Formel1

Die Rückkehr der "Grünen Hölle" Der emotionalste Ort der Schumachers

Sebastian Vettel wird der Formel 1 vermutlich erhalten bleiben. Und dennoch endet nach dieser Saison ein Kapitel: Seine ungekrönte Zeit bei Ferrari. Dank Corona könnte es für den viermaligen Weltmeister allerdings noch ein Finale furioso geben, an einem legendären Ort.

Damit Sebastian Vettel am 11. Oktober dieses Jahr ein Formel-1-Rennen gewinnt, dafür muss noch sehr, sehr viel passieren. Mit seinem noch roten Rennwagen, aber auch bei der Konkurrenz. Ferrari, das ist in diesen Tagen kein Auto, das für Siege taugt. Ferrari, das ist kein Team, das Hoffnung hat. Zu schlecht ist die eigene Performance auf allen Ebenen, zu dominant ist aber auch das, was Mercedes bisher in dieser Saison anbietet, die wegen der Corona-Pandemie deutlich verkürzt ist.

Und in der sich am Freitag eine schöne Überraschung für die Formel 1 in Deutschland ankündigte. Der legendäre Nürburgring kehrt in den Rennkalender zurück. An jenem 11. Oktober fährt die Königsklasse des Motorsports erstmals seit sieben Jahren wieder durch die "Grüne Hölle". Sie kehrt an den Ort zurück, der von Dramen und Heldengeschichten nur so überquillt. Vorübergehend und nur als Kurz-Comeback, als das bislang geplante drittletzte Rennen des Jahres, ehe es noch nach Portimao und Imola geht.

Und das bislang letzte Formel-1-Rennen am Ring, der am 18. Juni 1927 eröffnet wurde, verdichtete noch einmal all die Gefühle, die die "Grüne Hölle" bei den Fans der Rennserie auslöst. Ein spektakuläres Duell, ein deutscher Sieger, Vettel nämlich, ein durch einen Reifen schwer verletzter Kameramann - es war was los, wie immer. Vor allem in den 90er-Jahren, in der großen Zeit der Szene. Als sich sogar die großen Staatsmänner wie Helmut Kohl darum rissen, in der Startaufstellung zu stehen.

Zu jener Zeit also, als Michael Schumacher das ganze Land euphorisierte. Als Hunderttausende an den Renn-Wochenenden in der Eifel einfielen, die Region zu einem gewaltigen Campingplatz und zu einem einzigen Party-Hotspot machten. Fünfmal holte der Rekord-Weltmeister den Sieg am Ring, dessen Rennen zunächst auf der Nordschleife ausgetragen wurden und dann ab 1984 auf dem Grand-Prix-Kurs. Einmal triumphierte auch Bruder Ralf, 2003 im Williams, auf dem deutschen "Mount Everest" des Motorsports.

Der Feuerunfall von Niki Lauda

Der Nürburgring und die Schumachers, sie sind ein Teil der Legende. Und sie wurde auch nach Michael und Ralf erfolgreich weitergeschrieben. Durch Mick, den Sohn des Rekord-Champions. In seiner zweiten Formel-3-Saison gewann er auf der Strecke alle drei Rennen. Aber der Kurs in der Eifel hat nicht nur die Geschichte von sportlichen Helden zu erzählen, die Strecke erzählt auch von echten Dramen.

Wie das von Niki Lauda, der 1976 mit seinem Ferrari mit vollem Tempo gegen eine Felswand prallte, zurück auf die Strecke geschleudert und schließlich aus seinem brennenden Boliden gerettet wurde. Das er überlebte, war ein Wunder. Andere hatten weniger Glück. Drei Formel-1-Fahrer starben in der Eifel: Am 31. Juli 1954 erwischte es den Argentinier Onofre Marimon, vier Jahre später, am 3. August 1958, starb der Brite Peter Collins. Und schließlich überlebte auch Carel Godin de Beaufort, ein Niederländer, die "Grüne Hölle" nicht, damals am 2. August 1964.

Die Eifel, der Ring, sie sind auch bekannt für ihre Wetterkapriolen. Vier Jahreszeiten an einem Tag schafft sie, so erzählt man sich. Hitze oder Frost, Sonne oder Regen, alles ist möglich, erst recht im Oktober. Ob dann auch wieder Fans und große Zuschauermengen möglich sind? Die Hoffnung ist groß, die Sorge wegen der Corona-Pandemie ebenfalls. Fest steht nur, der Nürburgring ist zurück. Und er wird wieder Geschichte schreiben. Eine weitere von Rekordjäger Lewis Hamilton? Oder doch wieder die von Vettel? Der mit einem zweiten Sieg am Ring, seinem zweiten auf deutschem Boden dann, ein rotes Finale furioso feiert?

Quelle: ntv.de