Formel1

Aufs falsche Pferd gesetzt? Hohn, Spott und Ärger für Vettels Teamchef

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Der Aston Martin von Sebastian Vettel soll umgerüstet werden.

(Foto: HOCH ZWEI/Pool/XPB Images)

Bei Aston Martin läuft es nicht, zumindest nicht schnell genug. Dafür macht das neue Team von Sebastian Vettel auch eine Regeländerung verantwortlich - und hofft darauf, dass das Rad hier wieder zurückgedreht wird. Dafür gibt es von der Konkurrenz jedoch eine deutliche Abfuhr.

Der Formel-1-Rennstall Aston Martin will beim Automobil-Weltverband FIA eine Anpassung der Aerodynamik-Regeln erwirken. Grund: Das Team um Sebastian Vettel sieht sich durch die zur Saison 2021 eingeführten Aero-Regeln im Heckbereich und am Unterboden massiv benachteiligt. AlphaTauri-Teamchef Franz Tost watscht die Briten für den Vorstoß ab.

Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer kündigte an, rund um den GP der Emilia Romagna in Imola (Sonntag, 13.30 Uhr LIVE bei RTL) Gespräche mit der FIA zu führen. Das Vettel-Team beklagt, dass sein aerodynamisches Low-Rake-Konzept - das heißt ein geringer Anstellwinkel - unter den neuen Regeln zu einem unaufholbaren Rückstand geführt habe.

Autos mit hohem Anstellwinkel (High Rake) wie Red Bull und AlphaTauri seien klar im Vorteil, so Szafnauer. Auch Branchenprimus Mercedes, dessen W12 auf Low Rake gepolt ist, hat durch die neuen Regeln an Boden verloren. Der Vorsprung auf Red Bull ist geschmolzen. Aston Martin dagegen fuhr mit beiden Autos am ersten Rennwochenende selbst der erweiterten Spitze hinter Mercedes weit hinterher, auch auf den ersten Runden des zweiten Rennwochenendes in Imola geht es nur langsam voran - auch wenn Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel versicherte, man habe "vielleicht einen Schritt nach vorne gemacht".

Kontra von der Konkurrenz

Gespräche mit der FIA seien "das Richtige", sagte Szafanuer. Sein Team habe alles versucht, um den durch die neue Regel entstandenen Rückstand wettzumachen - laut Aston Martin beträgt der eine Sekunde pro Runde. Eine Welt. "Wir müssen als Team sehr hart arbeiten, um alles was möglich ist, zurückzugewinnen. Aber zugleich sollten wir mit der FIA diskutieren, ob etwas getan werden kann, um es fairer zu machen." Diese Sekunde aufzuholen sei aufgrund der eingeschränkten Weiterentwicklung im Laufe der Saison nicht möglich.

"Wir sollten uns mit der FIA darüber unterhalten, wie wir eine Angleichung (der Aero-Konzepte, d. Red.) hinkriegen könnten", so Szafanuer. Es gehe darum, den gesamten Prozess der Regeländerungen noch einmal aufzurollen, "damit wir herausfinden, was genau passiert ist und warum. Danach können wir schauen, ob man etwas tun kann, um die Sache ausgeglichener zu gestalten." Szafnauer weiter: "Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber es wurde von uns allen, die einen kleinen Anstellwinkel fahren, klargestellt, dass die Änderungen einen größeren Effekt auf uns haben würden. Und so kam es." Hintergrund der Regeländerung waren offiziell Sicherheitsbedenken des Reifenherstellers Pirelli, der angekündigt hatte, für die laufende Saison keine neuen Reifen konstruieren zu wollen - und sich deshalb eingebremste Autos wünschte. "Doch als die Änderungen beschlossen wurden, hat Pirelli verkündet, dass sie auch noch eine neue Reifenkonstruktion bringen", wundert sich Szafnauer.

"Soll sich mit der Geschichte befassen"

Von der Konkurrenz kassiert Szafnauer eine herbe Abfuhr für seinen Vorstoß: Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko Motorsport-Magazin.com schimpfte: "Der soll sich mal ein bisschen mit der Geschichte befassen. Was wir in unserer aktiven Zeit an Änderungen haben hinnehmen müssen", so Marko. "Das ist jetzt aus Sicherheitsgründen gemacht worden und Mercedes ist es ja auch gelungen, das Auto trotzdem noch hinzukriegen." Der Österreicher hatte sogar eine klare Handlungsempfehlung an den Kollegen parat: "Die müssen halt schauen, dass sie die gleichen Informationen von Mercedes kriegen. Das ist ja ein Mercedes." Der Hintergrund: Aston Martins Vorgängerteam Racing Point hatte 2020 den Vorjahres-Mercedes kopiert und war dafür sogar mit Punktabzug bestraft worden.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erinnert daran, dass Ferrari durch eine Regeländerung zuletzt völlig chancenlos durch eine Saison arbeiten musste: "Wir haben das Auto letztes Jahr nach Australien eingefroren und wussten, dass wir schlecht performen werden, ohne im restlichen Verlauf des Jahres eine Chance zu haben", so der Italiener. "Das ist Teil des Spiels. Die Regeln sind für alle dieselben und ich denke nicht, dass du so eindeutig sagen kannst, dass ein Konzept besser oder schlechter ist. Ich denke es ist am Ende nur eine Herausforderung für unsere Designer, sicherzustellen, dass wir bestmöglich performen, egal wie die Regeln sind."

Auch AlphaTauri-Teamchef Franz Tost hält von dem Vorstoß seines Kollegen naturgemäß gar nix. "Die Regeländerung wurden von den Technischen Direktoren und dann nochmal von der F1-Kommission beschlossen", erläuterte der Tiroler bei Sky. Er könne daher überhaupt nicht nachvollziehen, dass Aston Martin sich jetzt beklage. "Ich bin mir auch nicht sicher, dass die Regeländerung für ihre Probleme verantwortlich ist. Das ist einfach nur Gerede. Du kannst nicht die Regeln ändern, wie es dir lustig ist, nur weil deine Ingenieure etwas nicht verstanden haben." Tenor: Die Briten hätten über den Winter aerodynamisch aufs falsche Pferd gesetzt und meckerten jetzt, weil es nicht laufe wie erhofft.

Quelle: ntv.de, mar/ter

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