Formel1

"Das Feuer ist überall" Grosjean riecht den Horrorcrash bis heute

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Grosjean entspringt der Flammenhölle.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Vor knapp drei Monaten überlebt Romain Grosjean einen der schrecklichsten Formel-1-Unfälle nur wie durch ein Wunder. Seitdem ist er nicht mehr in der Motorsport-Königsklasse gefahren, tritt bald in der Indy-Car-Serie an. Doch die physischen und psychischen Folgen machen ihm zu schaffen.

Drei Monate liegt der schwere Unfall von Romain Grosjean beim Großen Preis von Bahrain mittlerweile zurück, doch mit den Folgen kämpft der Rennfahrer noch immer. Tag für Tag. Psychisch und physisch. Obwohl er nicht mehr in der Formel 1 fährt, nachdem sein Vertrag bei Haas nicht verlängert wurde und er auch keinen anderen Arbeitgeber gefunden hat.

"Morgens, wenn ich aufwache, ist es nicht einfach, meine Hände zu bewegen. Es ist ein furchtbares Gefühl, wenn ich versuche, die Finger zu bewegen", sagte der Franzose im Gespräch mit dem Schweizer TV-Sender SFR. Bei dem Crash am 29. November 2020 auf der Rennstrecke des Emirats hatte er sich teils schwere Verletzungen an den Händen zugezogen. Er musste ein paar Tage im Krankenhaus behandelt werden und konnte die letzten beiden Saisonrennen nicht mehr bestreiten.

Besonders die linke Hand macht Grosjean noch heute zu schaffen. "Ich bewege meine Finger dreitausendmal am Tag, denn nur so kriege ich die Beweglichkeit wieder zurück", berichtete er über seinen täglichen Kampf. Denn seinen Traum vom Motorsport will er nicht so einfach aufgeben. Ab dieser Saison ist er in der amerikanischen Indy-Car-Serie für das Dale Coyne Racing Team am Start, die ersten Trainingsfahrten beginnen Ende des Monats. Nicht nur sportlich ist es ein harter Weg zurück in den Wettbewerb.

"Das Feuer ist überall"

Die sichtbaren Wunden sind das eine, die psychische Belastung das andere. Bei der Verarbeitung mache ihm eine Szene immer wieder zu schaffen: "Wie meine Frau vor dem Fernseher saß und dachte: 'Wie sage ich es den Kindern bloß, wenn ihr Papa jetzt stirbt?'" Er selbst hatte schon mit dem Leben abgeschlossen, hatte er bereits wenige Tage nach dem Unfall gesagt. Das bestätigte er dem SFR: "Ich war in Frieden mit mir selbst und wirklich bereit zu sterben. Ich fragte mich sogar, wo ich zuerst brennen würde. An meinen Händen oder den Beinen, wie wird es ablaufen? Und dann dachte ich an meine drei Kinder und sagte mir: Nein, sie sollen nicht ohne ihren Vater leben", so Grosjean.

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Die Bilder von den Flammen verfolgen Grosjean noch heute: "Ich hatte allen erzählt, es habe kein Feuer im Cockpit gegeben. Dann sah ich die Bilder der Onboard-Kamera, die noch nicht öffentlich gemacht worden sind. Das Feuer ist überall. Einfach überall. Mein Gehirn scheint diese Information verdrängt zu haben, nach dem Motto: Was ändert es? Nichts unmittelbar."

Auch der Geruch von brennender Kohlefaser lässt Grosjean nicht mehr los. "Erst kürzlich hatte ich ihn wieder in der Nase. Es war auf einmal wieder da. Das ist erst im Nachhinein passiert. Diese Informationen kamen dann erst vor Kurzem wieder hoch."

Quelle: ntv.de, ara/rtl.de