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Positiver Doping-Test bei Froome "Wieder ein Totalschaden für den Radsport"

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"Ich habe mich heute deutlich besser gefühlt als gestern": Christopher Froome.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Vier Mal gewinnt er die Tour de France, nun deutet viel darauf hin, dass Christopher Froome gedopt hat. Während er von Asthma spricht, bezeichnet Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel den Fall als verheerend für den Radsport. Doch wird Froome nun auch gesperrt?

Der viermalige Tour-de-France-Gewinner Christopher Froome soll gedopt haben, es zeichnet sich einer der größten Skandale seit dem Fall von Lance Armstrong ab. Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel sagt: "Es ist wieder ein Totalschaden." Der Radsport habe "gerade den Kopf wieder aus dem Loch gesteckt, sich gerade langsam erholt, da kriegt er sofort eine mit dem Hammer drauf. Es trifft die gesamte Branche".

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"Es trifft die gesamte Branche": Fritz Sörgel.

(Foto: imago/Zink)

Froome wurde bei seinem Sieg im September bei der Vuelta in Spanien positiv getestet. Das hatte der Weltverband UCI mitgeteilt. In der Urinprobe des 32 Jahre alten Briten vom Team Sky wurde eine verboten hohe Konzentration des Asthmamittels Salbutamol festgestellt. Die B-Probe bestätigte das Ergebnis der A-Probe. Damit steht Froomes Karriere auf dem Spiel.

Der Sportrechtler Michael Lehner hält eine Sperre von bis zu einem Jahr für möglich: "Um Froome ranken sich ja schon länger Doping-Gerüchte. Die Einschätzung dieses speziellen Falles ist allerdings schwer. Aber der Weltverband wird ihn wohl anklagen müssen." Bis zu einem Grenzwert - den Froome deutlich überschritten hatte - brauchen die Radprofis zur Anwendung Salbutamols keine Ausnahmegenehmigung des Weltverbands. Froome hat nach eigenen Angaben Asthma.

Keine schlüssige Erklärung

Er begründete die zu hohen Werte damit, dass er sein Asthma-Spray wegen starker Beschwerden verstärkt benutzen musste. Warum bei dem Briten der ermittelte Wert mit 2000 Nanogramm pro Milliliter um 1000 Nanogramm über dem erlaubten Limit lag, hat Froome bis jetzt nicht schlüssig erklärt. Einen gesicherten wissenschaftlichen Nachweis für eine leistungssteigernde Wirkung gibt es aber nicht. Im Gegensatz zu Lehner hält Anti-Doping-Experte Sörgel eine lange Sperre des britischen Topstars aufgrund der Komplexität des Falles für unwahrscheinlich: "Es gibt sehr gute Chancen für ein Gutachten, es wird wissenschaftliche Literatur geben, die dafür sorgt, dass er mit einer geringen Strafe davonkommt."

Sperren bei Salbutamolfällen im Radsport hat es aber bereits gegeben. So wurde der italienische Sprinter Alessandro Petacchi 2008 für eine nachgewiesene Konzentration von 1360 Nanogramm für ein Jahr gesperrt. Landsmann Diego Ulissi erhielt bei einer Konzentration von 1900 Nanogramm neun Monate. Froome hatte am 10. September in Madrid als erst dritter Fahrer nach den Franzosen Jacques Anquetil 1963 und Bernard Hinault 1978 das Sieg-Double aus Tour und Vuelta geschafft.

Er hatte bei der Vuelta zwei Etappen gewonnen und ab dem dritten Teilstück das Rote Trikot des Spitzenreiters getragen. Die Urinprobe mit dem positiven Testergebnis wurde einen Tag nach seinem Rückschlag bei der Bergankunft Alto de Las Machucos genommen. Mit der erhöhten Konzentration im Körper gelang es ihm am Tag darauf, den Vorsprung auf seinen Rivalen Vincenzo Nibali aus Italien um 21 Sekunden auszubauen. Im Ziel hatte Froome gesagt: "Ich habe mich heute deutlich besser gefühlt als gestern. Ich glaube, einige Jungs haben heute für ihre Anstrengungen von gestern bezahlt."

Quelle: ntv.de, sgi/dpa/sid