Formel1

Halo rettet F1-Pilot das Leben So entkommt Grosjean der Flammenhölle

Der Wagen zerfetzt, die Unfallstelle brennt lichterloh, doch Formel-1-Pilot Romain Grosjean überlebt den schwersten Unfall seit Jahren in der Motorsport-Königsklasse. Das hat der Franzose, der für das Haas-Team fährt, ganz klar der modernen Technologie zu verdanken, urteilt RTL/ntv-Experte Felix Görner.

Der Feuerball ist riesig, die Formel 1 steht unter Schock: Das Rennen in Bahrain ist wenige Sekunden alt, als Romain Grosjean in die Leitplanke einschlägt und den heftigsten Unfall seit vielen Jahren in der Motorsport-Königsklasse er- und vor allem überlebt. Es grenzt an ein Wunder, dass der Franzose vom Rennstall Haas den Flammen und seinem völlig zerstörten Wagen entkommt.

Den modernen Sicherheitseinrichtungen in der Formel 1 sei Dank - darauf legt sich RTL/ntv-Experte Felix Görner fest: "Der Cockpitschutz Halo hat ihm das Leben gerettet." Das Halo wird erst seit der Saison 2018 genutzt, es umgibt den Kopf des Fahrers und ist an drei Punkten mit dem Chassis verbunden. Es hatte Kritik an der verpflichtenden Neuerung gegeben, auch nicht alle Piloten waren überzeugt. Es soll den Kopf der Fahrer schützen - bei Grosjean zeigt sich nun: Es ist die lebensrettende Maßnahme.

Was ist passiert? In der Startphase versucht Grosjean, der nur vom vorletzten Platz 19 aus gestartet ist, ein paar Plätze gutzumachen. So will er Daniil Kvyat im Alpha Tauri überholen - bleibt aber an dessen Vorderrad hängen. "Bei 200 Kilometern pro Stunde ist das Auto dann unkontrollierbar", erklärt RTL/ntv-Experte Felix Görner. "Er ist mit einem Winkel von fast 90 Grad in die Leitplanke eingeschlagen - ganz übel."

Bilder zeigen das völlig zerstörte Auto. Es ist in zwei Teile gerissen, laut Görner bei dem Tempo und dem geringen Gewicht des Boliden von nur 850 Kilogramm die logische Folge, schließlich ist Grosjean wie ein Pfeil in die Leitplanke geschossen. "Dann bricht das Monocoque." Trotzdem gelingt es Grosjean, aus dem Auto zu klettern, sich über die Leitplanke vor dem Feuerball zu retten. "Er saß dann im vorderen Teil des Monocoques, der hintere Teil war ja abgerissen", erklärt Görner weiter. "Das Halo, so muss man es ganz klar sagen, hat dafür gesorgt, dass er nicht geköpft worden ist. Der obere Teil der Leitplanke wäre ihm sonst zum Verhängnis geworden." So aber hat der Cockpitschutz die Leitplanke geteilt und damit Grosjeans Kopf gerettet.

27 Sekunden im Feuer

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Grosjean wird direkt ins Krankenhaus gebracht.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

27 Sekunden hat der 34-Jährige gebraucht, um sich selbst aus dem brennenden Auto zu retten. Damit war er schneller als die heraneilenden Helfer, inklusive des Medical-Autos. Die Schnellverschlüsse der Gurte sind dabei entscheidend. "Die Fahrer trainieren tatsächlich das schnelle Ein- und Aussteigen", so Görner. Ebenfalls relevant für das Überleben des Franzosen: Die Piloten tragen feuerfeste Kleidung. Sogar die Unterwäsche und die Socken sind aus speziellem Material gefertigt, das einem Feuer mindestens 35 Sekunden standhalten muss. Ein Glück, denn bei seiner Selbstrettung aus dem Feuer verlor Grosjean seinen linken Schuh, die Socke schützte ihn aber weiterhin. "Deswegen gab es keine schwereren Verbrennungen", urteilt Görner. Erste übermittelte Diagnose ist, dass Grosjean leichte Verbrennungen an den Händen und den Knöcheln erlitten hat.

Doch das Feuer ist auch für die inneren Organe gefährlich, vor allem die Lunge. Erinnerungen werden wach an den dramatischen Unfall von Niki Lauda 1976 auf dem Nürburgring. Der Österreicher prallt gegen eine Felswand, sein Auto geht in Flammen auf, 200 Liter Benzin entzünden sich. Weil Lauda bewusstlos wird, kann er sich nicht sofort retten.

Damals war die Technologie in der Formel 1 längst nicht so weit entwickelt, er bleibt mehr als eine halbe Minute im Auto - mit schlimmen Folgen. Laudas Lunge verätzt im Feuer, der Österreicher, der im Mai 2019 starb, überlebte schwer verletzt und nur wie durch ein Wunder. Doch weil unter anderem auch sein Helm wegflog, trug er schwere Verletzungen davon, die ihn teils sein restliches Leben beeinträchtigten.

Die, so scheint es nach der ersten Diagnose vor der eingehenden Untersuchung im Militärkrankenhaus von Bahrain, bleiben Grosjean erspart. Kurz nach dem verheerenden Crash saß er im Auto des Streckenarztes. Er musste zwar anschließend gestützt werden, konnte aber noch selbst zum bereitgestellten Krankenwagen laufen. Das Urteil von Haas-Teamchef Günther Steiner ist eindeutig: "Das war Glück im Unglück."

Quelle: ntv.de