Formel1

Eskaliert der Kostenstreit? Ferrari-Teamchef sorgt für reichlich Wirbel

imago44707875h.jpg

Mattia Binotto macht der Formel 1 mächtig Druck.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Ferrari weist angebliche Androhungen über einen Rückzug aus der Formel 1 zurück. In einem Interview mit dem Teamchef sei das fehlinterpretiert worden. Die Debatte über eine Reduzierung der Budgetobergrenze beschäftigt die Scuderia indes weiter.

Ferrari hat die Darstellung über eine angebliche Ausstiegsdrohung aus der Formel 1 zurückgewiesen. Teamchef Mattia Binotto habe in einem Interview "niemals erwähnt", dass die Scuderia die Königsklasse des Motorsports in der Debatte um die Budgetgrenze verlassen wolle. Darauf wies der Rennstall nach Angaben englischer Medien in einer Stellungnahme hin.

Binotto habe demnach vielmehr im Gegenteil gesagt, "wir wollen nicht in eine Position gedrängt werden, uns neben einer Fortsetzung in der Formel 1 mit weiteren Optionen befassen zu müssen, um unsere Rennsport-DNA zu entfalten, für den Fall, dass die Kostenobergrenze noch drastischer gesenkt werden sollte".

Der Rennstall von Sebastian Vettel sperrt sich mit Macht gegen die vor allem von den kleineren Privatteams geforderte Reduzierung des Budgetlimits auf deutlich unter 138 Millionen Euro. Binotto wurde dazu vom "Guardian" so zitiert: "Das geht nicht ohne weitere signifikante Einsparungen, insbesondere im Bereich der Arbeitskräfte. Sollte es noch weiter runtergehen, wollen wir nicht in eine Position gebracht werden, nach anderen Optionen schauen zu müssen, wo wir unsere Renn-DNA entfalten können."

Wichtige Strahlkraft der Marke aus Maranello

Nach Darstellung von Ferrari sind entsprechende Interview-Aussagen Binottos fehlinterpretiert worden. Sie seien in der Debatte über das sogenannte Budget Cap nicht als Formel-1-Ausstiegsdrohung zu verstehen. "Um das klar zu stellen: Sollte die Kostenobergrenze zu streng ausfallen, würden wir uns zusätzlich zur Formel 1 mit anderen Wettbewerben beschäftigen", sagte Binotto. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um die Langstrecken-WM oder die Indycar-Serie.

Eine mögliche Abkehr der Scuderia würde die Rennserie ihres schillerndsten Teams berauben. Der italienische Rennstall gehört als einziger seit 1950 ohne Unterbrechung der Formel 1 an, in diesem Jahr hätte er bei normalem Saisonverlauf sein 1000. Rennen gefeiert. Die Verantwortlichen des Teams wissen auch um die Strahlkraft der Marke aus Maranello. Inwiefern andere Rennserien für Ferrari aber wirklich eine Alternative zur Motorsport-Königsklasse sein könnten, ist offen.

Die schwierigen Diskussionen um die Budgetgrenze waren durch die Corona-Krise neu entflammt. Die Teams hatten sich bereits auf eine Absenkung des beschlossenen Etatlimits pro Jahr für jedes Team von 161 Millionen Euro auf 138 Millionen Euro geeinigt. Dies reicht einer Reihe von Rennställen und dem Weltverband aber nicht. Im Gespräch war zuletzt eine schrittweise Reduzierung auf rund 110 Millionen Euro. Neben Ferrari gilt auch Red Bull als Gegner einer weiteren Budgetsenkung.

Quelle: ntv.de, tno/ara/dpa