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Krause überwindet Hindernisse "Zweifel hatte ich eigentlich nicht"

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Gesa Krause genießt die "geile Atmosphäre" im Berliner Olympiastadion.

(Foto: dpa)

Die Titelverteidigerin steht unter Druck: Gesa Krause soll über 3000 Meter Hindernis erneut eine Medaille erlaufen, das erwartet sie auch von sich selbst. Nach der Tragödie der WM 2017 braucht sie ein Erfolgserlebnis auf dem Weg zu Olympia.

Jetzt bloß nicht mehr stolpern oder gar hinfallen: Gesa Felicitas Krause nimmt nach 2850 Metern Anlauf zum letzten Wassergraben im Finale über 3000 Meter Hindernis. Elegant und leichtfüßig sieht es noch immer aus, als sie an der Schweizerin Fabienne Schlumpf vorbeizieht und der Titelverteidigung bei der Leichtathletik-EM entgegen läuft. Im Ziel reißt sie die Arme nach oben - geschafft und das mit Saisonbestleistung von 9:19,80 Minuten. Zweite wird Schlumpf (9:22,29), Bronze geht an die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grovdal (9:24,46). Die zweite deutsche Starterin, Elena Burkard, läuft mit persönlicher Bestzeit auf den sechsten Rang (9:29,76).

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Negative Gedanken? Nicht bei Gesa Krause.

(Foto: picture alliance / Hendrik Schmi)

Nach der Tragödie bei der WM 2017 steht ihr diesmal nichts und niemand im Weg. Oder fast nichts: Denn plötzlich kollidiert sie mit einer mitfahrenden Kamera - da ist sie gottlob schon auf der Ehrenrunde unterwegs und will gerade ihren Freund in die Arme schließen. Im Rennen schubst sie keine, niemand tritt ihr auf den Knöchel oder trifft ihren Kopf mit dem Knie, sodass sie anschließend benommen ihre Runden dreht - so wie in London als sie unbedingt eine Medaille will, dann aber nur Neunte wird. Die Fairness und Größe, mit der Krause diese Niederlage im vergangenen Jahr durchsteht, macht sie über den Sport hinaus bekannt - und beliebt. Dabei ist es fast unfair, schließlich ist die Sportsoldatin längst überaus erfolgreich: Seit sie 19 Jahre jung ist läuft sie bei den großen Meisterschaften mit, ist WM-Dritte und nun schon zum zweiten Mal Europameisterin.

Kein Grund für negative Gedanken

Sie selbst hat das Rennen von London auch längst abgehakt. Dafür macht ihr in diesem Jahr ihre Wettkampfperformance zu schaffen. "Ich war ein bisschen unsicher, weil die Wettkämpfe dieses Jahr nicht so liefen, wie ich mir das erhofft hatte. Das Training lief aber sehr, sehr gut und dann weiß man, was man kann", erklärt die 26-Jährige. Ihre Disziplin fordert Härte: Während des Laufs müssen 28 Hindernisse überwunden werden, jedes davon ist 76,2 Zentimeter hoch, dazu sieben Mal der Wassergraben. Da ist kein Platz für negative Gedanken, die einen aus der Konzentration reißen können. Und so fügt Krause an: "Zweifel hatte ich eigentlich nicht, aber es war ein holpriges Jahr. Ich habe meine Ziele nie aus den Augen verloren, ich habe nur meinen Weg etwas verändert."

Der Weg führt nach Tokio, dorthin, wo 2020 die Olympischen Spiele stattfinden. Eine Medaille auch dort, das ist das ehrgeizige Ziel der Hessin, die für den Klub Silvesterlauf Trier startet. Kurzfristiger plant sie die Verbesserung ihres eigenen Deutschen Rekords: "Ich möchte gerne unter 9:10 Minuten laufen, das war eigentlich schon dieses Jahr mein Ziel. Ich werde das noch versuchen, anzugehen. Ansonsten spätestens nächstes Jahr und ich denke, das muss ich auch, wenn ich in der Welt mithalten möchte." Dafür geht Krause weite Wege, trainiert wochenlang im Wunderläuferland Kenia oder den Schweizer Bergen, kommt nach sechs Wochen Höhentrainingslager in Davos erst kurz vor dem EM-Vorlauf direkt nach Berlin.

"Atmosphäre war einfach megageil"

Bevor sie die Weltelite in Angriff nimmt, die quasi bei der Titelverteidigerin zu Gast ist, bezwingt sie aber erst einmal Europa. "Vor heimischem Publikum zu laufen ist ein unheimlich tolles Gefühl, und diese blaue Bahn hat einfach was Magisches. Es ist ganz besonders in der Hauptstadt zu laufen und zu wissen, dass so viele Menschen im Stadion sind, die für einen jubeln. Und das hat man auch gemerkt, dass das Stadion gebebt hat. Ich habe es sehr genossen."

42.350 Zuschauer sind es exakt, die das Stadion beim Endspurt von Krause mit ihrem Jubel endgültig zum Kochen bringen. Das kommt an auf der blauen Bahn: "Ich bin überwältigt, es war ein megageiles Gefühl am Ende. Die Atmosphäre war einfach megageil." Und wer im Stadion für die 26-Jährige geschrien hat, darf sich nun angesprochen fühlen: "Jeder hat einen ganz kleinen Anteil daran, dass ich hier heute diesen Erfolg hatte."

Quelle: n-tv.de

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