Formel1

Glitzer in Miami, Bier in Hanoi Gier bläht und schröpft die Formel 1

imago35642384h.jpg

Altehrwürdige Strecken wie Hockenheim drohen der Expansion zum Opfer zu fallen.

(Foto: imago/HochZwei)

Mit Ach und Krach verzögert Mercedes das Aus der Hockenheimer Traditionsstrecke. Doch in Vietnam und Florida glänzen bereits neue Luxus-Kreisverkehre am Horizont. Die aggressive Expansion der Formel 1 bringt Fahrer und Teams an die Belastungsgrenze.

Ihren neuen Sehnsuchtsort erreicht die Formel 1 erst im Jahr 2020. Vietnam erweitert die Landkarte der Königsklasse des Motorsports und soll dem aufregendsten Kreisverkehr der Welt einen florierenden Markt erschließen. Knapp zwei Jahre nach dem Aus des langjährigen Geschäftsführers Bernie Ecclestone konnte der neue Formel-1-Besitzer Liberty Media seinen ersten neuen Grand Prix verkünden. Der Expansionskurs soll jedoch noch nicht am Ende sein.

Die Rennställe würde das an ihre Belastungsgrenzen führen, die Traditionsstrecken stecken längst im Verdrängungskampf. "Wir wollen die Rennen mit langer Geschichte erhalten, weil sie wichtig für die Formel 1 und für die Fans sind", sagte Marketingchef Sean Bratches nach der Verkündung des auf mehrere Jahre angelegten Vertrags mit dem Stadtkurs in Hanoi.

Allzu viele Gewissheiten hält er aber nicht für geschäftsfördernd. "Nichts in diesem Sport ist unveränderlich, was die Standorte der Rennen betrifft", schränkte Bratches ein. "Wir sind schließlich ein Geschäft." Und als solches geht es um Absatzmärkte. Vietnam zum Beispiel ist auch für Formel-1-Sponsor Heineken hochinteressant. Dort sieht die Brauerei Wachstumspotenzial. Ecclestone erkannte das auch.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Der gerissene Geschäftsmann schröpfte ohne Rücksicht auf Verluste einige Veranstalter wie zum Beispiel jenen in Aserbaidschan geschätzt um mindestens 30 Millionen Euro pro Jahr. "Es hat gar keine Rennhistorie. Deshalb wollte ich nicht noch einen Grand Prix in einem Gebiet haben, wo wir schon sehr gute Veranstalter besitzen", meinte Ecclestone aber einmal mit Blick auf Vietnam. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sich der mittlerweile 88-Jährige vor seiner Ablösung befand und Liberty Media einen Deal im Wert von geschätzt 370 Millionen Euro über zehn Jahre nicht einfach so als Antrittsgeschenk überlassen wollte.

Der Verdrängungswettbewerb ist unerbittlich. Hockenheim bleibt erst nach schwierigen Verhandlungen vorerst für ein weiteres Jahr im Rennkalender. Die Formel 1 senkte die geforderten Antrittsgebühren von angeblich mehr als 21 Millionen Euro deutlich. Die Bereitschaft von Autobauer Mercedes als Titelsponsor des Grand Prix aufzutreten, sorgte dann für den letzten nötigen Schub.

Bis zu 25 Grand Prix in einer Saison

Die neuen Formel-1-Besitzer sind bereit, neue Wege zu gehen. Das für 2020 geplante Rennen in Miami soll nicht nach dem alten Modell einer Antrittsgebühr erschlossen werden. Vielmehr will der milliardenschwere US-Unternehmer Stephen Ross, unter anderem Besitzer des American-Football-Teams Miami Dolphins, beim Glitzer-Grand-Prix nicht das alleinige Risiko tragen.

"Wir werden das Modell nicht auf den Kopf stellen", sagte Chase Carey, Ecclestones Nachfolger als Formel-1-Geschäftsführer. "Wenn aber die Rendite das Risiko rechtfertigt, schauen wir es uns an." Der Umfang des Rennkalenders steht gleichwohl auf dem Prüfstand. Bis zu 25 Grand Prix in einer Saison kann sich Carey vorstellen. Das würde zwar die Einnahmen steigern, die Belastungen der Teams und ihrer Angestellten wie Mechaniker oder Ingenieure auf der atemlosen Welttournee aber auch erhöhen.

Schon die kommende Saison wird erstmals seit 1963 erst im Dezember enden. "Für mich fühlt es sich längst so an, als ob wir bei 25 Rennen wären", räumte Weltmeister Lewis Hamilton in São Paulo ein. Eine Saison würde sich immer mehr in die Länge ziehen. "Das bedeutet eine ganz lange Hingabe für alle von uns, und eine lange Zeit von der Familie getrennt zu sein." Hamiltons Fazit, der bei seinem Formel-1-Einstieg 2007 noch 17 Etappen zu bewältigen hatte und dieses Jahr 21: "Ich persönlich halte das für keine gute Sache."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema