Sport

Handballer Pekeler im Interview "War seit März 2020 vier Mal in Quarantäne"

imago0049086207h.jpg

Pekeler kehrt zur Nationalmannschaft zurück.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Deutscher Meister, Champions-League-Sieger, Handballer des Jahres. Hinter Hendrik Pekeler liegen die erfolgreichsten Monate seiner Laufbahn. Der Führungsspieler der Nationalmannschaft spricht im Interview mit ntv.de nicht nur über die anstehende Olympia-Qualifikation in Berlin.

ntv.de: Herr Pekeler, mit dem THW Kiel haben Sie jüngst sieben Partien in 13 Tagen absolviert, am kommenden Wochenende sind Sie bei der Olympia-Qualifikation in Berlin mit der Nationalmannschaft von Freitag bis Sonntag dreimal gefordert. Ganz doof gefragt, wie schafft man das?

Hendrik Pekeler: In Kiel hat uns gerettet, dass wir sechs von diesen sieben Spielen zu Hause hatten. Wenn wir noch hätten reisen müssen, weiß ich nicht, wie wir das hätten schaffen sollen. Jetzt bei der Olympia-Quali ist das einfacher, da ist der Kopf zu 100 Prozent da, weil dahinter ein großes greifbares Ziel ist.

Und das fehlt manchmal im Verein?

Es sind die großen Ziele, die es überhaupt möglich machen, dieses Pensum zu schaffen. Aber es gibt Phasen innerhalb einer Saison, in denen die Lust am Handballspielen nicht sonderlich ausgeprägt ist. Dann muss man einen Weg finden, Spiele trotzdem zu gewinnen.

Wie gelingt das?

Ich glaube, das hat viel mit Erfahrung zu tun und mit dieser Gier, sich am Ende einer langen Saison zu belohnen. Es gibt diesen Moment, wenn man einen Titel gewonnen hat und auf dem Podest steht und weiß, dass sich die ganzen harten Monate gelohnt haben. Wenn man dieses Gefühl einmal hatte und es kennt, hilft es, sich durch die schweren Zeiten zu quälen.

Wie oft haben Sie diese "schweren Zeiten"?

Im November und Dezember kommt man zum ersten Mal in so ein Tief, weil man schon viele Spiele in den Knochen hat und die zweite Phase ist in der Regel im Februar, direkt nach einem Großturnier, wenn es nach nicht einmal einer Woche Pause mit drei Spielen in einer Woche weitergeht. Da geht es im Grunde vor jedem Spiel darum, im Kopf den Schalter umzulegen, der nur schwer umzulegen ist.

Das wird bis zum Ende der aktuellen Saison nicht einfacher. Bis Ende Juni müssen Sie mit dem THW Kiel bei sportlichem Erfolg noch 29 Spiele absolvieren. Klingt nach Wahnsinn…

Ist für uns aber Alltag. Wenn jetzt nichts mehr passiert, spielen wir zum Saisonende in englischen Wochen durch. Es darf aber nichts mehr passieren.

Sie meinen Corona-Fälle, die Spielabsagen und Quarantänen nach sich ziehen würden.

Genau. Ich war seit März des vergangenen Jahres schon vier Mal in Quarantäne. Wenn es uns in Kiel noch mal erwischt, kann ich mir nicht vorstellen, wie wir unser Programm schaffen sollen.

Warum hat es Sie so hart erwischt?

Ich glaube, das Gesundheitsamt in Kiel ist sehr strikt, sodass wir jeweils als gesamte Mannschaft in Quarantäne mussten, wenn Fälle aufgetreten sind. Die Zahlen hier in Kiel sprechen für sich, das Amt scheint das gut zu machen. Merkwürdig ist es trotzdem, wenn in anderen Fällen anders entschieden wird. Wenn ein Spieler von Bayern München positiv getestet wird, der zuvor mit seinem Team die Klub-WM gewonnen hat, mit den anderen gefeiert hat und geflogen ist und es dann keine Quarantäne für alle gibt, hinterlässt das bei mir offene Fragen.

Werden die Fußballer bevorteilt?

Das kann und möchte ich nicht beurteilen, weil es ja eine Entscheidung des Gesundheitsamtes vor Ort ist und ich da keinen Einblick habe. Interessant wäre es, wenn es bei den Fußballern von Holstein Kiel einen Fall geben würde. Dann wäre die Lage vergleichbar.

Kritik gibt es grundsätzlich, weil der Profisport stattfinden darf, während der Amateursport seit Monaten ruht.

Das tut mir für alle Menschen leid, die jetzt ihren Sport gerade nicht ausüben können. Das ist bitter und ich verstehe die Enttäuschung darüber. Aber ich finde, das hat nichts mit dem Profisport zu tun. Letztlich geht es für mich und den Profisport insgesamt darum, dem Beruf nachzugehen. Zudem läuft bei uns nicht alles normal weiter.

Inwiefern?

Handball: Olympia-Qualifikation

Die Qualifikation für die Olympischen Spiele tragen die Handballer in drei Turnieren mit jeweils vier Teams aus. Die beiden erstplatzierten Mannschaften dürfen in Tokio antreten. Das DHB-Team von Trainer Alfred Gislason spielt in Berlin. Dort geht es gegen den WM-Zweiten Schweden (12. März, 15:15 Uhr), den EM-Vierten Slowenien (13. März, 15:35 Uhr) sowie Algerien (14. März, 15:45 Uhr).

Bereits sicher qualifiziert für die Olympischen Spiele sind Weltmeister Dänemark, Europameister Spanien, Gastgeber Japan, Panamerika-Meister Argentinien, Asien-Meister Bahrain und Afrika-Meister Ägypten.

Im vergangenen Frühjahr befand ich mich fünf Monate in Kurzarbeit, wie viele andere Menschen auch. In der aktuellen Saison verzichten fast alle Profisportler auf einen Teil ihrer vertraglich zugesicherten Gehälter. Das ist keine einfache Situation, in Kiel haben wir uns auf einen Verzicht von 50 Prozent geeinigt. Da fehlt viel Geld, mit dem man gerechnet hat. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin trotzdem dankbar, dass wir unseren Sport ausüben können. Eine Insolvenz des Klubs wäre noch tragischer als der Verzicht, den wir jetzt üben müssen.

Wie tragisch wäre ein Verzicht auf die Olympischen Spiele im Sommer, wenn Sie am kommenden Wochenende bei der Qualifikation scheitern?

Das wäre sehr tragisch. Aber wissen Sie, ich beschäftige mich mit dieser Möglichkeit gar nicht. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen.

Die Gegner heißen Schweden, Slowenien und Algerien. Das ist keine Laufkundschaft.

Oh nein, ganz sicher nicht. Schweden am Freitag ist ein Hammerauftakt, danach am Samstag Slowenien und Algerien zum Schluss. Ich glaube, dass es am Ende auf Schweden, Slowenien und uns hinausläuft, wer nach Tokio fährt. Wir sind stark genug, um es zu schaffen. Wie gesagt, ich beschäftige mich nicht mit einem Scheitern. Meine Energie setze ich für den Erfolg ein, nicht für den Misserfolg.

Mit Hendrik Pekeler sprach Michael Wilkening

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.