Formel1

F1-Teamchef mit Mega-Investment Was plant Mercedes mit Aston Martin?

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Seit 2013 führt Wolff das Mercedes-Team an.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kauft Anteile von Aston Martin. Der britische Hersteller kehrt 2021 in die Formel 1 zurück - mit Wolff als Boss? Diese Spekulation liegt nahe. Doch für die Silberpfeile könnte eine ganz andere Motivation dahinterstecken.

Toto Wolff kauft sich bei Aston Martin ein. Der Formel-1-Teamchef von Mercedes wird damit Anteilseigner des britischen Sportwagenherstellers, der zur Saison 2021 mit einem Werksteam in die Königsklasse des Motorsports zurückkehrt. Wolffs Vertrag bei Serienweltmeister Mercedes läuft am Ende dieses Jahres aus - droht dem deutschen Team also der Verlust des Mannes, der die erfolgreichste Ära des Rennstalls entscheidend mitgeprägt hat?

Offiziell handelt es bei Wolffs Anteilskauf um ein "persönliches Investment". Wie die britische "Daily Mail" berichtet, erwirbt der 48-jährige Österreicher Anteile im Wert von 37 Millionen Pfund Sterling, umgerechnet rund 42 Millionen Euro. Damit sollen ihm laut Mercedes künftig 0,95 Prozent des Unternehmens gehören. Diese Investition fällt zusammen mit der offiziellen Übernahme Aston Martins durch Lawrence Stroll, den Wolff als guten Freund bezeichnet. Der kanadische Milliardär hatte gemeinsam mit Partnern die kriselnde Traditionsmarke übernommen - und kurz darauf verkündet, mit Aston Martin in die Formel 1 zurückzukehren. Denn Stroll ist Besitzer des Rennstalls Racing Point, der zukünftig als Werksteam antritt. Und so wird beispielsweise von Ex-F1-Chef Bernie Ecclestone, fleißig spekuliert, ob Wolff seinen Posten bei Mercedes abgeben könnte, um bei Aston Martin Verantwortung zu übernehmen. Auch, weil Stroll und Wolff gemeinsam vom abgesagten Saisonauftakt abreisten.

Eine Absage erteilte Wolff diesen Gerüchten jüngst nicht, als er sich gegenüber der Tageszeitung "Österreich" folgendermaßen äußerte: "Ich bin und bleibe Mercedes-Motorsportchef und Formel-1-Chef, und daran wird sich kurzfristig nichts ändern." Offen ist, wie Wolff das Wort kurzfristig interpretiert. Sein Vertrag läuft am Ende der aktuellen Saison aus. Allerdings ist der Österreicher auch am F1-Team von Mercedes beteiligt, an dem er 30 Prozent hält. Seit 2014 gewannen die Silberpfeile alle zwölf WM-Titel und sind auch für die laufende Saison klarer Favorit. Die für 2021 geplante große Regelreform ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf 2022 verschoben worden. Somit dürfte Mercedes auch im kommenden Jahr als WM-Anwärter Nummer eins ins Rennen gehen.

Auf den Spuren von Red Bull?

Sportlich ergibt ein zeitnaher Wechsel daher offenbar wenig Sinn. Die "Daily Mail" zitiert allerdings einen Insider, der eine andere Motivation hinter Wolffs Einstieg sieht: "Es scheint eindeutig, dass Aston Martin jetzt zum B-Team von Mercedes wird." Bereits jetzt kauft Racing Point seine Motoren bei Mercedes ein. Bei den Testfahrten in Barcelona erstaunte der neue Dienstwagen der Racing-Point-Piloten Lance Stroll und Sergio Perez zudem die Beobachter. Der RP20 wies deutliche Parallelen zum Mercedes W10 auf, mit dem Lewis Hamilton in der Vorsaison seinen sechsten Fahrertitel eingefahren hatte.

Auch auf übergeordneter Ebene gibt es bereits eine Kooperation zwischen Daimler und Aston Martin. Der deutsche Hersteller schloss 2013 einen Vertrag über die Lieferung verschiedener Bauteile mit dem englischen Traditionsunternehmen ab. Wolffs Anteilskauf sei zudem mit Zustimmung der Konzernspitze erfolgt. So scheint es, als könnte das Team, was derzeit noch Racing Point und künftig Aston Martin heißt, bald tatsächlich Mercedes' B-Team werden.

Ähnlich macht es bereits Red Bull, das mit Alpha Tauri (ehemals Toro Rosso) seinen zweiten Rennstall vor allem dafür nutzte, Nachwuchsfahrer auszubilden. Sebastian Vettel, Max Verstappen, Daniel Ricciardo - sie alle wechselten vom kleinen zum großen Team mit dem Bullen im Logo. Eine solche Option fehlt Mercedes derzeit, das deshalb den talentierten Esteban Ocon an Renault abgab. Wolffs Einstieg bei Aston Martin würde somit nicht auf seinen Abschied hindeuten. Sondern darauf, dass er weiter jede noch so kleine Schwäche des Mercedes-Teams zu beheben versucht.

Quelle: ntv.de