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Mega-Etappe, Favoriten, Dänemark Tour-Fahrer zittern vor Corona und "gefährlicher" Woche

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Der Topfavorit: Tadej Pogacar .

(Foto: imago images/Panoramic International)

Hoch im Norden startet die 109. Tour de France erstmals in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Kurz vor dem Auftakt am Freitag begleiten Corona-Sorgen die Fahrer, die Sommerwelle macht dem Radsport schwer zu schaffen. Sportlich läuft es auf ein Duell der beiden slowenischen Stars Tadej Pogacar und Primoz Roglic hinaus. Für die deutschen Fahrer geht es wohl nur um Tageserfolge.

Wo startet die Tour de France? Erstmals startet die Rundfahrt in Kopenhagen. Eigentlich sollte der Grand Départ bereits im vergangenen Jahr in der dänischen Hauptstadt stattfinden. Durch die Verschiebung der Fußball-EM auf 2021 mit dem Spielort Kopenhagen musste die Tour aber weichen. Es ist bereits der 24. Auslandsstart der Grand Boucle.

Warum beginnt das Rennen bereits am Freitag? Damit es der ganze Tross rechtzeitig zur vierten Etappe von Dänemark nach Frankreich schafft, wurde ein zusätzlicher Ruhetag am Montag eingebaut. Insgesamt pausiert die Tour dieses Mal an drei Tagen.

Droht der Tour ein Corona-Chaos? Gut möglich. Bei der einwöchigen Tour de Suisse mussten zuletzt im Zuge der Corona-Welle mehr als 40 Fahrer vorzeitig aussteigen. Zahlreiche Fahrer wurden zuletzt positiv getestet, darunter auch der dreimalige Weltmeister Peter Sagan und Maximilian Schachmann, der noch um seine Tour-Teilnahme bangen muss. "Es ist nochmal ein Zittern, bis das Ergebnis kommt. Man merkt nicht einmal was, und auf einmal ist man positiv und mit einem Schlag ist die Vorbereitung seit den Klassikern für die Katz'", sagte Cofidis-Profi Simon Geschke am Sonntag nach seinem dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften im Sauerland. "Es gibt natürlich immer Schlimmeres, aber es wäre definitiv eine herbe Enttäuschung."

Wie sieht das Corona-Maßnahmenpaket bei der Tour aus? Bei den Ausgaben 2020 und 2021 hatte sich der Tour-Tross strikt isoliert und in einer eigenen Blase bewegt. Das Konzept funktionierte, es gab keinen Positiv-Fall. Seit dieser Saison hat der Weltverband UCI die Regeln wieder gelockert. Geplant war bislang, dass alle Fahrer einen negativen Test vor dem Start vorweisen müssen und dann an den Ruhetagen erneut getestet werden. Angesichts der jüngsten Entwicklungen könnte die Tour-Organisation aber die Maßnahmen wieder verschärfen.

Ist wieder mit dramatischen Stürzen zu rechnen? Bei der Tour de France geht es immer hektisch zu. Ein Etappensieg kann für einen Fahrer, ein Team die ganze Saison retten. Entsprechend drohen gerade bei den Sprintankünften wieder Massenstürze. Gleich auf der zweiten und dritten Etappe in Dänemark dürfen die Sprinter auf Massenankünfte hoffen.

Die beiden deutschen Radprofis Max Walscheid und Simon Geschke haben sich schon kritisch zur Streckenplanung der ersten Woche der 109. Tour de France geäußert. "Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kein Problem habe zu sagen, dass das einem auch Angst macht", sagte Walscheid in einem Video ("Deine Tour") der ARD-Sportschau. "Auf die erste Woche freue ich mich überhaupt nicht. Was ich wirklich bemängele ist: Die Organisation weiß, dass die erste Woche supernervös ist und die Fahrer wirklich um jeden Zentimeter kämpfen", sagte Walscheids Teamkollege Geschke vom Cofidis-Rennstall. "Es wird ja schon gehofft, dass es ein Spektakel wird. Aber es wird definitiv Risiko in Kauf genommen und macht es für uns supergefährlich. Die Tour de France ist halt kein Actionfilm", ergänzte der Tour-Etappensieger des Jahres 2015.

Im vergangenen Jahr hatte es zu Beginn reihenweise Stürze gegeben. Dabei hatte es auch Mitfavorit Primoz Roglic erwischt, der später aufgeben musste. Aber auch auf den Abfahrten riskieren die Fahrer mehr. Wer will schon die Tour bergab verlieren? Dazu drohen immer wieder Gefahren durch die Zuschauermassen. 2021 wurde der deutsche Routinier Tony Martin durch ein Pappschild vom Rad gerissen.

Wer sind die Favoriten auf den Tour-de-France-Sieg? Topfavorit ist wieder Vorjahressieger Tadej Pogacar. Der 23-Jährige, der die letzten beiden Auflagen gewann, präsentierte sich zuletzt bei seiner Generalprobe in gewohnt starker Form, als er die Slowenien-Rundfahrt gewann. Sein größter Herausforderer dürfte Landsmann Primoz Roglic sein, dem er 2020 beim hochdramatischen Zeitfahren am vorletzten Tag in La Super Planche des Belles Filles das Gelbe Trikot entrissen hatte. Roglic zeigte sich mit dem Sieg bei der Dauphiné-Rundfahrt zuletzt gut vorbereitet. Eine gute Rolle könnte auch der Waliser Geraint Thomas spielen. Der Sieger von 2018, der allerdings schon 36 Jahre alt ist, gewann vor gut einer Woche die Tour de Suisse.

Was ist von den deutschen Fahrern zu erwarten? Einen Mann für die Gesamtwertung gibt es nicht. Der Giro-Siebte Emanuel Buchmann, der 2019 sogar Gesamtvierter bei der Tour war, ist nicht dabei und soll im Herbst wieder angreifen. Lennard Kämna wird dagegen wohl starten, der deutsche Zeitfahrmeister hatte zuletzt schon mit dem Etappensieg beim Giro überzeugt. In starker Form ist Nils Politt, der im Trikot des deutschen Meisters anreist. Der Kölner hatte schon im Vorjahr eine Etappe gewonnen. Klassikerspezialist John Degenkolb darf sich auf der Kopfsteinpflaster-Etappe nach Arenberg Hoffnungen machen. Ein Fragezeichen steht noch hinter Maximilian Schachmann nach dessen positivem Corona-Test.

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Was sind die Höhepunkte der 109. Tour de France? Das große Highlight ist die zwölfte Etappe, wenn es ins Radsport-Mekka nach Alpe d'Huez hinaufgeht. Mit 4750 Höhenmetern über den Col du Galibier, den Col de la Croix de Fer und dem Schlussanstieg zur Skistation bietet die Königsetappe eine echte Kletterpartie. Insgesamt warten sechs Bergankünfte auf die Fahrer. Aber auch sonst hat die Rundfahrt einiges zu bieten. Auf der zweiten und dritten Etappe könnten Windkanten an Dänemarks Küste für Überraschungen sorgen. Auf der fünften Etappe, die vor dem Eingang zum berüchtigten Wald von Arenberg endet, wartet das harte Kopfsteinpflaster in Nordfrankreich. Der Gesamtsieger dürfte spätestens am vorletzten Tag mit dem 40,7 Kilometer langen Einzelzeitfahren nach Rocamadour feststehen. Zum Start wird das erste Gelbe Trikot ebenfalls im Kampf gegen die Uhr über 13,2 Kilometer in Kopenhagen vergeben.

Wo wird die Tour de France im TV übertragen? Die ARD ist täglich zur entscheidenden Phase ab ca. 16 Uhr auf Sendung. Bis die ARD einsteigt, sind an den Wochentagen zuvor schon Live-Bilder auf One und sportschau.de zu sehen. Dazu überträgt Eurosport die Tour-Etappen.

Quelle: ntv.de, Stefan Tabeling und Tom Bachmann, dpa

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