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Suton stößt zu Handballern hinzu Strobels Abschied dämpft Euphorie im DHB-Team

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Wegen eines Kreuz- und Innenbandrisses ist der WM-Traum des deutschen Handballers Martin Strobel beendet.

imago/Laci Perenyi

Bei den deutschen Handballern gehört Martin Strobel zu den Leistungsträgern. Doch im WM-Spiel gegen Kroatien verletzt sich der Rückraumspieler schwer. Seine Teamkollegen wollen nun "für ihn den Titel holen " - mit einem jungen Ersatzmann.

Martin Strobel reckte den Daumen in die Höhe. Doch das Lächeln wirkte gequält, als der Spielmacher in den frühen Morgenstunden das Teamhotel der deutschen Handballer verließ. Kreuzband-OP statt WM-Halbfinale - während in Deutschland endgültig die Handball-Euphorie ausbrach, endete Strobels WM-Märchen auf tragische Art und Weise.

Kurz vor seiner Abreise hatte sich Strobel beim nächtlichen Bankett mit einer emotionalen Rede verabschiedet. Nicht bloß seinen Mitspielern standen die Tränen in den Augen. "Das war für mich einer der bewegendsten Momente, die ich im Sport erlebt habe", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Auch Bundestrainer Christian Prokop war tief beeindruckt von Strobels "starkem Zeichen". Er habe sich "trotz der schlimmen Diagnose vor die Truppe gestellt und sich für die geile Zeit bedankt. Das ist absolute Größe in diesem schweren Moment." Prokop, sichtlich mitgenommen von der schweren Verletzung seines Spielgestalters, versprach: "Wir wollen für ihn fighten und spielen jetzt auch für ihn."

"Es war ganz schlimm"

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Schon von der Halbfinal-Sause am späten Montagabend mit fast 20.000 euphorisierten Fans in der Kölnarena hatte Strobel nichts mehr mitbekommen. Beim Abpfiff der Partie gegen Kroatien (22:21) lag der Europameister von 2016 längst im sieben Kilometer entfernten Krankenhaus Merheim in der Röhre. Schnell wich die böse Vorahnung der traurigen Gewissheit: Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie. Turnier-Aus.

"Ich glaube an diese Mannschaft und wünsche den Jungs für das weitere Turnier, dass sie ihren Weg gehen", ließ Strobel via Verbandsmitteilung ausrichten, bevor er das deutsche Team-Quartier am Rhein verließ. "Martin hat die Nationalmannschaft mit großem Einsatz auf den Weg gebracht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar", sagte Prokop.

Strobels zuvor märchenhaftes Turnier endete nach wenigen Minuten des Kroatien-Spiels abrupt. Der 32-Jährige ging wie gewohnt mit voller Wucht in einen Zweikampf, setzte zum Wackler an - und verdrehte sich dabei das linke Knie. In der Halle war es plötzlich mucksmäuschenstill, Prokop schlug an der Seitenlinie die Hände vors Gesicht. "Es war ganz schlimm, als man ihn auf die Trage gehoben hat, weil er vor Schmerzen geschrien hat", sagte der Bundestrainer.

Team ist geschockt

Für das deutsche Team ist der Ausfall Strobels besonders bitter. Der Rückraumspieler vom Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten, der erst im Herbst von Prokop für die Nationalmannschaft reaktiviert worden war, gehörte im bisherigen Turnierverlauf zu den Leistungsträgern. Er galt im Angriffsspiel als verlängerter Arm des Bundestrainers und setzte seine Mitspieler in Szene. Im Vorrundenspiel gegen Frankreich glänzte der verlässliche Zuarbeiter sogar als bester Torschütze.

Strobels Teamkollegen wie Abwehr-Stratege Hendrik Pekeler oder Rechtsaußen Patrick Groetzki sprachen von einem "Riesenschock", der schwer zu verdauen sei. Und Torhüter Andreas Wolff meinte treffend: "Wir verlieren nicht nur einen hervorragenden Spielmacher, sondern einen hervorragenden Menschen. Ich hoffe, dass wir für ihn den Titel holen können."

Junger Suton soll Strobels Lücke schließen

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Für den verletzten Strobel hat Prokop den 22-jährigen Tim Suton nachnominiert. Der Rückraumspieler vom TBV Lemgo wird bereits im abschließenden Hauptrundenspiel gegen Europameister Spanien am Mittwoch (ab 20.30 Uhr bei ARD und im Liveticker auf n-tv.de) auflaufen, wie Prokop bekannt gab.

"Tim hat bei den Lehrgängen zum Jahresende und zu Jahresbeginn einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, was Spielstrategie und Abwehrverhalten angeht", begründete Prokop seine Entscheidung. Der Coach hob Sutons "Art, in der Mannschaft sich unterzuordnen, aber in Momenten auch Verantwortung zu übernehmen", hervor. "Er hat trotz seines jungen Alters einen guten Mix, weswegen er von allen wertgeschätzt wird. Deswegen war die Überlegung eine ganz kurze. Wir sind davon überzeugt, dass er uns weiterhilft."

Die WM ist für Suton die Turnier-Premiere. In bislang acht Länderspielen erzielte er zwölf Tore. Wenige Tage vor der WM war Suton noch aus dem Kader gestrichen worden, als das Team von 18 auf 16 Spieler verkleinert werden musste.

Quelle: n-tv.de, Christoph Stukenbrock und Angela Bern, dsid

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