Formel1

"Unerklärlich, enttäuschend" Harte Kritik für "Nachwuchsfahrer" Vettel

Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel produziert einen Saisonauftakt, wie er düsterer kaum hätte sein können. Anstatt auf seiner Abschiedstour im Ferrari zu überraschen, zerstört sich der viermalige Weltmeister sein Rennen selbst. Der Deutsche ist enttäuscht von seinem Auto - und kassiert selbst harte Kritik.

Nach Fehlern stand es zwischen Sebastian Vettel und Ferrari eigentlich Unentschieden. Doch trotz einer selbst verschuldeten Kollision nahm der Ex-Weltmeister gegenüber seinem Noch-Arbeitgeber kein Blatt vor den Mund. "Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es nur ein Dreher war", wetterte Vettel nach dem verkorksten Saisonauftakt in Österreich mit Platz zehn am Sky-Mikrofon: "Es war der Wurm drin. Ich hatte unglaubliche Probleme, überhaupt auf der Strecke zu bleiben. Wir waren das ganze Wochenende zu langsam. Ich bin eineinhalb Sekunden langsamer als am Freitag im Training. Das kann nicht ganz stimmen."

RTL-Formel-1-Experte Nico Rosberg ging aber vor allem mit Vettel nach dessen folgenschweren Patzers hart ins Gericht: Nach dem Ausfall von Haas-Pilot Kevin Magnussen in der 27. Runde rückte erstmals das Safety-Car aus - und das Feld wieder zusammen. Vettel wollte vier Runden später mit Gewalt an McLaren-Pilot Carlos Sainz vorbei, der seinen Platz bei Ferrari 2021 einnehmen wird. Vettel drehte sich und fiel ans Ende des Feldes zurück.

Rosberg, Weltmeister von 2016, sah eine "eklatante Fehleinschätzung" von Vettel als Ursache des nächsten Rückschlags. Rosberg weiter: "Das ist unerklärlich und enttäuschend. Ich fand es auch ernüchternd, wie er sich gerade rausgeredet hat im Interview", so der 35-Jährige. Ein Bewerbungsschreiben sei das natürlich nicht gewesen, denn in der Formel 1 "ist man nur so gut, wie das letzte Rennen. Die vier WM-Titel zählen jetzt alle nicht mehr", Vettel müsse nun wieder von ganz unten anfangen. "Bitter ist die Untertreibung des Jahres", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Ralf Schumacher bei Sky zum Vettel-Blackout. "Das darf einem Nachwuchsfahrer passieren, aber nicht Sebastian."

Einfacher wird die Cockpit-Suche nach dieser schwachen Performance für Vettel nicht, gegenüber RTL hatte Daimler-Boss Ola Källenius bereits vor dem Rennen die Tür für ein Engagement im Mercedes zugemacht. "Ich verstehe, dass das ein ganz spannender Gedanke ist - gerade für die deutschen Fans. Aber wir haben mit Lewis und Valtteri zwei Top-Fahrer, die performen auf höchstem Niveau", sagte Källenius bei RTL. "Wir haben gestern gesehen: Valtteri auf Pole, das war eine fantastische Runde. Wir stehen zu unseren zwei Fahrern, die wir jetzt haben."

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"Plätze fünf bis sieben sind für uns drin"

Vettels Noch-Ferrari-Kollege Charles Leclerc hingegen durfte einen überraschenden zweiten Rang bejubeln. Den habe der Monegasse selbst "nicht erwartet. Das ist eine Überraschung." Und damit hatte der neue Ferrari-Hoffnungsträger recht. Ferraris Gegner heißen derzeit weder Mercedes noch Red Bull, sondern McLaren, Racing Point und Alpha Tauri - willkommen im Formel-1-Mittelmaß. Allein aufgrund der Schlussphase wurde Leclerc auf das Podium gespült. Letztlich profitierte er von Ausfällen, von der lange gefürchteten Power des Ferraris auf Hochgeschwindigkeitsstrecken war nichts mehr zu sehen.

Der Grund für das generell schwache Auftreten der Scuderia ist wohl in erster Linie unter der Motorhaube zu suchen. Nicht nur Ferrari, sondern auch die Kundenteams Haas und Alfa Romeo waren gegenüber dem Vorjahr eklatant langsamer. Seit den Betrugsvorwürfen gegen den Ferrari-Motor im vergangenen Herbst und der geheimen Einigung zwischen Team und Weltverband Fia brodelt die Gerüchteküche. Der zum Jahresende aussortierte und spürbar angefressene Vettel schätzte die Leistungsfähigkeit der Scuderia am RTL-Mikrofon treffend ein: "Vorne können wir im Moment nicht viel mitreden. Unter normalen Umständen sind die Plätze fünf bis sieben gerade das, was für uns drin ist."

Schon in einer Woche ist auf dem Red-Bull-Ring der zweite Saisonlauf angesetzt, sieben Tage später folgt dann der Große Preis von Ungarn. In Budapest will Ferrari dann eine komplett überholte Version seines Autos an den Start bringen. Sebastian Vettel kann den Radikal-Umbau seines störrischen F1000 sicher kaum erwarten.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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