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Hanning zieht Handball-WM-Bilanz "Vielleicht hat die Mannschaft das gebraucht"

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Der Schock über das verfrühte Ausscheiden sitzt beim DHB-Team tief: Torhüter Andreas Wolff.

(Foto: dpa)

DHB-Vizepräsident Bob Hanning zieht nach dem überraschenden Achtelfinal-Aus der deutschen Handballer bei der WM gegen Katar eine Bilanz. Im Interview spricht er außerdem über die Bundestrainer-Suche und die sportlich weiterhin hohen Ziele der "Bad Boys".

Bob Hanning, haben Sie den WM-K.o. nach einer Nacht schon ein bisschen verdauen können?

Bob Hanning: Die Erwartungshaltung von innen und von außen war unfassbar hoch. Entsprechend groß ist die Enttäuschung. Doch ein Leben ohne Höhen und Tiefen wäre mittelmäßig. Dass irgendwann so etwas passieren würde, war in der Entwicklung der Mannschaft eingepreist. Und wenn ich ehrlich bin, macht mich das gar nicht so böse. Mir ist es sogar ganz recht, dass es jetzt mit Dagur passiert ist, das macht es einfacher für seinen Nachfolger. Wir sind zurecht ausgeschieden. Wir haben es nicht geschafft, das Bad-Boy-Image, das wir uns selbst auferlegt haben, über 60 Minuten auf die Platte zu bringen. Wir waren, außer Andi Wolff im Tor, einfach nicht voll da.

Kann solch ein überraschendes Aus nach EM-Titel und Olympia-Bronze für einen Bruch im Team sorgen? Machen Sie sich Sorgen?

Vielleicht hat die Mannschaft genau so ein Turnier gebraucht. Jetzt wird sich geschüttelt, dann wird analysiert und dann wird nach vorne geschaut. Die nächste Europameisterschaft kommt bestimmt. Die Mannschaft hat jetzt die Chance auf eine neue Geschichte mit einem neuen Trainer.

Für Dagur Sigurdsson war das Achtelfinal-Aus gegen Katar sein letztes Spiel als Bundestrainer. Wie fällt das Fazit seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit aus?

Gerade für ihn tut mir das unglaublich leid, weil wir so eine unfassbare Geschichte mit ihm geschrieben haben. Schade, dass es durch so ein Spiel zu Ende gegangen ist. Aber verlieren gehört mit dazu. Dagur hat für den deutschen Handball Herausragendes geleistet. Er hat uns ein neues Selbstwertgefühl gegeben. Dafür können wir ihm unfassbar dankbar sein.

Christian Prokop gilt als Wunschkandidat für Sigurdssons Nachfolge. Auch mit Markus Baur wurde gesprochen. Gibt es eine Einigung?

Wir befinden uns in intensiven Gesprächen und wollen diese jetzt zum Abschluss bringen. Aber zurzeit gibt es noch nichts zu vermelden.

Mit der Heim-WM 2019 und den Olympischen Spielen 2020 sind die nächsten großen Ziele klar umrissen. Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft?

Eine WM-Medaille im eigenen Land und Olympiagold in Tokio waren immer das Ziel, davon wird keinen Millimeter abgewichen. Wir müssen jetzt arbeiten, arbeiten, arbeiten. Was im Achtelfinale von Paris passiert ist, kann sogar eine große Hilfestellung sein.

Quelle: n-tv.de, Christoph Stukenbrock, sid

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