sechsmal mit einem Sack zu Boden. Ein neuer Rekord für die meisten Sacks, die ein Quarterback der New England Patriots in einem Super Bowl jemals erleiden musste.

Seahawks-Coach Mike Macdonald sprudelt bei der Siegerehrung förmlich über vor Lob. "Sie haben einfach beschlossen, auf eine bestimmte Art und Weise zu spielen. Heute haben sie der Dark Side - der dunklen Seite - alle Ehre gemacht. Das wird in die Geschichtsbücher eingehen." Dank der Defensive "haben wir das Spiel gewonnen", schließt der Cheftrainer das Interview auf dem Rasen ab.

Patriots-Quarterback Maye kann gar nicht so schnell gucken, werfen, oder laufen, wie er in diesem Super Bowl immer und immer wieder zu Boden gerissen wird. Von dieser verflixten dunklen Macht. Aggressiv und athletisch stürmen bei jedem Spielzug mehrere Dampflokomotiven auf ihn zu. Oftmals kracht es.

Walker läuft weiter als alle Patriots

Im vierten Viertel, die Patriots spielen offensiv weiterhin grottenschlecht, sagt eine Statistik alles: New England hat zu diesem Zeitpunkt mehr Punts (8) als erfolgreiche Pässe (7). Denn immer wieder machen Seattles Derick Hall und Co. den Angreifern einen Strich durch die Rechnung. Fast immer ist nach nur drei kläglichen Versuchen Schluss für das Team aus New England, das schon sechs NFL-Endspiele in seiner Geschichte hat gewinnen können.

Nicht an diesem Abend. Die Blamage steht eigentlich schon zur Halbzeit fest, denn die Patriots liegen nach drei Field Goals von Seattle 0:9 hinten und haben nach einem Rückstand zur Pause noch keinen Super Bowl für sich entscheiden können. Außerdem merkt jeder im Stadion: Die Seahawks müssten eindeutig höher führen. Es scheint, als würde Seattle viele Spielzüge und Punkte auf dem Feld liegen lassen, während die Patriots noch nicht einmal eine Bedrohung darstellen und gerade einmal vier First Downs erkämpft haben.

Eine weitere Statistik, die eigentlich alles besagt: Seattles Runningback Kenneth Walker III hat zur Pause mit seinen 98 erlaufenen Yards fast doppelt so viele in der Statistik wie das gesamte Team der Pats mit Wurf und Lauf zusammen (51).

Das unglaubliche Kraftpaket Walker (96 Kilogramm pure Muskelmasse bei 178 Zentimetern) ist neben der Abwehr der zweite Sieggarant für die Seahawks. Immer wieder tankt er sich in der Mitte oder an der Außenlinie unglaublich stark durch und durchbricht ein ums andere Mal gleich mehrere Tackles. Am Ende hat er 135 Yars erlaufen (alle Patriots zusammen laufen lediglich für 79 Yards) - und wird zum MVP, zum wertvollsten Spieler des Spiels, gewählt.

Dark Side sorgt für tiefste Nacht bei Patriots

Aufgrund der Dark Side ist New England auch anschließend historisch schlecht: Die Patriots sind das erste Team seit den Vikings im Super Bowl VIII (Saison 1973), das in den ersten drei Vierteln eines Super Bowls keinen Punkt erzielt.

Die Pats-Fans werden hier minütlich leiser. Die Anhänger aus Boston sind ligaweit als selbstbewusst und manchmal rüpelhaft bekannt. Aber was anfangs ein Haareraufen ist, verwandelt sich schnell in ungläubiges Kopfschütteln und immer längere Gesichter. Die dunkle Seite der Macht hat wieder zugeschlagen. Hier dringt kein einziger Lichtstrahl durch für die Pats. Für sie herrscht tiefste Nacht, selbst als die Sonne in Kalifornien noch nicht einmal vollständig untergegangen ist.

Doch im vierten Viertel, direkt nach dem ersten Touchdown von Seattle, ist plötzlich doch noch einmal Feuer in der Partie. Aus dem tiefsten Nichts, als die Super-Bowl-Ringe für die Seahawks quasi schon in der Mache sind, gelingt den Patriots urplötzlich der Anschluss zum 7:19. Maye wirft eine 25-Yards-Rakete auf Mack Hollins und tatsächlich haben die Fans kurz das Gefühl, hier kommt ihre Offensive gerade rechtzeitig in Fahrt und es könnte ein großes Comeback geben. Schließlich sind noch gut zwölf Minuten zu spielen.

Darnold schreibt sein persönliches Märchen

Aber dann wird Maye zu gierig und bricht seinem Team mit einem katastrophalen Fehlpass das Genick. Direkt die Interception, krasser Fehlwurf genau in der Mitte des Feldes. Seattles Safety Julian Love fängt das Ei ab und New Englands Schwung ist direkt wieder weg. Der 23-jährige Maye, immerhin Zweitplatzierter bei der MVP-Wahl in dieser Saison, wirkt an diesem Abend wie ein junger Quarterback, der doch noch einiges lernen muss.

Mit noch viereinhalb Minuten auf der Uhr schlägt diese unglaubliche Seattle-Defensive Maye den Ball erneut aus den Händen. Diesmal ist es Devon Witherspoon, Uchenna Nwosu schnappt sich das Ei und läuft 44 Yards zum Touchdown, es steht 29:7. Zu diesem Zeitpunkt verlassen die Fans der Patriots das Stadion bereits in Scharen. Maye kann zwar in der sogenannten Garbage-Zeit, wenn es um nichts mehr geht, einen weiteren Touchdown nachlegen, aber das interessiert niemanden mehr.

Auf der anderen Seite erfüllt sich Journey-Man Sam Darnold seinen großen Traum. Er spielt auch nicht das perfekte Spiel, aber entkommt immer wieder clever dem Druck der ebenfalls starken Patriots-Defensive und hat nun den Super-Bowl-Ring, den ihm etliche Experten niemals zugetraut hatten. In seinen acht Jahren in der NFL hat er in fünf Mannschaften gespielt und dabei bisher eher mittelmäßigen Erfolg gehabt. Nun konnte er es allen Zweiflern zeigen.

Myers sorgt für Super-Bowl-Rekord

Der Sieg sei "sehr besonders", sagt ein erleichterter Darnold bei der Siegerehrung und bleibt ganz cool: "Wir haben einfach gute Arbeit gemacht." Bei NBC fügt der Quarterback hinzu: "Es ist unglaublich. Alles, was in meiner Karriere passiert ist. Aber diesen Sieg jetzt mit diesem Team zu erreichen, ich würde es nicht anders wollen. Ich bin so stolz auf unsere Jungs - ich kann gar nicht genug Gutes über unsere Verteidigung, unsere Spezialteams sagen."

Apropos gute Arbeit: Jason Myers, der Kicker der Seahawks, stellt an diesem Abend in Kalifornien einen NFL-Rekord auf. Mit insgesamt fünf erzielten Field Goals hält Myers nun die Bestmarke für die meisten Field Goals in der Geschichte des Super Bowls.

Der Sieg gehört aber der Dark Side. Der dunklen Seite der Macht, die die Offensive der Pats im Keim erstickt. Und die zu den besten Defensiven gehört, die ein Super Bowl jemals gesehen hat.

Quelle: ntv.de

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