Sport

"Ich brauche das einfach" Zverev kämpft um mehr als nur Titel

Alexander Zverev ist Deutschlands bester Tennisspieler und in bestechender Form. Kurz vor dem nächsten Anlauf zum ersten Grand-Slam-Titel der schon erfolgreichen Karriere erklärt der Hamburger, was bei ihm für die nötigen Prozente sorgen kann. Frankreich will ihm das geben!

Alexander Zverev hat sportlich eine außergewöhnlich gute Woche hinter sich, selbst für Deutschlands besten Tennisspieler: Am Sonntag gewann der 24-Jährige das Masters-Turnier von Madrid, ein Stelldichein der meisten der weltbesten Tennisspieler. Drei aus der absoluten Weltspitze schlug Zverev hintereinander: Den Sandplatz-Dominator Rafael Nadal, den Weltranglisten-Vierten Dominic Thiem und Matteo Berrettini, ebenfalls einer aus den Top Ten der Tenniswelt. Das, was in Madrid passierte, machte denn auch was mit dem Hamburger. "Wenn man Nadal und Thiem hintereinander auf Sand schlägt, hat man sich schon etwas verdient", verriet Zverev im exklusiven Interview mit RTL/ntv.

Vier Masters-Siege hat Zverev jetzt auf dem Konto, drei davon holte er auf Sand. In Madrid spielte Zverev bärenstark: austrainiert, konzentriert auf höchstem Niveau, variabel und geduldig. Weltklasse eben. Zverev steht auf Platz sechs der Weltrangliste, sein Turniersieg in Madrid hat ihn nicht weiter nach vorne gebracht. Viel wichtiger als die Platzierung dürfte aber das weiter gefestigte Wissen sein, Topspieler in Serie schlagen zu können. "Das ist ein besonderes Gefühl", sagte Zverev, der noch immer auf den ersten Grand-Slam-Titel seiner Laufbahn wartet. Vielleicht aber auch nur noch bis Juni, wenn in Paris der French-Open-Titel ausgespielt wird?

"... und dann irgendwann ich"

"Der Favorit ist immer noch Rafa (Nadal, d. Red). Rafa ist immer noch der, den man schlagen muss", wiegelt Zverev im Gespräch mit RTL/ntv ab. Nach dem Spanier - der seit 2005 nur drei Partien in Paris verlor, das Turnier aber 13-mal gewann - dann "Leute wie Novak Djokovic (Serbien)", sein Ösi-Spezi Dominic Thiem "und dann wahrscheinlich irgendwann ich". In Madrid hatte er Nadal und Thiem hintereinander geschlagen, ja, chancenlos blieben die Weltklassespieler, in der Weltranglisten an zwei (Nadal) und vier (Thiem) geführt, im Viertel- und Halbfinale zurück. 104 Minuten spielte Zverev gegen Nadal, für Thiem waren 97 Minuten genug. Zverev ist in Paris jetzt Mitfavorit.

In der Weltspitze entscheiden manchmal Kleinigkeiten über den großen Triumph oder das knappe Scheitern. Niemand weiß das besser als Zverev, dem in einem epischen US-Open-Finale im September 2020 gegen Thiem die Winzigkeit von zwei Punkten zum ersten Grand-Slam-Titel fehlte. Entsprechend gut waren die Nachrichten, die Anfang des Monats aus Frankreich kamen: Die French Open sollen ab dem ersten Tag vor Zuschauern ausgetragen werden, verkündete der französische Sportminister.

Für Zverev ein Faktor in seinem Spiel: "Ich bin jemand, der extrem durch die Fans lebt, durch diese Emotionen. Ich brauche das und liebe das einfach." Er habe vor Zuschauern dieses Jahr immer viel besser gespielt als ohne Emotionen auf den Rängen. Bis zu 35 Prozent sollen die gewaltigen Tribünen der Hauptplätze von Roland Garros ausgelastet sein, wenn der wichtigste Sandplatztitel der Saison ausgespielt wird.

Gold für Deutschland als Eisbrecher?

Die Emotionen braucht Zverev, die Zuneigung seiner Landsleute wünscht er sich. Am Sonntag hatte Zverev am Ende einer besonderen Woche nach der Pressekonferenz des Turniersiegers noch gehadert. Nach dem englischen Teil der Befragung erwartete Zverev die deutschen Fragen - vergeblich. "Keine? Ich gewinne ein Masters und es kommen keine Fragen auf Deutsch? Wie man sieht, bin ich den Deutschen wirklich egal."

Es arbeitet in dem Hamburger, dem sein einstiger Manager einst nahegelegt hatte, den heimischen Markt nicht allzu ausdauernd zu beackern, da er auf dem Weg zur Weltmarke sei. Sein Heimatland "und damit auch der deutsche Markt wurden links liegen gelassen. Das ist aber absurd. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Deutschland ist meine Heimat", sagte Zverev im Januar. "Ich habe nachgedacht und für mich verstanden: Ich bin Deutscher und möchte in Deutschland eine Person sein, wo die Kinder sagen: 'Wegen dem will ich Tennisspieler werden. Den Zverev finde ich toll.'" Deshalb werde er den Fokus "in Zukunft mehr auf Deutschland legen."

Vielleicht auch deshalb, mindestens aber im Wissen um seine großen Chancen, will der Hamburger Hüne im August bei den Olympischen Spielen ganz groß aufschlagen. Für sich und für Deutschland. "Wenn Olympia stattfindet, spiele ich auch, außer wenn ich vorher vier Wochen in Quarantäne muss und nicht aus dem Zimmer darf. Dann wäre die Form weg und ein Start sinnlos", sagte Zverev jüngst. Das sehen die Pläne der Organisatoren aber nicht vor. Und so soll der Dreifach-Angriff auf Gold starten, im Einzel, im Doppel und im Mixed.

"Ja, die Dreifachbelastung ist egal, das ist Olympia. Da nimmt man alles in Kauf, um für sein Land das Maximale rauszuholen", sagte Zverev der "Bild"-Zeitung. Das Maximale scheint im Moment wirklich möglich: Titel, Medaillen und die große Anerkennung. In Rom, dem gerade laufenden Masters-Turnier, steht der Liebling in spe bereits wieder in der dritten Runde. Gegen Hugo Dellien, Nummer 128 der Welt, reichten zwei Sätze, rund 100 Minuten. Zeit, dass mal wieder ein paar Topspieler kommen.

Quelle: ntv.de, ter

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