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Verbotenes Handy-Coaching? Zverev wehrt sich gegen Schummel-Vorwürfe

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Alexander Zverev geriet gegen Stefanos Tsitsipas schwer in Schieflage.

(Foto: Action Images via Reuters)

Alexander Zverev kassiert gegen Stefanos Tsitsipas eine bittere Pleite, anschließend muss sich Deutschlands bester Tennisspieler auch noch mit Betrugsvorwürfen auseinandersetzen. Die Wahrheit über den vermeintlichen schweren Regelverstoß dürfte einfacher sein.

Hat Alexander Zverev vor einem Millionenpublikum betrogen? Der amtierende Tennis-Weltmeister muss sich nach seinem zweiten Gruppenspiel bei den ATP-Finals in London gegen aufkommende Schummel-Vorwürfe zur Wehr setzen. Eine TV-Kamera hatte bei seiner 3:6, 2:6-Niederlage gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas am Mittwochabend eingefangen, wie der 22-Jährige während eines Seitenwechsels mehrere Sekunden mit seiner Hand in seiner Sporttasche herumgedrückt hatte.

In den sozialen Netzwerken hatte sich daraufhin eine Diskussion entwickelt, ob Zverev möglicherweise ein Handy bedient habe. Mobiltelefone und andere Kommunikationsmittel jedweder Art sind während der Matches verboten, weil sie die Möglichkeit zu illegalem Coaching bieten. Offizielle Konsequenzen hat Zverev aufgrund des Vorfalls keine zu erwarten. Die Spielervereinigung ATP teilte am Donnerstag mit, dass er "gegen keine Regel der ATP verstoßen" habe. "Mein Handy war in der Umkleidekabine", hatte Zverev behauptet: "Ich weiß nicht genau, was sie da gesehen haben, aber mein Handy kann es nicht gewesen sein. Vielleicht eine Trinkflasche."

*Datenschutz

Nun, eine Auseinandersetzung mit einer Trinkflasche war es jedoch offensichtlich nicht, was die Kameras eingefangen haben. In den sozialen Medien wird darüber spekuliert, dass Zverev mit einem Glukoseüberwachungsgerät seinen Insulinspiegel überprüft haben könnte. Eine mögliche Diabeteserkrankung hat der deutsche Spitzenspieler nie bestätigt, Gerüchte stets dementiert: "Alles, was da geschrieben wurde, ist nicht wahr. Alles in dieser News ist absolut erfunden", sagte er 2016. Gesundheit ist nun einmal aus guten Gründen Privatsache.

Coaching-Regel ist "blödsinnig"

Wird ein Spieler beim verbotenen Coaching erwischt, droht zunächst eine Verwarnung. So passierte es der 22-fachen Grand-Slam-Gewinnerin Serena Williams im Finale der US Open 2018. Der Trainer der US-Amerikanerin hatte versucht, ihr per Handzeichen Tipps zu geben, die ehemalige Nummer eins der Damen-Weltrangliste will das nach eigenen Aussagen aber nicht mitbekommen haben - und war nach der Verwarnung ausgerastet.

Die Regel ist allerdings umstritten: "Es ist blödsinnig, dass Coaches mit zigtausend Euro bezahlt werden, anschließend aber nicht eingesetzt werden dürfen. Für einen Trainer ist es zudem enorm bitter, dass man in den entscheidenden Momenten seinem Spieler nicht helfen darf", sagte der ehemalige Davis-Cup-Spieler Alexander Waske nach dem Vorfall. Der Tennis-Weltverband ITF und die ATP-Tour der Herren diskutieren seit Längerem über eine Abschaffung der Regel, auf Wettbewerben der Damen-Tour ist Coaching während der Matches inzwischen erlaubt.

Ob mit oder ohne verbotene Einflussnahme von außen: Zverev hatte durch seine Niederlage gegen Tsitsipas den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale des Elite-Turniers der acht Saisonbesten verpasst. In seinem letzten Vorrundenspiel hat er am Freitag gegen den Russen Daniil Medwedew jedoch die Chance, mit einem Sieg die K.-o.-Runde zu erreichen. Gewinnt Tsitsipas im anderen Duell der Gruppe "Andre Agassi" gegen Rafael Nadal, genügt ihm dazu sogar bereits ein Satzgewinn. Zverev selbst gibt sich vorfreudig: "Ich habe es in der Hand und ich freue mich drauf. Ich kann entscheiden, ob ich am Samstag noch hier bin oder nicht", sagte der Vorjahressieger nach der klaren Niederlage gegen den Weltranglisten-Sechsten.

Quelle: n-tv.de, ter/sid