Formel1

"Überaus heikle Lage" F1-Traditionsteam steht vor dem Corona-Aus

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Bekommt Williams-Pilot George Russell überhaupt die Chance, noch einmal in sein Auto zu steigen?

(Foto: imago images/PanoramiC)

Alain Prost, Nigel Mansell, Damon Hill - allesamt waren sie Formel-1-Weltmeister im Williams. Doch nun droht dem Rennstall nach 43 Jahren das Aus, trotz Hilfe der Regierung. Auch, weil eine lange geplante Regeländerung noch nicht vollzogen ist.

Die Millionen sprudeln nicht mehr, Hunderte Mitarbeiter im Zwangsurlaub, die Pleitegeier ziehen auf: Auch in der sonst so glamourösen Formel 1 nehmen im Zuge der Corona-Krise die Sorgen um die Zukunft zu. Besonders die kleineren Rennställe kämpfen ums finanzielle Überleben. "Für uns als unabhängigen Rennstall wird es kritisch", gab Claire Williams nun offen zu.

Williams - das ist in der Formel 1 nicht irgendein Name. Das Traditionsteam aus dem englischen Grove dreht in der Königsklasse seit 1977 seine Runden. Ayrton Senna, Alain Prost, Nigel Mansell - früher fuhren die ganz Großen für Williams. Damon Hill und Jacques Villeneuve holten ihre WM-Titel für den ruhmreichen Rennstall im Kampf gegen einen gewissen Michael Schumacher. Doch wegen der Pandemie droht Williams unter Umständen nun von der Bildfläche zu verschwinden.

"Wir müssen 2020 unbedingt Rennen fahren, um zu überleben", sagte Williams dem britischen Sender Sky. Doch wann die Formel 1 in die Saison startet, ist weiterhin unklar. Die ersten neun Rennen wurden bereits abgesagt oder verschoben. Aber ohne das Spektakel fließt kein Geld auf die Konten der Rennställe, wie andere Teams muss auch Williams ein Hilfsprogramm der britischen Regierung in Anspruch nehmen.

Ein Event, viele Grenzen

Die Teamführung sowie die beiden Piloten George Russell und Nicholas Latifi verzichten auf 20 Prozent ihres Gehalts. McLaren-Teamchef Andreas Seidl warnte zuletzt bereits: "Wir müssen alle gemeinsam aufpassen, dass die Formel 1 nicht sehr bald einige Teams verliert."

Denn wie Williams geht es ja mehreren Rennställen im PS-Zirkus. Die Einnahmeausfälle treffen auch Haas und Alfa Romeo besonders hart, selbst ein Werksteam wie Renault steht auf dem Prüfstand. "Die Formel 1 befindet sich derzeit in einer überaus heiklen Lage", sagte Williams: "Wir verbringen viel Zeit mit Sitzungen".

Einziges Thema bei den virtuellen Krisentreffen mit dem Weltverband Fia und dem Management der Formel 1 um Boss Chase Carey: "Mittel und Wege zu finden, aus dieser Krise unversehrt herauszukommen." Und das ist natürlich eine sehr knifflige Aufgabe, schließlich ist die Formel 1 ein globaler Sport, viele Grenzen müssen da für ein einziges Event überschritten werden.

Kleinere Teams ärgern sich über Budgetobergrenze

Noch ist aber völlig unklar, in welchen Ländern die Maßnahmen gegen das Coronavirus wann gelockert werden. Rennen können ja erst wieder gefahren werden, "wenn es aus gesundheitlicher Sicht zu verantworten ist", sagte Williams: "Es ist wirklich besorgniserregend, nicht zu wissen, wie genau es weitergehen soll. Die Situation ändert sich fortlaufend."

Gerade die kleineren Teams ärgern sich jetzt, dass die nach jahrelangen Diskussionen nun für 2021 geplante Budgetobergrenze nicht schon längst eingeführt worden ist. Williams hofft, dass es ihr Team auch so durch die Krise schafft. Und die Formel 1 ihre Lehren zieht. "Sollte eine ähnliche Situation auftreten, dann sollten wir alle besser geschützt sein und uns nicht so winden müssen, wie wir es aktuell tun", sagte sie.

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm, sid