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Kein ICE, trotzdem Wut und ÄrgerTrumps Rolle rückwärts stürzt Super Bowl ins Tohuwabohu

04.02.2026, 05:32 Uhr
imageVon David Bedürftig, San Francisco
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Diesmal wird Donald Trump weder auf dem Rasen noch im Stadion zu finden sein, den Super Bowl bringt er trotzdem durcheinander. (Foto: REUTERS)

Durcheinander, Unsicherheit, Verwirrung: Auch wenn Donald Trump das NFL-Endspiel selbst nicht besucht, hält er den Super Bowl in Atem. Seine Regierung schickt nun keine ICE-Agenten - doch spezielle Werbeplakate sorgen für Riesenärger.

Kommen sie, oder kommen sie nicht? Am Dienstag dreht sich in San Francisco alles um ein Thema: ICE-Einsatzkräfte. Die Abkürzung ICE steht für "US Immigration and Customs Enforcement" - eine Vollstreckungsbehörde für Zoll- und Einwanderungsangelegenheiten, deren vermummte Agenten seit einem Jahr gewalttätige Razzien in den gesamten USA durchführen. Doch ähnlich wie in Minnesota, wo die paramilitärähnliche Truppe zwei Demonstranten erschoss, macht die Regierung Donald Trumps beim Super Bowl nun eine Rolle rückwärts: ICE wird beim NFL-Endspiel anders als zuvor angekündigt nicht zum Einsatz kommen.

Nach wochenlangen Spekulationen darüber, ob und wie viele ICE-Beamte beim Super Bowl anwesend sein würden, hat die NFL nun klargestellt, dass sie beim Mega-Event, das laut Polizeiangaben 1,3 Millionen Besucher aus der ganzen Welt in die Region bringen wird, keine Rolle spielen werden.

Die Sicherheitschefin der NFL, Cathy Lanier, erklärte auf einer Pressekonferenz: "Es sind keine ICE- oder Einwanderungskontrollen geplant, die rund um den Super Bowl oder andere Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Super Bowl stattfinden sollen." Lanier fügte hinzu: "Es sind keine ICE-Beamten bei diesem Super Bowl im Einsatz." Sie erklärte, die NFL habe ein ausgezeichnetes Verhältnis zur Trump-Regierung und sie rechne auch nicht mit einer "überraschenden Präsenz der ICE". Unter anderem Trumps Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, hatte bereits im Oktober erklärt, dass ICE rund um den Super Bowl zum Einsatz kommen würde.

Keine ICE-Agenten beim Super Bowl

Im Interview mit ntv.de erklärte Derrick Lew, San Franciscos Polizeichef, dass seine Beamten sich auch auf eine Präsenz von ICE-Einsatzkräften vorbereitet hatten, und ließ seine Freude darüber durchblicken, dass es nun nicht zu Auseinandersetzungen von Bürgern und ICE-Truppen kommen wird.

"Es ist schwer, irgendeine Stadt in den USA zu finden, die nicht mit den Menschen in Minnesota gefühlt hat", sagte Lew. "Wir hier in unserer Region wollen unserer Einwanderer-Community zeigen, dass wir sie vollständig unterstützen." Mit ICE werde man auch in der Zukunft nicht zusammenarbeiten.

Das Heimatschutzministerium (DHS), dem die ICE-Behörde untersteht, ist dennoch mit nationalen Einsatzkräften dabei. Es habe einen spezifischen Auftrag zur Unterstützung der Sicherheit beim Super Bowl, sagte DHS-Agent Jeffrey Brannigan auf der Pressekonferenz.

Trump gibt Super-Bowl-Interview

Aufatmen in San Francisco und der Bay Area. Verschiedene Menschenrechtsgruppen hatten Alarm geschlagen und Proteste rund um das große Spiel angekündigt. Am Montag fand bereits eine Demonstration gegen ICE in San José statt, was direkt neben dem Spielort Santa Clara liegt. Doch nun die Rolle rückwärts der Trump-Regierung. Die stürzt den Super Bowl in eine Spirale der Verwirrung und Unsicherheit, wie es oft eine Folge bei den Kehrtwenden des US-Präsidenten ist.

Zuvor hatte Trump bezüglich Minneapolis seinen Kurs zumindest geringfügig geändert. Denn der Republikaner hat gemerkt, dass seine brutale Einwanderungspolitik nicht mehr gut ankommt bei der Wählerschaft. US-Bürgerinnen und -Bürger denken bei ICE nun nicht mehr an sichere Grenzen, sondern an maskierte Paramilitärs, die Demonstranten mit Pfefferspray besprühen, in Häuser einbrechen, Eltern von ihren weinenden Kindern trennen und amerikanische Bürger mit Kugeln durchsieben. Trumps Umfragewerte fielen in den Keller.

Nun realisierte Trump mutmaßlich, dass das nationale und weltweite Spotlight auf den Super Bowl ihm weitere Kritik einbringen würde, wenn seine ICE-Truppe für Chaos in San Francisco sorgt. Er knickte ein - und nutzt die Aufmerksamkeit und hohen TV-Einschaltquoten lieber für ein exklusives Endspiel-Interview mit dem übertragenden Sender NBC.

ICE-Plakate verärgern San Francisco

Keine ICE-Agenten in der Bay Area bedeutet jedoch nicht, dass das Thema um die vielerorts verhasste Behörde beim Super Bowl vom Tisch ist. Ärger machen nun spezielle ICE-Werbeplakate, die am Dienstag an einem touristischen Hotspot in San Francisco aufgehängt wurden.

Auf einer digitalen Werbetafel steht "Defensivspieler des Jahres: ICE" und ein Werbespot zeigt einen ICE-Beamten, der eine Trophäe in den Händen hält. Eine weitere Anzeige zeigt ICE-Einsatzkräfte in Kampfmontur, die entlang einer Grenzmauer aufgestellt sind, dazu steht geschrieben: "Jubel, weil die Heimmannschaft endlich in die Verteidigung investiert hat". Die dritte Anzeige zeigt auf einer Hälfte Footballspieler mit dem Schriftzug "Ohne Verteidigung können sie nicht gewinnen" und auf der anderen Hälfte ICE mit dem Schriftzug "Amerika auch nicht".

Der Lokalsender ABC7 berichtete, dass die meisten Menschen mit Wut auf die Billboards reagierten. "Das hat mir Übelkeit bereitet", sagte eine Passantin. "Es macht mir Angst, dass es die Menschen abstumpft, zu denken, dass es in Ordnung ist, wenn Menschen anderen Menschen wehtun."

Millionenschwere Werbekampagne für ICE

Die Anzeigen geben an, von einer Gruppe namens "American Sovereignty" bezahlt worden zu sein. Dabei soll es sich laut des US-Senders Fox News um ein konservatives Non-Profit-Unternehmen handeln, das eine angeblich millionenschwere Werbekampagne gestartet hat. Diese soll die amerikanische Öffentlichkeit davon überzeugen, dass ICE trotz ihrer jüngsten Vergangenheit von Gewalt, Korruption und Tötungen die "Good Guys" sind.

Wer hinter der Gruppe steckt und wer sie finanziert, ist nicht klar. Auf der offiziellen Website finden sich keine Informationen zur Identität der Gruppe, sondern lediglich ein Formular zur Anmeldung für E-Mails.

In der Vergangenheit wurden gemeinnützige Organisationen und politische Aktionskomitees oftmals genutzt, um Geld von wohlhabenden Spendern wie dem Milliardär Elon Musk zu verschleiern, aber bisher gab es keine direkten Verbindungen zwischen konservativen Finanziers und American Sovereignty. Dafür gibt es auch ohne ICE-Agenten weiterhin Wut und Tohuwabohu beim Super Bowl, der sich eigentlich auf American Football konzentrieren will.

Quelle: ntv.de

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